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Taucher ersaufen lassen

Dienstag, 10. Mai 2005, 15:02 Uhr
Nordhausen (nnz). Was sich hier so reißerisch liest, das ist in Wahrheit höchst Dichtkunst und hat irgendwie mit einer Dichterstätte und irgendwie auch mit Schiller zu tun. Ein nnz-Beitrag von Heidelore Kneffel klärt auf.


Es ist keine Frage, dass die Dichtung Friedrich Schillers in der Dichterstätte in Limlingerode anlässlich seines 200. Todestages zu hören sein wird. Der Balladen-Wettstreit der beiden Dichter Goethe und Schiller, den sie 1797/1798 in sehr friedlicher Weise gestalteten und der zu den in aller Welt berühmten klassischen Balladen führte, steht am 21. Mai 2005 ab 14.30 Uhr auf dem Programm. Über diese „fruchtbringende“ Zeit des Balladenschaffens gibt der Briefwechsel beider Dichter zwischen Weimar und Jena Aufschluss.

Schiller suchte 1797 in Jena ein anderes Zuhause und erwarb für 1150 Reichstaler das Grundstück „hinterm Gasthof zum gelben Engel, auf dem sogenannten Jüdengraben“. Es lag idyllisch und frei, umgeben von Gemüsefeldern, Wiesen, Bäumen und Sträuchern, ein Bach, die Leutra, plätscherte am Rande vorbei. Am 2. Mai 1797 zog die Familie Schiller ein und verlebte hier bis 1799 vor allem die Sommermonate, dann zog man nach Weimar. Im Gartenhaus entstanden neben den Balladen das Drama „Wallenstein“, Teile von „Maria Stuart“ und „Die Jungfrau von Orleans“.

Heute trägt Schillers Gartenhaus die Adresse Schillergässchen 2 und beherbergt ein Museum über den Dichter. Neben dem Haus ist auch der Garten sehenswert. Da sich in der Dichterstätte Sarah Kirsch auch andere Dichterstätten vorstellen, lag es nahe, das Team des Gartenhäuschens zu bitten, Schillers dort entstandene Balladen und den Briefwechsel darüber mit Goethe vorzutragen.

Im Balladenjahr, so nennt man in der Literaturgeschichte das Jahr 1797, schrieb Schiller „Die Kraniche des Ibykus“, „Die Bürgschaft“, „Der Handschuh“, „Der Taucher“, „Der Ring des Polykrates“, „Der Gang nach dem Eisenhammer.“

Goethe besuchte Schiller häufig im Gartenhaus, und in den Zwischenzeiten gingen viele Briefe hin und her. „Lassen Sie uns, so lange wir beisammen bleiben, auch unsere Zweiheit immer mehr in Einklang bringen, damit selbst eine längere Entfernung unserem Verhältnis nichts anhaben könne“, schrieb Goethe am 17. Mai 1797. Bis zu Schillers frühem Tod am 09. Mai 1805 wird es so sein.

Am 16. Juni 1797 schrieb Goethe an Schiller: „... Leben Sie recht wohl und lassen Ihren Taucher je eher je lieber ersaufen. („Der Taucher“) Es ist nicht übel, da ich meine Paare („Die Braut von Korinth“ und „Der Gott und die Bajadere“) in das Feuer und aus dem Feuer bringe, daß Ihr Held sich das entgegengesetzte Element aussucht.“ Goethe verfasste in dieser Zeit außerdem „Der Zauberlehrling“ und „Der Schatzgräber“.
Wer daran interessiert ist, diese Höhepunkte deutscher Balladendichtung zu hören, ist am 21. Mai um 14.30 Uhr willkommen in der Langen Reihe 11.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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