Helmut Günther kandidiert für die Freien Wähler
Frei und einzeln im Wahlkampf
Samstag, 19. Oktober 2019, 07:30 Uhr
Der echte Nordhäuser Helmut Günther ist 1952 in der Rolandstadt geboren und aufgewachsen. Als Kandidat der Freien Wähler bewirbt er sich als Einzelkandidat für einen Sitz im Thüringer Landtag im Wahlkreis Nordhausen II. Seit 2017 ist er Mitglied in der Landespartei der Freien Wähler.
Herr Günther, vielleicht können Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen, da Ihr Name bisher auf der politischen Bühne noch nicht so bekannt ist?
Helmut Günther: Weil meine Familie aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt, wollte ich eigentlich Tierarzt werden. Letztendlich wurde ich aber Baustoffverfahrenstechniker mit Abschluss als Diplom-Ingenieur. Mein ganzes Berufsleben lang hatte ich mit dem Südharzer Gips zu tun, erst in der Forschung und Entwicklung in Rottleberode und später in Osterode. Jetzt bin ich im Ruhestand und engagiere mich politisch bei den Freien Wählern.
Die Freien Wähler hatten ihre Landesliste nicht fristgerecht eingereicht, weshalb sie jetzt auch nicht mit der Zweitstimme (der Parteienstimme) gewählt werden können Wie schmerzhaft ist dieses Versäumnis für Sie als Einzelkandidat?
Helmut Günther: Das ist schon schwierig. Wir hatten Ende Juli eine Landesliste aufgestellt, die nicht fristgerecht eingereicht wurde. Die 18 Listenkandidaten haben sich daraufhin entschlossen, als Einzelkandidaten in ihren Wahlkreisen anzutreten. Natürlich fehlt uns nun die Unterstützung der Partei im Wahlkampf. Durch den faux pas und seine Publizierung hat es aber sogar Neueintritte gegeben. So hatte die Sache auch etwas Positives.
Sie wollen für die Freien Wähler nun als Direktkandidat in den Thüringer Landtag einziehen. Welches sind Ihre Kernthemen?
Helmut Günther: Ich bin aufgrund meiner allgemeinen Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen zur Politik gekommen und wünsche mir hier mehr Bürgerbeteiligung. Das ist der wichtigste Punkt. Außerdem setze ich mich für wirtschaftliche Fragen und eine bessere Bildungspolitik im Land ein.
Wie ist die derzeitige Verfassung der Freien Wähler im Landkreis Nordhausen und was können Sie objektiv in der Regionalpolitik bewegen?
Helmut Günther: Wir sind momentan noch sehr wenige und ich hoffe, dass es gelingt nach der Wahl in Nordhausen eine Struktur aufzubauen, die es uns ermöglicht bei den nächsten Kommunalwahlen antreten zu können. Sowohl für den Stadtrat als auch für Kreistag. Das ist die Motivation, die mich treibt.
Im Landkreis Nordhausen wartet ein Industriegebiet seit Jahren auf seine Vermarktung. Wie sollte eine Ansiedlung Ihrer Meinung nach forciert werden?
Helmut Günther: Ein schwieriges Thema. Ich glaube, dass sich die Politik schon um Ansiedlungen gekümmert hat, aber nicht um die richtigen. Hier sind innovative Industrien gefragt und wir haben in Nordhausen einige Betriebe, die dafür in Frage kämen. Auch aus der Hochschule könnte ich mir Ausgründungen vorstellen, die sich dort ansiedeln. Die müssten gefördert werden. Gerade in der Gips-Problematik sehe ich eine Chance für neue Forschungsprojekte.
A pro pos, welche Position vertreten Sie in der viel diskutierten Frage des Gipsabbaus im Südharz und wie bewerten Sie die Anstrengungen um ein Biosphärenreservat?
Helmut Günther: Wir kommen hier in unserer Region nicht um den Gipsabbau herum. Aber wir müssen mit dem Rohstoff so schonend wie möglich umgehen. Wo die gebrauchte Menge zukünftig herkommen soll ist heute sehr unklar. Das wird eine der Herausforderungen für die Baustoffindustrie werden. Vom Biosphärenreservat bin ich nicht begeistert. Da müsste offener über die entstehenden Probleme gesprochen werden. Ich befürchte, das Projekt wird am Ende eine überzogene Geschichte, die der Region nicht hilft.
Ein anderes heißes Thema ist der Umgang mit dem ländlichen Raum, was den ÖPNV und die allgemeine Versorgung betrifft. Welche Ideen möchten Sie hierzu gern umsetzen?
Helmut Günther: Wir haben eine schlechte demographische Prognose für den Landkreis. Um junge Leute zu gewinnen, müssen in den Dörfern brach stehende Gebäude schnell weitergegeben werden, ehe das Ruinen werden. Hier muss es eine Förderung für Neuansiedlungen geben. Im ÖPNV sollten die Busgrößen überprüft und die Fahrzeiten variabler gestaltet werden. So könnte es doch Busse geben, die regelmäßig durch den Landkreis pendeln. Und für die medizinische Versorgung muss es Anreize für junge Ärzte geben, damit die sich im ländlichen Raum niederlassen.
Die Bundesregierung hat dieser Tage ein Klimaschutzpaket verabschiedet. Was halten Sie davon?
Helmut Günther: Ich halte es für überstürzt. Viele der überstürzten Beschlüsse wie etwa der Atomausstieg fallen uns heute auf die Füße. Am Abschalten der Kraftwerke hängen ja immer auch andere Dinge mit dran. Wir brauchen hier mehr innovative Techniken, um beispielsweise CO2 abzubauen oder zu binden. Ich habe große Bedenken, ob Thüringen zukünftig nur mit Solar- und Windstrom versorgt werden kann. Dabei gibt es viele andere interessante Techniken. Stichworte sind hier Wasserstoff oder Methangas.
Wenn es im neuen Landtag zu einer Regierungsbildung kommt, welchem Lager würden Sie Ihre Stimme geben?
Helmut Günther: Ich würde immer nach den sachlichen Vorgaben entscheiden und niemals parteipolitisch oder fraktionsgebunden agieren. Das ist ja gerade der Unterschied, der die Freien Wähler ausmacht.
Das Gespräch führte Olaf Schulze
Autor: oschHerr Günther, vielleicht können Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen, da Ihr Name bisher auf der politischen Bühne noch nicht so bekannt ist?
Helmut Günther: Weil meine Familie aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt, wollte ich eigentlich Tierarzt werden. Letztendlich wurde ich aber Baustoffverfahrenstechniker mit Abschluss als Diplom-Ingenieur. Mein ganzes Berufsleben lang hatte ich mit dem Südharzer Gips zu tun, erst in der Forschung und Entwicklung in Rottleberode und später in Osterode. Jetzt bin ich im Ruhestand und engagiere mich politisch bei den Freien Wählern.
Die Freien Wähler hatten ihre Landesliste nicht fristgerecht eingereicht, weshalb sie jetzt auch nicht mit der Zweitstimme (der Parteienstimme) gewählt werden können Wie schmerzhaft ist dieses Versäumnis für Sie als Einzelkandidat?
Helmut Günther: Das ist schon schwierig. Wir hatten Ende Juli eine Landesliste aufgestellt, die nicht fristgerecht eingereicht wurde. Die 18 Listenkandidaten haben sich daraufhin entschlossen, als Einzelkandidaten in ihren Wahlkreisen anzutreten. Natürlich fehlt uns nun die Unterstützung der Partei im Wahlkampf. Durch den faux pas und seine Publizierung hat es aber sogar Neueintritte gegeben. So hatte die Sache auch etwas Positives.
Sie wollen für die Freien Wähler nun als Direktkandidat in den Thüringer Landtag einziehen. Welches sind Ihre Kernthemen?
Helmut Günther: Ich bin aufgrund meiner allgemeinen Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen zur Politik gekommen und wünsche mir hier mehr Bürgerbeteiligung. Das ist der wichtigste Punkt. Außerdem setze ich mich für wirtschaftliche Fragen und eine bessere Bildungspolitik im Land ein.
Wie ist die derzeitige Verfassung der Freien Wähler im Landkreis Nordhausen und was können Sie objektiv in der Regionalpolitik bewegen?
Helmut Günther: Wir sind momentan noch sehr wenige und ich hoffe, dass es gelingt nach der Wahl in Nordhausen eine Struktur aufzubauen, die es uns ermöglicht bei den nächsten Kommunalwahlen antreten zu können. Sowohl für den Stadtrat als auch für Kreistag. Das ist die Motivation, die mich treibt.
Im Landkreis Nordhausen wartet ein Industriegebiet seit Jahren auf seine Vermarktung. Wie sollte eine Ansiedlung Ihrer Meinung nach forciert werden?
Helmut Günther: Ein schwieriges Thema. Ich glaube, dass sich die Politik schon um Ansiedlungen gekümmert hat, aber nicht um die richtigen. Hier sind innovative Industrien gefragt und wir haben in Nordhausen einige Betriebe, die dafür in Frage kämen. Auch aus der Hochschule könnte ich mir Ausgründungen vorstellen, die sich dort ansiedeln. Die müssten gefördert werden. Gerade in der Gips-Problematik sehe ich eine Chance für neue Forschungsprojekte.
A pro pos, welche Position vertreten Sie in der viel diskutierten Frage des Gipsabbaus im Südharz und wie bewerten Sie die Anstrengungen um ein Biosphärenreservat?
Helmut Günther: Wir kommen hier in unserer Region nicht um den Gipsabbau herum. Aber wir müssen mit dem Rohstoff so schonend wie möglich umgehen. Wo die gebrauchte Menge zukünftig herkommen soll ist heute sehr unklar. Das wird eine der Herausforderungen für die Baustoffindustrie werden. Vom Biosphärenreservat bin ich nicht begeistert. Da müsste offener über die entstehenden Probleme gesprochen werden. Ich befürchte, das Projekt wird am Ende eine überzogene Geschichte, die der Region nicht hilft.
Ein anderes heißes Thema ist der Umgang mit dem ländlichen Raum, was den ÖPNV und die allgemeine Versorgung betrifft. Welche Ideen möchten Sie hierzu gern umsetzen?
Helmut Günther: Wir haben eine schlechte demographische Prognose für den Landkreis. Um junge Leute zu gewinnen, müssen in den Dörfern brach stehende Gebäude schnell weitergegeben werden, ehe das Ruinen werden. Hier muss es eine Förderung für Neuansiedlungen geben. Im ÖPNV sollten die Busgrößen überprüft und die Fahrzeiten variabler gestaltet werden. So könnte es doch Busse geben, die regelmäßig durch den Landkreis pendeln. Und für die medizinische Versorgung muss es Anreize für junge Ärzte geben, damit die sich im ländlichen Raum niederlassen.
Die Bundesregierung hat dieser Tage ein Klimaschutzpaket verabschiedet. Was halten Sie davon?
Helmut Günther: Ich halte es für überstürzt. Viele der überstürzten Beschlüsse wie etwa der Atomausstieg fallen uns heute auf die Füße. Am Abschalten der Kraftwerke hängen ja immer auch andere Dinge mit dran. Wir brauchen hier mehr innovative Techniken, um beispielsweise CO2 abzubauen oder zu binden. Ich habe große Bedenken, ob Thüringen zukünftig nur mit Solar- und Windstrom versorgt werden kann. Dabei gibt es viele andere interessante Techniken. Stichworte sind hier Wasserstoff oder Methangas.
Wenn es im neuen Landtag zu einer Regierungsbildung kommt, welchem Lager würden Sie Ihre Stimme geben?
Helmut Günther: Ich würde immer nach den sachlichen Vorgaben entscheiden und niemals parteipolitisch oder fraktionsgebunden agieren. Das ist ja gerade der Unterschied, der die Freien Wähler ausmacht.
Das Gespräch führte Olaf Schulze

