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70. Todestag von Hans Silberborth

Mit Säge und Harke für die Erinnerung

Dienstag, 08. Oktober 2019, 16:00 Uhr
Morgen jährt sich der Todestag von Hans Silberborth zum 70. mal. Das Hauptwerk des Nordhäuser Historikers dürfte noch bei manch Einheimischen im Bücherregal stehen, seine „Geschichte der freien Reichsstadt“ Nordhausen gilt bis heute als das Standardwerk der hiesigen Heimatforschung. Um seine letzte Ruhestätte war es zuletzt nicht gut bestellt. Nun haben zwei pflichtbewusste Senioren Hand angelegt...

Klaus Drechsler (links) und Dr. Kurt Glatz haben Hand angelegt an der letzten Ruhestätte Silberborths (Foto: Angelo Glashagel) Klaus Drechsler (links) und Dr. Kurt Glatz haben Hand angelegt an der letzten Ruhestätte Silberborths (Foto: Angelo Glashagel)

Es gab Historiker vor ihm, es gab viele Heimatforscher nach ihm, die sich mit der langen Geschichte Nordhausens eingehend befasst haben. Auf seine Vorgänger hat er sich selbst gestützt, als er sein 1282 Seiten umfassendes Monumentalwerk verfasste, auf ihn baut man bis heute, wenn man sich über die ersten 1000 Jahre der Nordhäuser Geschichte informieren will. Zum Jahrtausendgeburtstag der Stadt im Jahr 1927 wurden die beiden Bände erstmals veröffentlicht.

Lange hat man sich in der Stadt seiner erinnert, eine Straße wurde nach ihm benannt, zu seinem 60. Todestag legte die damalige Oberbürgermeisterin Barbara Rinke einen voluminösen Blumenstrauß an Silberborths Grab nahe Petersdorf nieder, die Vertreter der Nordhäuser Politik folgten kurz darauf.

Ein paar Tage vorher war das Grünamt angerückt und hatte den Weg zu Silberborths letzter Ruhestätte und das Grab selbst wieder auf Vordermann gebracht, erinnert sich Dr. Kurt Glatz, Tierarzt und langjähriger Anwohner. Zehn Jahre später haben es Herr Dr. Glatz und sein Freund, der Gartenbauingenieur Klaus Drechsler auf sich genommen, dem umtriebigen Stadthistoriker die Ehre zu erweisen und sein Grab mit Säge, Harke und frischer Bepflanzung in Schuss zu halten.

Es war Silberborths Wunsch bei „Harzrigi“ begraben zu werden, erzählen die beiden Herren, und es ist gut möglich das der Heimatforscher öfter Gast der alten Wirtschaft war und die vom alten Wirt angelegte Kastanienallee entlangspazierte um hier bei Korn, Bier und Bratwurst zu rasten.

„Man fühlt sich schon verpflichtet wenn man hier wohnt“, sagt der Ruheständler. Früher habe sich der Gemeindearbeiter in Petersdorf um das Grab gekümmert, ein Jahr lang war auch die Grundschule aktiv, dann schlief auch dieses Engagement wieder ein. „Im letzten Jahr konnte man die Schrift kaum noch lesen so vermoost war das alles. Die Frau hat sich dann rangemacht und das ist wirklich ganz herrlich geworden“, sagt Glatz und fegt die letzten Blätter vom Kies.

Wie das Grab scheint der kleine Wald bei Harzrigi ein Stück weit „vergessen“ worden zu sein. Sicher, der Harvester hatte hier viel zu tun in den letzten Monaten, die Trockenheit hat ihre Spuren hinterlassen, jede Menge Holz musste aus dem Wald geholt werden. Und bei Wandereren ist die Strecke über die Gumpe nach Petersdorf immer noch beliebt, weiß Dr. Glatz zu berichten. Aber die vielen Schautafeln, die über Flora und Fauna informierten, liegen verrottend am Wegesrand und die Holzbänke, die zur Rast einladen sollen, sind morsch.

Nun ist zumindest das Grab des verdienten Stadthistorikers wieder ein ansehnliches Ausflugsziel. Und vielleicht erinnert man sich ja morgen auch in der Stadt zu Füßen des Wäldchens noch einmal dem eigenen Erbe.
Angelo Glashagel
Autor: red

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