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Nordhausens vergessener Park

Freitag, 22. April 2005, 17:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Ein Schild warnt: „Einbruch zwecklos, sogar die Heizungen sind raus.“ Eine Ruine, einst eine schicke Villa, steht mitten im verwilderten Park. Der bietet aber einige Schätze.

Nordhausens vergessener Park (Foto: nnz) Nordhausens vergessener Park (Foto: nnz)

Wer vom Stadtpark zum Krankenhaus hochfährt, hat zumindest die Treppe auf der linken Seite schon mal gesehen. Wohin führt sie wohl, in einen weiteren Teil des Geheges? Nordhäuser wissen es natürlich, dahinter liegt der Park Hohenrode. 1874 von Carl Kneiff, dem Besitzer der bekannten Tabakfabrik angelegt, wildert er jetzt nur noch vor sich hin.

Die Stadt Nordhausen kann sich trotz Anfragen interessierter Bürger nicht um das einstige Schmuckstück kümmern, es gehört ihr nämlich nicht. Die Nachfahren der Familie Kneiff kümmern sich auch nur in einem für sie bezahlbaren Umfang um das Gelände. Nach wie vor fühlt sich die Familie mit Nordhausen verbunden. Heute kam Enkelin Ursula Ostwald zu Besuch und stand den Bürgern Rede und Antwort. Über 100 Menschen wollten sich von ihr und der Expertin Barbara Vogt die Schönheiten des Parks erklären lassen und etwas über dessen Zukunft erfahren.

Eingeladen zu dieser Zusammenkunft hatte der Kreisverband der Grünen. Deren Vorsitzende Gisela Hartmann macht sich stark für den Erhalt des Park Hohenrode. Ein Förderkreis wird gegründet, der gemeinsam mit der Stadt und den Bürgern nach einer Lösung sucht, um mit den Erben übereinzukommen.

Viele prominente Bürger der Stadt gehören zum Förderverein. Gemeinsam mit dem kürzlich 80 Jahre gewordenen Maler Günther Groh arbeitet man an einer Ausstellung, welche die Schönheit des Parks zeigen will. Ehrenbürger Andreas Lesser setzt sich ebenfalls für Hohenrode ein.

Was ist so wichtig und besonders an diesem 10 Hektar großen Garten einer Industriellenfamilie? Kann man den nicht einfach verwildern lassen, es gibt doch genug Parks? Das zu fordern wäre schade. Neben den maroden Gebäuden befinden sich nämlich wahre Schätze der botanischen Art auf dem Gelände. Das Arboretum, eine Baumsammlung mit seltenen Gehölzen, konnte sich in den 1930er Jahren mit botanischen Gärten messen lassen, wie Barbara Vogt berichtet. Die Frankfurterin hat ihre Diplomarbeit und ein Buch über den Park geschrieben. Sie erzählt den interessierten Besuchern von den Leistungen des Architekten Ludwig Bohnstedt, der beinahe sogar den Berliner Reichstag erbaut hätte, und vom Gartenkünstler Heinrich Siesmayer, der gemeinsam mit Sohn Phillip die Parkanlage gestaltete.

Von den Eichen-, Ahorn- und Buchensammlungen ist noch einiges erhalten. Schlechter erging es den Nadelbäumen. Der Orkan im Jahr 1980 hat nur wenige von ihnen übriggelassen. Nichts davon ist durch Nachpflanzungen kompensiert worden. Vom einstigen Schatz zeugen vor allem die Baumlisten.

Bis 1961 war der Park noch von Fritz Kneiffs Tochter Erna Bäuerle bewohnt, die eine kleine Gärtnerei betrieb. Von 1954 bis 1990 wurde die Villa als Internat für Schülerinnen der Fachschule für Lehrerfortbildung genutzt, danach stand es leer. Diebe und Vandalen entdeckten das abgeschiedene Haus für sich. Jetzt sind alle Fenster vernagelt. An der Tür steht “Einbruch zwecklos, sogar die Heizungen sind raus. Danke, daß Sie uns diese Arbeit abgenommen haben.“ Das Schild ist neu, genau wie die dicken Vorhängeschlösser. Es soll Kindern unmöglich gemacht werden hier zu spielen und vielleicht zu Schaden zu kommen.

„Wenigstens ist der Park für die Öffentlichkeit zugänglich“, meint Gisela Hartmann. Sie hat schon weitergehende Ideen. Der Park sollte an die Stadt zurückgehen und dann in ein gepflegtes Schmuckstück umgestaltet werden. „Ich bin immer optimistisch“ versichert die Grünen-Politikerin. „Die Bürger und die Verwaltung haben großes Interesse und werden alles tun damit Hohenrode wieder in die Parklandschaft integriert werden kann.“
Autor: wf

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