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Wie ist die Stimmung?

Dienstag, 03. Mai 2005, 10:57 Uhr
Nordhausen (nnz). „Die Skeptiker sollten Recht behalten. Wer nach dem zaghaften Aufwärtstrend des letzten Quartals an einen weiteren Anstieg der Konjunkturkurve glaubte, muss seine Hoffnungen nach der Frühjahrsumfrage begraben.“ So lautet das Fazit einer Konjunkturumfrage im Thüringer Handwerk. Einzelheiten wie immer mit einem Klick.


„Von positiver Stimmung ist nichts mehr zu spüren. Die Erwartungen an spürbare Veränderungen zugunsten des Handwerks im Zuge durchgreifender Reformen waren zu hoch und die Aussicht auf deutliche Fortschritte wohl auch verfrüht“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, Dr. Dieter Artymiak, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer. Der heftige Einbruch betrifft alle Branchen und lässt den Konjunkturklima-Index auf einen Tiefpunkt sinken. Lediglich 7 Prozent aller befragten Unternehmen schätzen ihre Geschäftslage als gut ein, bei den Gesundheitsberufen kein einziger Betrieb.

Saisonal bedingt kam im Bau- und Ausbaugewerbe der Abwärtstrend nicht unerwartet. Zu befürchten war ein weiterer Umsatzrückgang auch bei den Gesundheitsberufen. Die Unsicherheit der privaten Konsumenten im Zuge der Gesundheitsreform ist unübersehbar. Die insgesamt stagnierende Konjunktur spiegelt sich auch in einer weiter verhaltenen Investitionsneigung der Unternehmen wider. Fehlende Aufträge, sinkende Betriebsauslastung und geringes Eigenkapital lassen ohnehin lediglich notwendige Ersatzbeschaffungen zu.

Erfreulich ist die Stabilisierung der KFZ-Branche, des Nahrungsmittelhandwerks und der gewerblichen Dienstleister. Die Unternehmen der technisch spezialisierten Bereiche hoffen auf Impulse des von der Industrie vermeldeten Wachstums. Die Beschäftigung im Handwerk unterliegt branchenbezogen unterschiedlichen Schwankungen. Insgesamt ist jedoch nach wie vor ein Rückgang des Personalbestands zu verzeichnen. Trotz Finanzmisere der Kommunen, Zurückhaltung der privaten Konsumenten und Befürchtungen von Wettbewerbsverzerrungen im Zuge der Vergabe von Ein-Euro-Jobs, die das Handwerk tangieren, blicken die Unternehmen hoffend und mit etwas Zuversicht in das nächste Quartal. Circa 70 Prozent rechnen mit einer guten oder befriedigenden Geschäftslage.


Geschäftslage
Die Bewertung ihrer aktuellen Geschäftslage aller Handwerksunternehmen hat sich verschlechtert. Der Konjunkturklima-Index liegt noch unter dem bereits niedrigen Wert des Vergleichquartals 1/2004. Damals schätzten knapp 54 Prozent aller Betriebe ihre derzeitige Situation als schlecht ein, in diesem Jahr sind es mehr als 55 Prozent. Branchenbezogen sind jedoch erhebliche Unterschiede festzustellen. Prekär ist die Situation bei den Gesundheitsberufen. Fast 95 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als schlecht, saisonbedingt nicht unerwartet gefolgt vom Bau- und Ausbaugewerbe mit 77 Prozent, beziehungsweise 55 Prozent. Diese Betriebe blicken allerdings wesentlich optimistischer auf die Sommersaison, ca. 80% erwarten eine gute oder befriedigende Geschäftslage.

Die Befragungsgruppe mit Leistungsangebot für den gewerblichen Bedarf ist nicht mehr ganz so hoffnungsvoll wie im Vorjahr, doch sind etwas mehr als die Hälfte der Betriebe mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Auch im KFZ- und Nahrungsmittelhandwerk sowie bei den personenbezogenen Dienstleistern konnte sich der positive Trend nicht fortsetzen, doch bewerten von den befragten Betrieben fast 50 Prozent ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend und rechnen mit deutlichen Verbesserungen. Insgesamt schätzen 70 Prozent aller befragten Unternehmen ihre zukünftige Geschäftslage mit gut bzw. befriedigend ein. Im 1. Quartal 2004 lag dieser Wert bei 72 Prozent .


Betriebsauslastung
Die Betriebsauslastung ist in allen Branchen gesunken und liegt derzeit lediglich nur in 31% aller Unternehmen über 70%. Erschreckend ist auch hier die Situation bei den Gesundheitsberufen – 95% dieser Unternehmen verzeichnen eine Auslastung unter 70 Prozent.


Umsatz
Die Nachfrage nach handwerklichen Waren und Leistungen sinkt. Lediglich 5 Prozent der Betriebe berichten über gestiegene, 35 Prozent über konstante Umsätze. Saisonbedingt sanken die Umsätze im Bau- und Ausbaugewerbe mit 70 Prozent und 63 Prozent besonders stark, die
Gesundheitsberufe beklagen einen Umsatzrückgang von 84 Prozent. Nahezu konstante Umsätze verzeichnen die Nahrungsmittel- und die KFZ-Branche mit jeweils 46 Prozent und 50 Prozent gestiegenen oder gleichen Umsätzen. Die zurückhaltend optimistischen Erwartungen für das nächste Halbjahr sind saisonal begründet. Mit steigenden Umsatzerlösen rechnen knapp 19 Prozent aller Unternehmen, Umsatzeinbußen prognostizieren 32 Prozent aller Handwerksunternehmen. Diese Werte sind identisch mit der Frühjahrsumfrage vor einem Jahr.


Investitionen
Angesichts der kurzen Auftragsreichweite und mangelnder Betriebsauslastung bleibt die Investitionstätigkeit weiter sehr verhalten. Die Betriebe beschränken sich auf notwendige Ersatzbeschaffungen. Nur 3 Prozent aller Unternehmen berichten von erhöhten Investitionsausgaben, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 4 Prozent der Befragten. Fehlendes Industriewachstum und schwache Binnennachfrage lassen brachenübergreifend knapp die Hälfte der befragten Handwerker ihre Investitionen weiter zurückstellen.


Verkaufspreise
Insgesamt hält der Druck auf die Verkaufspreise weiter an. Fast 46 Prozent der Handwerksunternehmen berichten über stabile, knapp 48 Prozent über gesunkene Preise. Zwar konnten in allen Branchen gestiegene Verkaufspreise erzielt werden, jedoch lediglich bei ca. 6 Prozent aller Unternehmen. Vor allem Betriebe des Bau- und Ausbaugewerbes und der gewerblichen Dienstleister geben gesunkene Verkaufspreise an. Deutlich angehobene Rohstoff- und Energiepreise belasten die Unternehmen zusätzlich, so dass selbst moderat erhöhte oder stabile Preise die Ertragslage nicht positiver gestalten.


Beschäftigte
Bei 62 Prozent der Unternehmen hat es keine Veränderungen der Beschäftigtenzahlen gegeben. Die Bereitschaft zur Personaleinstellung stagniert weiter. Nur in 4 Prozent der Unternehmen wurden Neueinstellungen vorgenommen, Personal abgebaut wurde bei 34 Prozent aller Betriebe. Die meisten Entlassungen waren saisonbedingt im Baugewerbe zu verzeichnen, 55 Prozent dieser Betriebe mussten Personal reduzieren, werden jedoch über die Sommermonate auch die meisten Mitarbeiter einstellen. Insgesamt werden 18 Prozent aller befragten Unternehmen im nächsten Quartal weitere Personalreduzierungen vornehmen, nur 8 Prozent der Betriebe ihre Beschäftigtenzahl erhöhen.
Autor: nnz

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