nnz-online
Vorlesung zu Demokratie- und Menschrechtsbildung

Gewalt bleibt Gewalt

Mittwoch, 22. Januar 2020, 13:45 Uhr
Ein proppenvoller Hörsaal erwartete am Dienstagabend den Nordhäuser Professor Dr. Stefan Zahradnik in der Hochschule, wo er zu einer öffentlichen Vorlesung über Extremismus von links und rechts angetreten war. Neben wissbegierigen Studenten waren auch Dozentenkollegen und interessierte Nordhäuser im Auditorium…

Hochschule (Foto: oas) Hochschule (Foto: oas)


Es war bereits die dritte Veranstaltung der Reihe "Populismus, Extremismus und der Aluhut", die sich mit Fragen der Demokratie- und Menschenrechtsbildung und dem Umgang mit unserer Gesellschaftsordnung beschäftigte. War das Interesse in der Vorwoche zum Thema Populismus noch verhalten, so konnte der für 100 Personen ausgelegte Hörsaal gestern Abend das Publikum kaum fassen.

Professors Stefan Zahradnik arbeitete sehr entspannt und konzentriert die Merkmale jeglichen Extremismus heraus und untersuchte die dabei auftretenden Gemeinsamkeiten von politisch rechts und links orientiertem Extremismus. Bis es zum Extremismus kommt, durchlaufen die Betreffenden die Phasen vom populistischen zum radikalen Denken, das schließlich in extremes Handeln übergehen könne. Beiden Lagern sei der Stufenaufbau von Verharmlosung zu Intoleranz und Hasskommunikation eigen, der zwangsläufig zu Menschenfeindlichkeit gegenüber verschiedenen Gruppen und Gegnern führe. Momentan gehen Statistiker deutschlandweit von etwa 24 000 Rechtsextremisten aus und von circa 32 000 Linksextremen. Be der rechtsextrem motivierten Gewalt stehen Körperverletzungen ganz oben, beim linken Pendant die Sachbeschädigungen. Verurteilenswert seien beide Strömungen, weil sie sich gegen das Grundgesetz und die deutschen Strafgesetze richteten.

An der Nordhäuser Hochschule wollen sie sich für Maßnahmen gegen die Radikalisierung in der Gesellschaft stark machen. Die Förderung von Toleranz bei gleichzeitiger persönlicher Haltung, von sachlicher Kommunikation und Medienkompetenz benannte Zahradnik als wichtige Themenfelder, aber auch die konsequente Verfolgung politisch motivierter Delikte, wie sie in der Vergangenheit auch an der Nordhäuser Hochschule vorkamen.

Die anschließende Diskussion warf die Frage auf, ob es einen besseren und einen schlechteren Extremismus gäbe, was der Professor klar verneinte. Entscheidend seien die Gewalttaten als Ergebnis von Extremismus, von welcher Seite sie verübt würden sei bei der Strafverfolgung irrelevant. Auch die leidenschaftlichen Plädoyers aus der Zuhörerschaft für die moralische Richtigkeit von Widerstand gegen die Staatsgewalt konnten Zahradnick in seiner nüchternen und realen Bewertung nicht beeinflussen. Extremismus bleibt Extremismus und Gewalt bleibt Gewalt. Und die ist zu verurteilen.

In Punkto Hasskommentare fand auch die nnz Erwähnung in den Ausführungen des Professors, der sich bei einigen gelesenen Kommentaren fragte, warum sie nicht von der Redaktion gesperrt würden. Die Schwierigkeit abzuwägen, wo Toleranz und Meinungsfreiheit endet und eine Verletzung des Grundgesetzes und der guten Sitten beginnt, ist ihm aber aus dem hochschuleigenen Kommunikationssystem „Jodel“ selbst nicht unbekannt.

Nächste Woche wird es (wieder am Dienstagabend um 18 Uhr) einen weiteren öffentlichen Vortrag geben, in dem Professorin Dr. Cordula Borbe gemeinsam mit dem ehemaligen Leiter der KZ-Gedenkstelle Mittelbau Dora, Stefan Hördler, der Frage nachgehen will, m ob es sinnvoll wäre einen Studiengang für Gedenkstättenpädagogik aufzulegen. Auch das könnte eine spannende Veranstaltung werden.
Olaf Schulze
Autor: osch

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de