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Auf der Wald-Konferenz

Montag, 02. März 2020, 07:13 Uhr
Was ist los im Wald? Vergangene Woche hatte man in Beinrode-Kallmerode zur Waldkonferenz geladen. nnz-Leser Manfred Kappler aus Ilfeld hat daran teilgenommen. Der Grundtenor: den Wald wie wir ihn kennen wird es in Zukunft nicht mehr geben...

Die Grüne-Abgeordnete des Europäischen Parlaments Viola von Cramon-Taubadel hatte für den 28. Februar zur Wald-Konferenz Thüringen – Niedersachsen, eingeladen.

Dieser Einladung folgten ca. 60 Personen aus unterschiedlichem Gründen und Interesse. Wie steht es um den Wald in Niedersachsen und Thüringen, und wie kann der Wald der Zukunft aussehen? Eine politische Einführung und Überblick auf den “IST“-Zustand des Waldes.

Wie sollten die Rahmenbedingungen aussehen, um den Wald langfristig vor den Folgen des Klimawandels zu schützen und Resilienzen gegen Hitzestress sowie Parasitenbefall zu aktivieren?

Welche Handreichungen können Politik und Wissenschaft anbieten, um die Zukunftsfähigkeit des Waldes zu sichern und die Interessen der verschiedene Akteur*innen zu verknüpfen?

Hierzu als Referenten und Referentinnen eingeladen waren:
  • Frau Anja Siegesmund Mitglied des Thüringer Landtages, ehemalige Umweltministerin
  • Frau Prof. Dr. Bettina Kietz-HAWK; Fakultät Ressourcenmanagemet
  • Herr Jörn Ripken -Vorstand Thüringer Forst, Anstalt des öffentlichen Rechts
  • Herr Martin Hillman – Leiter des Fachbereichs 4.2, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Geschäftsbereich 4 Forstwirtschaft
  • Herr Dr. Friedhardt Knolle BUND Westharz und Pressesprecher des Nationalpark Harz
  • Frau Susann Biehl, Kirchenoberforsträtin – Evangelische Kirche Mitteldeutschland
  • Frau Lena Dzeia - Leiterin Fachdienst Stadtwald Göttingen
  • Herr Justus Eberl – Mitglied des Präsidiums Waldbesitzerverbandes Thüringen
  • Herr Axel Pampe -Forstamtleiter Forstamt Reinhausen, Landesforsten Niedersachsen
  • Herr Dr. Job Graf von Wintzingerode – Forstbetrieb Wintzingerode

Nach einer herzlichen Begrüßung, von Viola von Cramon – Taubadel, Mitglied der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament; übergab sie das Wort an Frau Anja Siegesmund Abgeordnete des Thüringer Landtags.

Frau Siegesmund, sprach von dem Niedersächsisch – Thüringer Dialog zum Thema Wald. Das Thema Wald wäre nicht nur für Thüringen und Niedersachsen wichtig, sondern für ganz Europa und darüber hinaus, es wäre ein weltweites, bedeutendes Thema. Bei uns sind nicht nur die Fichte von dem Klimawandel betroffen, sondern alle Bäume. Auch die resistent geglaubten Buchen und Eichen hat es stark erwischt. Es sind ohne Ausnahme alle Baumarten betroffen. Der Wald ist das Spiegelbild der Klimakriese, was uns so hart getroffen hat. Der Wald ist unser CO² Speicher er speichert mehr als 15% des CO² Ausstoßes der Bundesrepublik.

Was ist los im Wald? (Foto: Manfred Kappler) Was ist los im Wald? (Foto: Manfred Kappler)

Der Markt für Holz sei zusammengebrochen und die Preise total im Keller. Trotzdem müssen wir Handeln und Neupflanzungen durchführen.

Wieviel wert ist uns, unser Wald ist die Frage der Zeit? Leider haben wir nur noch 15% gesunden Wald, das Immunsysthem des Waldes ist auf großen Flächen angegriffen. So wichtig wie Neupflanzungen sind, ist es sinnvoll, naturgerecht und mit Artenvielfalt die Millionen nötigen Neupflanzungen zu tätigen. Aber es muss mit Augenmaß und Vernunft gepflanzt werden, Schnellschüsse sind oft keine optimale Lösung. Zum Erhalt des Waldes hat Thüringen viele Millionen zur Verfügung gestellt. Hierzu gibt es einen 10 Punkte Aktionsplan.

Den Wald wie wir Ihn kennen wird es in Zukunft nicht wiedergeben. Es darf auch kein Weiter so nicht geben. Wir benötigen stabile Wald- Ökosystheme! Den Wald zu erhalten ist eine Generationen Aufgabe. Eine Aufgabe für Alle, wo alle mit einbezogen werden müssen, auch die nachfolgenden Generationen sind mit einzubeziehen. Mit einem Weiter so wird es uns nicht gelingen die Probleme in den Griff zu bekommen. Ein Weiter so darf es so nicht geben!

Hiernach bekam Frau Prof. Dr. Bettina Kietz-HAWK; Fakultät Ressourcenmanagemet, das Wort. Frau Prof. Dr. Kietz ging aus wissenschaftlicher Sicht auf den Klimawandel und deren Folgen für den Wald ein. Sie sprach regelrecht von einem Klimaschlag in den Jahren 2018-19 und es sähe so aus als ob es so weiter gehen würde, denn bis jetzt wäre jeder Monat über Normal wärmer gewesen. Der fehlende Niederschlag hätte zu Problemen in den Harzer Stauseen bis hin zum Absinken des Grundwassers geführt.

Extreme Wetterlagen führten zunehmend zu stark schwankenden Pegelständen in den Talsperren und Flussläufen. Ein kranker oder fehlender Wald kann extreme Wetterlagen nur schwierig ausgleichen, so kann es zu Hochwasserextremen kommen, da der Wald das Wasser nicht mehr speichern kann und es kommt zu Gleichgewichts- und Ausgleichstörungen.

Auch das Thema Waldbrände, sei noch nicht so aktuell gewesen wie in letzter Zeit. Durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur ist eine verstärkte Zunahme von Waldschädlingen zu verzeichnen, das betrifft nicht nur den Borkenkäfer.

Deutschland sei bisher das größte Verbreitungsgebiet der Buche gewesen, diese zeigt starke Vitalschwächen auf Grund von Hitzeeinstrahlung und Bodenaustrocknung. Hier sind neue Wege erforderlich, die Deutsche Forstwirtschaft solle mal über eine Abkehr von der Industriellen Waldnutzung nachdenken. Ob eine überstürzte Aufforstung der richtige Weg ist, sollte überlegt werden. Hier sei die Forschung gefragt, Forschung zur Störungsökologie und Baumartenwandel. Wir benötigen eine Analogie und Standort Forschung auch in Bezug auf Klimastufen. Die Prognosen deuten darauf hin, dass wir im Jahr 2100 ein Mittelmeerklima in unseren Breiten haben.

Ist der Klima Zug noch zu stoppen? Unsere jetzigen Entscheidungen haben eine Halbwertzeit von 20 bis 30 Jahren. Der Wald und das hochwertige Produkt Holz bedarf eines Ressourcenschonenden Umgangs. Zum Beispiel durch Kaskadennutzung und durch hochwertigere Produkte.

Unser Wald ist nicht nur Holzlieferant, er ist entschieden mehr. Wald ist ein Verbund der Ökosystheme welche vielfältigen Aufgaben und Nutzung haben.

Um den Klimazug noch zu verlangsamen oder zum halten zu bringen, muss auf jeden Fall der CO² Ausstoß verringert werden. Wer soll das bezahlen und wie soll das gehen? In der Regel werden Gewinne privatisiert und die Schulden oder Kosten sozialisiert!



Ist hier eventuell ein Umdenken erforderlich?

Nach den Frauen bekam Herr Jörn Ripken vom Vorstand des Thüringer Forst, das Mikrophon und das Wort. Herr Jörn Ripken vom Thüringer Forst, verdeutlichte die notwendige Bewirtschaftung des Waldes, um einen optimalen Nutzen für alle herauszuholen. Die Aufgabe der Waldbewirtschaftung sei es in erster Linie den regionalen Holzbedarf abzusichern. Es würde nichts bringen Exportholz eizusetzen, wenn dort eine Nachhaltigkeit nicht gewährleistet wäre. Die Vorranghaltung von Holz sei heute entschieden besser als 1945. Das massive Leiden des Waldes in den 80er Jahren habe man sehr schnell in den Griff bekommen durch Kalkungen und die Entschwefelungsanlagen. Seit dieser Zeit ist man dabei den Wald umzubauen in einen Mischwald. Kein Förster hat je damit gerechnet, dass solche Schäden auftreten könnten. Wir hätten noch 20 bis 30 Jahre für den Waldumbau benötigt. Durch diese extreme Trockenheit ist der Wald überfordert. Dieses ist je nach Standort unterschied-lich. Der schnell eingetretene Klimawandel hat die Wasser Zirkulation im Boden total verändert. Die Niederschläge betrugen 2019 teilweise unter 20%, so etwas ist schon Steppenklima. Mit Stürmen wie Frederike usw. haben immer mal zu tun, damit kann man auch zurechtkommen. Solche Wetter sind schon immer mal aufgetreten und für uns fast normal. Nur diese zwei letzten Jahre haben uns überfordert und es ist kein Ende der Katastrophen abzusehen.

Der totale Zusammenbruch des Holzmarktes erbrachte sehr große Verluste. Dennoch ist es unsere Aufgabe den Wald zu erhalten und den Markt weiter mit Holz zu beliefern.

Der Wald hat und braucht eine Zukunft. Wald erhalten ist Klimaschutz jetzt und auch in Zukunft. Wir müssen den Wald Klima- und Artengerecht umbauen. Wenn wir der Natur ihren Lauf lassen, haben wir in Zukunft einen mediterranen Wald, dieser entspricht nicht den Ansprüchen und Bedürfnissen.

Es darf kein Verzicht auf Holz geben, denn Holz und Wald sind CO² Speicher welche wir benötigen. Der Wald geht allen etwas an, nur darf es keine Automation werden. Es braucht auch Entscheidungen im Einzelfall. Wir stehen alle, vor der Aufgabe der Stabilisierung des Waldes.

Unser Wald verursacht zurzeit mehr Kosten als gedacht. So bedarf es der Ursachenbekämpfung, verstärkte Anstrengungen im Klimaschutz und im Waldumbau, es erfordert ein Neudenken und neue Wege welche beschritten werden müssen.

Dann übernahm Herr Martin Hillmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bereich Forst-Wirtschaft den Fortgang der Redner. Herr Hillmann ist für Forstwirtschaft und Naturschutz verantwortlich.

Herr Martin Hillmann ist in seinem Arbeitsbereich mit für die Beratung, Betreuung und Vermarktung von vielen Privaten-Waldbesitzern zuständig. Die Waldstruktur bezieht sich auf große Kieferwald-Bestände in der Heide. Diese privaten Waldbesitzer sind zu Forstbetriebs-Gemeinschaften zusammengeschlossen. Es handelt sich um sehr viele Waldbesitzer mit kleinen uns sehr kleinen Waldflächen welche so betreut werden. Viele dieser Kleinflächen Besitzer stehen durch die Trocken- Jahre vor dem Ruin den wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Es ist kein rauskommen aus dieser Trockenspirale, denn die Erderwärmung geht vorerst weiter. So wurden 3 Millionen Fördermittel für Neuanpflanzungen eingesetzt davon haben wir über 50% Dürreschäden des letzten Sommers zu beklagen.

Thüringen hat den Vorteil da hier, durch Luftbilder die Größe der Schäden und Flächen dokumentiert wurden. So ist hier ein gezieltes Handeln leichter möglich.

In Nord-Rhein-Westfahlen wurden 140 neue Förster eingestellt um gegen den Klimawandel angehen zu können. Geschädigte Forsten bilden ein sehr großes Risiko in vieler Hinsicht.

Zumal wir eine neue Währung, den CO² Preis, bekommen haben. Die BRD konnte sich durch die Wald-Bilanz 62 Millionen Tonnen CO², das sind 7% anrechnen lassen.

Dieses zeigt uns, wie wichtig der Wald für uns ist und dass wir ihn brauchen wie die Luft zum Atmen. Dr. Friedhardt Knolle, der Pressesprecher des National Park Harz, und vom BUND Westharz, bekam als letzter Redner, das Wort, vor der Pause.

Dr. Knolle sagte, wir haben kein Waldsterben, sondern ein Baumsterben, dieses müssen wir den Menschen erklären. Trotz des verstärkten Baumsterbens im Harz haben sich die Übernachtungszahlen erhöht. Er glaubte nicht, dass dieses nur Katastrophen-Tourismus währe.

Die B4 welche über den Harz führt, sollen einige Menschen schon umbenannt haben, nämlich in die Allee der Toten Bäume. Es währen schon erschreckende Bilder, durch das Baumsterben auch im Brocken-Urwald welcher als Naturwald eingestuft ist, in welchen der Mensch nur bedingt eingreift. Dieses Gebiet ist kein Wirtschaftswald. Man sollte schon unterscheiden zwischen dem National Park Harz, den Naturparken Harz und dem Biosphären-Reservat Karstlandschaft Südharz ohne Thüringer Gebiet, womit sich Thüringen sehr schwertut.

Unser Wald befindet sich im Dauerstress, nicht nur durch die Klimaveränderung, sondern mit durch extreme Wetter. Über 20% des Hartholzes sind angeschlagen, es ist nicht nur die Ficht welche leidet. Die Temperaturkurve auf dem Brocken zeigt einen Durchschnittsanstieg von ca. 4,5 °C.

Im Brockengebiet kommt die Fichte bisher damit gut zurecht, sie kommt ohne Probleme wieder. Dieses dokumentieren die Bilder in einem Unterschied von 15 Jahren.

Die Probleme der Stickoxyde usw. der 80er Jahre brauchten bis heute, zur Regeneration, in der naturbelassenen Erneuerung. Wir brauchen also Geduld.

Nur dürfen wir den Nationalpark nicht mit dem Wirtschaftswald vergleichen, hier können wir diese Probleme so nicht lösen. Hier benötigen wir andere Lösungen und Systeme.

Das Problem Klimaveränderung ist ein globales Problem. Auch das Problem Waldnutzung, Holzverbrauch und Holznutzung bedarf auch einer globalen Lösung, anderenfalls werden wir die Probleme schwierig lösen können.

Über den Fortgang der Wald Konferenz werde ich in einem weiteren Bericht in den nächsten Tagen berichten.

Manfred Kappler, Ilfeld
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Autor: red

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