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Sie kann’s

Montag, 02. Mai 2005, 20:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Frauen können nicht einparken, und Autofahren schon gar nicht. Sonja Lange ist die Frau, die dieses Vorurteil widerlegen wird. nnz stellt sie vor.


Sie kann’s (Foto: nnz) Sie kann’s (Foto: nnz)

40 Jahre ohne Unfall, keinen einzigen Punkt in Flensburg, nicht mal ein Knöllchen fürs Falschparken, das ist die Bilanz von Sonja Langes Autofahrerkarriere. Kein Wunder, daß ihr Traumberuf eigentlich Kraftfahrerin war, aber als Frau ging das damals nicht. Jetzt arbeitet sie in der Poststelle der Nordhäuser Stadtverwaltung. Autofahren ist ein Hobby geblieben. Eines, für das sie gern Geld ausgibt. „Lieber tanken fahren als ein neues Kleid kaufen.“ sagt Sonja Lange. Früher fuhr sie Trabbi, 1988 sogar einmal nach Westdeutschland. Am Grenzübergang Worbis-Duderstadt hatte die Rennpappe Vorfahrt. Die Westautos hielten erstaunt an, berichtet die Fahrerin stolz. Inzwischen wurde es ein Mazda. Mit diesem ist Sonja Lange sehr zufrieden. Ihr Mann findet es übrigens toll, daß sie so gut und gern fährt. Er selbst setzt sich nicht ans Steuer.

40 Jahre fährt sie unfallfrei und damit verdiente sich Sonja Lange die Auszeichnung „Bewährter Kraftfahrer in Gold mit Eichenkranz“. Olaf Salomon und Dieter Köhler von der Kreisverkehrswacht Nordhausen zeichneten sie heute aus. Im Landkreis ist sie die erste Frau, der diese Auszeichnung zu teil wurde. Vielleicht schafft es auch ihre Tochter, überlegt Sonja Lange. Der hat sie das Interesse an Autos nämlich vererbt.

Bei der Auszeichnungsveranstaltung war sie nicht allein. Auch Bernd Donnerberg aus Nordhausen fuhr 40 Jahre unfallfrei. Er war Berufskraftfahrer seit 1964, bis 1969 auf dem LKW unterwegs, danach bis 1994 als Bus- und Taxifahrer. Inzwischen hat er die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. „Aber Autofahren macht mir immer noch Spaß.“ sagt er und äußert den Wunsch noch einmal einen richtig alten Ikarus-Bus zu fahren. Er berichtet von der täglichen Pflege der Fahrzeuge, der Kontrolle des Öl- und des Kühlwasserstandes. „Wir hatten immer eine Gieskanne voll Wasser dabei.“ Das kann sich heute keiner mehr vorstellen, der die modernen Fahrzeuge auf dem Depot in der Robert-Blum-Straße stehen sieht.

Heute ist es natürlich schwerer auf 40 unfallfreie Jahre zu kommen, meint Olaf Salomon. Heute ist der Verkehr dichter und erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit. Außerdem hätten in der DDR die gefürchteten jungen Fahrer von 18 bis 25 Jahren nur selten selbst ein Auto besessen. „Aber heute rasen und drängeln sie oft.“ meint auch Sonja Lange. Sie und alle anderen ausgezeichneten Autofahrer möchten den Jugendlichen ein Vorbild sein und sie zum rücksichtsvolleren Fahren auffordern.
Autor: wf

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