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Großeinsatz am Höllbergtunnel

Achtung, Feuer im Tunnel!

Sonnabend, 28. September 2019, 18:22 Uhr
Knapp zehn Minuten nach Alarmierung sind die ersten Sirenen in der Ferne zu hören: am Höllbergtunnel wurde heute der Ernstfall geprobt. Nach einer Reihe von Unfällen mit mehrere verletzten und eingeschlossene Personen mussten die Einsatzkräfte auf dem Eichsfeld und dem Kreis Nordhausen zwischen Feuer und Rauch einen kühlen Kopf bewahren…

Großübung im Höllbergtunnel (Foto: Angelo Glashagel)
14:45 wird der Notruf abgesetzt, kurz nach drei Uhr ist der erste Erkundungstrupp in der rund 880 Meter langen Tunnelröhre. Nach und nach rücken von beiden Seiten immer mehr Rettungskräfte an, Feuerwehr, Polizei, Rettungswagen und der Katastrophenschutz.

Alle vier Jahre muss ein solches Szenario geübt werden. Dieses mal ging es vor allem um einen gewissen Lerneffekt, sagt Christian Arend, Fachberater für Tunnelfragen bei der Feuerwehr. Das Einsatzszenario kannten deswegen zumindest die Führungskräfte, nicht aber die einzelnen Einheiten. Erprobt werden sollte neben den praktischen Handgriffen vor allem die Kommunikation und Koordination zwischen den Einsatzkräften aus den beiden Landkreisen, jeder muss wissen was der andere macht.

Simuliert wurde zunächst ein Lkw-Unfall in der Südröhre des Tunnels. Der Laster, dargestellt durch einen großen Metallcontainer, kollidiert aufgrund überhöhter Geschwindigkeit mit der Tunnelwand und einem Pkw kollidiert. Direkt dahinter kommt es zu einem Auffahrunfall, ein weiteres Fahrzeug blockiert nach einem missglückten Wendemanöver die linke Fahrspur und vom Lkw beginnt Rauch aufzusteigen. In einem zweiten, späteren Szenario musste ein echtes Feuer gelöscht werden, der mit zehn Autoreifen beladene „LkW“ wurde dazu in Brand gesteckt.

Man hat sich alle Mühe gegeben den Ernstfall realitätsnah darzustellen, durch den Tunnel ziehen künstliche Rauchschwaden, die Alarmanlage dröhnt zweisprachig durch die Röhre und die „Verletzten“, allesamt Mitglieder des deutschen Roten Kreuzes, hängen blutend in den Fahrzeugen, schreien lauthals um Hilfe und zeigen Schock-Symptome.

Erst erkunden, dann löschen, suchen und retten (Foto: Angelo Glashagel)
Nach der ersten Erkundung rückt der Löschtrupp in den Tunnel vor. „Brandbekämpfung geht hier nicht vor Menschenrettung, das ist Brandbekämpfung zur Menschenrettung“, erklärt Arend. Die Einsatzkräfte legen die Schläuche aus, halten drauf, löschen und kühlen schließlich auch Wände und Decke des Tunnels. Ein paar Meter weiter hinten hat sich das schon der Such- und Rettungstrupp in Reih und Glied aufgestellt. Die Verletzten werden geborgen, in die benachbarte Tunnelröhre gebracht und dort von Rettungssanitätern übernommen, untersucht und abtransportiert. Gegen 15:45 ist der größte Spuk vorüber, der fiktive Brand unter Kontrolle und die Verletzten in Sicherheit.

Vorgehensweise und Koordination hat man sich bei unseren Nachbarn aus dem Alpenland abgeschaut. In den vergangenen Jahren hat der Freistaat immer wieder Führungskräfte an die internationale „Fire Academy“ in der Schweiz geschickt. Die Schweizer hätten insbesondere beim Thema Tunnelbrand viel Erfahrung, sagt Arend. In Thüringen verfügt außerdem jede Feuerwehr, deren Operationsgebiet in der Nähe eines Tunnels liegt, über erweiterte Grundausrüstung. Trockenübungen finden jedes Jahr statt, alle vier Jahre steht eine Großübung wie die heutige an, die auch „scharf“ erfolgen kann, also ohne Vorwarnung für die Führungskräfte der Einheiten „Die Thüringer Tunnel gehören zu den sichersten in Deutschland“, versichert Arend, ein Szenario wie man es heute probte, hat sich am Höllbergtunnel zum Glück noch nie ereignet.
Angelo Glashagel
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