Betrachtet
Diffamiert Manfred Neuber die DDR-Bürger?
Donnerstag, 26. September 2019, 06:28 Uhr
Ein Autor unter dem Namen Manfred Neuber schrieb unter dem Titel "Populisten sind alles andere als bürgerlich", an die nnz. Dazu eine Meinung von Bodo Schwarzberg...
Jedesmal, wenn ich höre, die DDR sei ein Unrechtsstaat gewesen, öffnen sich vor meinem geistigen Auge zwei Fenster: Das eine zeigt die an der Grenze Erschossenen, die von der SED politisch Verfolgten, die so genannten Andersdenkenden oder Regimegegner, die auf Grund ihrer Einstellung in Haft saßen, Ausreiseanträge in den Westen stellten oder in den Westen ausgebürgert wurden. - Das betraf aber nur wenige Menschen.
Im zweiten Fenster sehe ich 17 Millionen DDR-Bürger, die sich überwiegend nicht unmittelbar verfolgt fühlten, die im Urlaub FKK machten und zu Hause Gartenpartys und die sich freuten, wenn sie unter dem Landentisch mal wieder ein paar Salzheringe ergattern konnten.
Mit dem Wort "Unrechtsstaat", mit der Pauschalisierung, alles in der DDR und alles von der dikatorischen DDR-Führung Beschlossene sei unrecht und falsch gewesen, werden alle diese 17 Millionen mit ihrem Leben und ihrer Biografie, vor allem aber auch mit ihren Freuden, verunglimpft. Ja, ihnen wird abgesprochen, in der DDR ein glückliches Leben gelebt zu haben.
Denn schließlich haben ja diese 17 Millionen Menschen die DDR mitgetragen, sei es durch ihre Beteiligung an den Scheinwahlen, durch ihren täglichen Gang zur Arbeit, zur Kampfgruppe oder zum Pioniernachmittag, ja durch ihr erfülltes Familienleben. Sei es also durch die Lebensfreude, die auch im real existierenden Sozialismus vorgekommen sein soll, und sei es durch das Miteinander, das heute so oft auf der Strecke bleibt. Neuber macht 17 Millionen Menschen förmlich zu am DDR-Unrecht Beteiligten. Denn schließlich waren die Menschen der entscheidende Teil des Staates.
Den Begriff "Unrechtsstaat DDR" dem Leser aber unerklärt zu präsentieren, ist purer Populismus, den Neuber andererseits verurteilt, hinterfragt und bekämpft. Auf diese Weise treibt er förmlich die früheren DDR-Bürger an, nicht mehr die "Altparteien" zu wählen, weil ja genau die es sind, die die DDR als Unrechtsstaat und damit auch ihre Bürger als ausschließlich Leidende, Weinende, Bedrohte, Unterdrückte, ja wehr- und hilflose schwache Gestalten gebrandmarkt haben. 30 Jahre lang, von Grün über Rot bis Schwarz.
So aber, sehr geehrter Herr Neuber, kann die Aufarbeitung der DDR-Zeit nicht funktionieren, wenn die gegenwärtige, neue Spaltung innerhalb Deutschlands nicht noch tiefer werden soll.
Nicht zuletzt haben wir in der DDR gelernt, was heute gern verschwiegen wird: Dass das ach so viel menschlichere System der sozialen Marktwirtschaft am Ende doch nur ein eiskalter, von Lobbyisten und ihren Partnern in der Politik geprägter Kapitalismus ist, der genauso wenig in der Lage ist, wie es die sozialistische DDR einst war, die Probleme der Menschheit zu lösen, mit apokalyptischen Folgen, wie wir täglich hören und lesen können.
Wirklich sinnvolle Alternativen sind mehr denn je gefragt.
Bodo Schwarzberg
Jedesmal, wenn ich höre, die DDR sei ein Unrechtsstaat gewesen, öffnen sich vor meinem geistigen Auge zwei Fenster: Das eine zeigt die an der Grenze Erschossenen, die von der SED politisch Verfolgten, die so genannten Andersdenkenden oder Regimegegner, die auf Grund ihrer Einstellung in Haft saßen, Ausreiseanträge in den Westen stellten oder in den Westen ausgebürgert wurden. - Das betraf aber nur wenige Menschen.
Im zweiten Fenster sehe ich 17 Millionen DDR-Bürger, die sich überwiegend nicht unmittelbar verfolgt fühlten, die im Urlaub FKK machten und zu Hause Gartenpartys und die sich freuten, wenn sie unter dem Landentisch mal wieder ein paar Salzheringe ergattern konnten.
Mit dem Wort "Unrechtsstaat", mit der Pauschalisierung, alles in der DDR und alles von der dikatorischen DDR-Führung Beschlossene sei unrecht und falsch gewesen, werden alle diese 17 Millionen mit ihrem Leben und ihrer Biografie, vor allem aber auch mit ihren Freuden, verunglimpft. Ja, ihnen wird abgesprochen, in der DDR ein glückliches Leben gelebt zu haben.
Denn schließlich haben ja diese 17 Millionen Menschen die DDR mitgetragen, sei es durch ihre Beteiligung an den Scheinwahlen, durch ihren täglichen Gang zur Arbeit, zur Kampfgruppe oder zum Pioniernachmittag, ja durch ihr erfülltes Familienleben. Sei es also durch die Lebensfreude, die auch im real existierenden Sozialismus vorgekommen sein soll, und sei es durch das Miteinander, das heute so oft auf der Strecke bleibt. Neuber macht 17 Millionen Menschen förmlich zu am DDR-Unrecht Beteiligten. Denn schließlich waren die Menschen der entscheidende Teil des Staates.
Den Begriff "Unrechtsstaat DDR" dem Leser aber unerklärt zu präsentieren, ist purer Populismus, den Neuber andererseits verurteilt, hinterfragt und bekämpft. Auf diese Weise treibt er förmlich die früheren DDR-Bürger an, nicht mehr die "Altparteien" zu wählen, weil ja genau die es sind, die die DDR als Unrechtsstaat und damit auch ihre Bürger als ausschließlich Leidende, Weinende, Bedrohte, Unterdrückte, ja wehr- und hilflose schwache Gestalten gebrandmarkt haben. 30 Jahre lang, von Grün über Rot bis Schwarz.
So aber, sehr geehrter Herr Neuber, kann die Aufarbeitung der DDR-Zeit nicht funktionieren, wenn die gegenwärtige, neue Spaltung innerhalb Deutschlands nicht noch tiefer werden soll.
Nicht zuletzt haben wir in der DDR gelernt, was heute gern verschwiegen wird: Dass das ach so viel menschlichere System der sozialen Marktwirtschaft am Ende doch nur ein eiskalter, von Lobbyisten und ihren Partnern in der Politik geprägter Kapitalismus ist, der genauso wenig in der Lage ist, wie es die sozialistische DDR einst war, die Probleme der Menschheit zu lösen, mit apokalyptischen Folgen, wie wir täglich hören und lesen können.
Wirklich sinnvolle Alternativen sind mehr denn je gefragt.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: redDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
