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Kpreissparkassenchef Wolfgang Asche im nnz-Gespräch:

"Ich hoffe, es bleibt mir erspart!"

Montag, 25. November 2019, 15:30 Uhr
Es sind noch knapp 16 Monate, die Wolfgang Asche die Geschicke der Kreissparkasse Nordhausen leiten wird. Er hat sie mit aufgebaut, konnte viel gestalten und hofft, dass er eine Entscheidung nicht treffen muss. Wir haben uns mit ihm unterhalten...

Am Nachmittag wurde der Haupteingang am Kornmarkt repariert (Foto: nnz) Am Nachmittag wurde der Haupteingang am Kornmarkt repariert (Foto: nnz)
Heute Nachmittag war die Hauptstelle der Kreissparkasse nur durch einen Seiteneingang mi Bistro zu erreichen. Es mussten Reparaturarbeiten am Haupteingang vorgenommen werden.

Am marktbeherrschenden Kreditinstitut des Landkreises Nordhausen müssen derzeit keine "Reparaturen" vorgenommen werden, doch auch das Jahr 2019 - so zeigt es sich in einem ersten Rückblick - ist kein gewöhnliches. Das wird der Vorstandsvorsitzende am Abend in seinem Grußwort zur alljährlichen Mitarbeiterversammlung auch sagen. Aber er wird auch den aktuell 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Arbeit danken und wird deren Fragen beantworten.

Einen Fünf-Jahresplan habe der Vorstand beschlossen und musste rückblickend auf das vergangene Jahr neu nivellieren: "Wir und viele unserer Kollegen in anderen Banken und Sparkassen hatten fest damit gerechnet, dass die Zinsen am langen Anleihenende nach oben gehen würden". Falsch gedacht, denn nach dem Wechsel an der Spitze der EZB krachten sie bis ins Negative. Auch deshalb: "Die Lage ist ernst", sagt Wolfgang Asche, schließlich besteht das Geschäft einer Sparkasse zum größten Teil aus dem Zinsgeschäft. Doch was tun, wenn selbst die KfW andeutet, Kredite mit Negativzinsen vergeben zu können?

In der Hauptstelle der Nordhäuser Kreissparkasse realisierte man deshalb ein außerordentlich gutes Kreditgeschäft - vermutlich dem besten aller Zeiten. Auch das Maklergeschäft sei mehr als erfolgreich im zu Ende gehenden Jahr gelaufen und laut Asche könnte sich auch in diesem Segment die Marktführerschaft andeuten.

Guckt man als Laie dann noch auf das Geschäft der Kundeneinlagen, könnte man versucht sein auszurufen "Schampus für alle". Zum ersten Mal wird dieses Segment die Grenze von einer Milliarde Euro überschreiten, doch: im Zeichen politischer Minuszinsen ist die Sektlaune schnell dahin. Einen positiven Effekt der Negativzinsen sieht Asche dennoch: die Sparer werden mutiger und lassen das Anlagegeschäft langsam wachsen. Fondssparpläne sind im Kommen und versprechen einen leichten Zinsgewinn, der an die aktuelle Inflation jedoch auch nicht heranreicht. Deshalb bedeutet die EZB-Politik für Asche: "Die Sparer und die Menschen, die einst auf eine stabile Altersvorsorge gesetzt haben, sind die Verlierer, leider!"

In der heutigen Mitarbeiterversammlung, zu der seitens des Personalrates eingeladen wurde, wird auch die Digitalisierung in Richtung der Kunden und in Richtung der Mitarbeiterschaft eine Rolle spielen. Hinzu komme der prognostizierte Bevölkerungsrückgang. Weniger Einwohner im Landkreis bedeuten zwangsläufig weniger Kunden, deshalb sei eine Reduzierung der aktuell 220köpfigen Belegschaft um zehn bis 15 in den kommenden Jahren unabdinglich und trotzdem: "werden wir das Fachkräftethema zu spüren bekommen", sagt Wolfgang Asche und ist überzeugt, dass dieses Problem eventuell in den kommenden Jahren den Ausschlag geben könnte, um über eine Fusion von Sparkassen, auch im Thüringer Norden nachzudenken.

Noch mehr beschäftigt den Kunden der Kreissparkasse die Möglichkeit, dass er auf sein Guthaben irgendwann Negativzinsen bekommen wird, also eine Gebühr für die Aufbewahrung seines Geldes zahlen muss. Schon jetzt werden 0,5 Prozent für Geschäftskunden ab einer Einlage von 50.000 Euro fällig. Im Privatkundensegment gibt es keine Negativzinsen, doch "wir beschäftigen uns damit, denn wir müssen vorbereitet sein. Es ist der Dominoeffekt, wenn eine Bank der Region damit beginnt, dann müssen wir reagieren", sagt derjenige, der 48 Jahre Mitarbeiter der Sparkassenorganisation ist und schiebt nach: "Ich hoffe, dass mir diese Entscheidung in meine verbleibenden Dienstzeit erspart bleibt!"
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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