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Nachgefragt

Das ist schon organisierte Kriminalität

Samstag, 16. November 2019, 08:00 Uhr
Sie tauchen in beständiger Regelmäßigkeit in unseren Polizeimeldungen auf und bilden trotzdem nur einen kleinen Teil der Realität ab - die Fahrraddiebstähle. Wir haben uns für die Hintergründe interessiert...

Eingesperrt (Foto: Polizei Nordhausen) Eingesperrt (Foto: Polizei Nordhausen)
Monatlich rund 20 neue Anzeigen "landen" auf dem Tisch von Michael Meyer. Der Polizeihauptmeister ist zuständig für die Bearbeitung und Ermittlung bei Fahrraddiebstähle im Landkreis Nordhausen.

Der Fahrradklau ist im Landkreis nun keine neue Erscheinung, gestohlen wurden die Drahtesel schon immer. Was sich geändert hat, dass ist die Vorgehensweise der Täter, die sich immer öfter zu Tätergruppen zusammenschließen. Waren bis zum vergangenen Jahr eigentlich alle "Arten und Typen" von Rädern das Ziel der diebischen Begierde, so beobachtet der Polizeibeamte seit Jahresbeginn den Trend zum Diebstahl von hochwertigen Rädern.

"Da sprechen wir von Fahrrädern von einem materiellen Wert, der bei rund 1.000 Euro für die Täter interessant wird. Bei E-Bikes und Pedelecs sind es dann schon mehrere Tausend Euro", erklärt Michael Meyer. Zu den Motiven können nur schwerlich konkrete Aussagen getroffen werden, denn in diesem Deliktfeld liegt die Aufklärungsquote bundesweit mal gerade bei rund zehn Prozent.

Aus den Erfahrungen der Ermittler steht allerdings die Beschaffungskriminalität immer noch ganz oben auf der Motivliste. Ist ein "normales Rad" erst einmal geklaut, dann wird das an bekannte Hehler weitergereicht und es werden "Sammeltransporte" bestückt. So kann es sein, dass ein solches Fahrrad in irgendeiner Großstadt dieser Republik auftaucht. Hochpreisige Räder werden aber auch demontiert, die Einzelteile "verkauft". So lassen sich zum Beispiel für ein komplettes hochwertiges Hinterrad schon mal 200 Euro und mehr "erlösen".

Diese Zweiräder suchen ihre Besitzer, sie befinden sich noch im "Gewahrsam" der Nordhäuser Polizei

Zunehmend wird in Deutschland aber auch der Trend beobachtet, dass vor allem hochwertige Bikes und elektrisch unterstützte Zweiräder den Weg nach Osteuropa oder in die baltischen Staaten gehen. Diese Erfahrungen stützen sich meist als "Nebenprodukt" im Zuge von Aufklärungen anderer Straftaten. Im Raum Nordhausen kann es schon mal vorkommen, dass bei einer Wohnungsdurchsuchung ein Fahrrad-Ersatzteillager zum Vorschein kommt.

Wie also kann sich der gemeine Radler vor einem Fahrrad-Klau schützen? "Da ist ein hochwertiges Schloss das A und O. Möglichst sollte das Rad damit an einen befestigten Gegenstand angeschlossen werden. Auch das Verbinden von zwei Rädern ist sinnvoll. Das Anschließen sollte auch in einem abgeschlossenen Keller- und Vorratsraum erfolgen", sagt Meyer. Wichtig aus seiner Erfahrung: Mieter in Mehrfamilienhäusern sollten unbedingt darauf achten, dass alle Hauseingangstüren über Nacht abgeschlossen sind.

Natürlich gebe es heutzutage GPS-Sender, die man am oder im Rad einbauen kann, aber diese Verstecke kennt mittlerweile auch die "Kundschaft" der Polizei. Und: bei einem Fahrradkauf sollte unbedingt die Rahmennummer notiert, ein Foto gemacht und eine korrekte Beschreibung hinterlegt werden, denn im Falle eines Diebstahls kann das den Ermittlern nicht nur bei der Aufklärung, sondern vor allem bei einer Rückgabe des Diebesgutes an den eigentlichen Besitzer helfen.

Darüber hinaus gibt es in der digitalen Welt eine App. Sie nennt sich "Fahrradpass-App" und ist kostenfrei in den bekannten Stores zu finden. Weitere Informationen zur Prävention finden interessierte Leser unter polizei-beratung.de
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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