nnz-online
Swinemünde liegt vorn

Schmucke Flaniermeile, triste „Hotelruinen“

Sonnabend, 07. September 2019, 07:00 Uhr
Auch mit 80 gesund und fit sein - das wünschen sich viele Menschen. Sie investieren in ihre Gesundheit und sehen in Kur- und Erholungsreisen ein geeignetes Mittel. Ganz vorne mit dabei sind Kurorte im Osten. Kurt Frank hat einen Blick auf Swinemünde geworfen...

Wie beleuchtete Warenräder anmutende Überdachungen auf der Flaniermeile. (Foto: Kurt Frank) Wie beleuchtete Warenräder anmutende Überdachungen auf der Flaniermeile. Foto: Kurt Frank

Nordhausen/Swinemünde. Kuren und Erholung - eine gefragte Adresse ist Med. Reisen in der Rautenstraße. Buchungen boomen. 2003 eröffnete Stefanie Riechel hier ihr Med. Reisebüro. Schon ein Jahr später wollten 100 Personen einen Kur-Urlaub. 2009 bereits an die 500. Steigerungen von Jahr zu Jahr. Am Ende des Vorjahres standen 2556 Kur -und Erholungsbuchungen.

Der Kunde hat die Qual der Wahl: Deutschland, Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei. Jedes dieser Länder verfügt über nennenswerte Einrichtungen, sich gesundheitlich aufzufrischen: Unterwasserbehandlungen, Moorbackungen und -bäder, Massagen aller Art, Therapien gegen verschiedene Gelenkbeschwerden, Solebäder, Sauerstoff -und Wärmebehandlungen, Dampfsaunen, Whirlpools und anderes mehr.

Die Swinemünder Flaniermeile kann sich sehen lassen (Foto: Kurt Frank) Die Swinemünder Flaniermeile kann sich sehen lassen. Foto: Kurt Frank

Wer ist der Favorit bei Med. Reisen, den die Südharzer bevorzugen? Es ist Swinemünde an der polnischen Ostseeküste, weiß Reisechefin Riechel. Der Ort stehe derzeit unangefochten an der Spitze, fügt Willi Döring an, der seiner Tochter helfend zur Seite steht. Es folgt der polnische Ostsee-Ort Kolberg. Nachgefragt würden auch weltbekannte Orte in Tschechien: Marienbad, Franzensbad, Karlsbad und andere. Ebenfalls beliebt, wenn derzeit auch noch teurer, sind Einrichtungen in Deutschland mit Ostsee und Gebirge.

Das Hotel Radisson überragt alles andere und passt nicht so recht in die Optik der Strandpromenade. (Foto: Kurt Frank) Spitzenreiter Swinemünde. Vor vier Jahren buchten 146 Personen. 294 schon ein Jahr später. 2017 erholten sich über 600 Frauen und Männer dort. Enorm die Nachfrage. Im Vorjahr war die Zahl auf insgesamt 1098 gestiegen. Natur, Gastlichkeit, die Nähe zu Deutschlands Seebädern, die Lage der Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, den historischen Villen nebst Hotels aus deutscher Kaiserzeit und das Preis-Leistungsverhältnis mögen ausschlaggebend für die Beliebtheit der 41000-Einwohner-Stadt sein. Sie hat so viele Gesichter, wie Inseln innerhalb ihrer Grenze liegen. Außerdem den breitesten Strand an der Ostsee, bestehend aus einem 100 Meter breiten Streifen makellos sauberen weißen Sands. Hier soll es auch das wärmste Wasser geben. Bis zum 2. Weltkrieg war es das drittgrößte deutsche Ostseebad. Bekannt wurde es durch die regelmäßigen Besuche Kaiser Wilhelm II.

Das Seebad rüstet für seine Gäste aus nah und fern weiter auf. Die neue Flaniermeile zieht die besondere Aufmerksamkeit auf sich. Breit angelegter Plattenweg, begrenzt von Baumpflanzungen. Begrünte Laubengänge, Wasserspiele, die in der Dunkelheit in verschiedenen Farben leuchten. Ruhebänke, hübsche mit Blumen bestückte Nischen. Installierte allerlei Geräte zur sportlichen Betätigung. Wie Wagenräder anmutende Überdachungen unterschiedlicher Ausführungen und Beleuchtung. Gegenwärtig wird die Promenade ab Galeria Romenada bis zur Residenz Bernstein (Rzydencja Bursztym) erweitert. Flaniermeile und erweiterte Promenade sollen den Massenauflauf neutralisieren helfen.

Die alten Villen aus deutscher Kaiserzeit machen was her (Foto: Kurt Frank)
Die alten Villen aus deutscher Kaiserzeit machen was her. Foto: Kurt Frank

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Neubauten wie Radisson und Hilton sind zwar Hotels der Superlative, doch sie überragen alles andere und passen optisch nicht so recht in das Bild der Strandpromenade. Das schmucke Ewerdin wird von drei Hotelrohbauten umsäumt. Seit über einem Jahr rührt sich dort keine Hand mehr. Baustopp sagen die Einheimischen. Der Investor soll pleite sein, heißt es. Ob und wie es weiter geht, stehe in den Sternen. Das Hotel-Ewerdin-Umfeld sieht entsprechend trist aus.

Als Hotels vorgesehen, rührt sich an den drei Rohbauten seit über einem Jahr keine Hand mehr. (Foto: Kurt Frank)
Als Hotels vorgesehen, rührt sich an den drei Rohbauten seit über einem Jahr keine Hand mehr. Foto: Kurt Frank

Immer neue und größere Hotels. Derzeit steht die Zahl 260. Teils gebaut auf Kosten des Waldes. Swinemünde ist schlichtweg überlaufen. Der Kur-Reisefreudigkeit tut dies indes noch keinen Abbruch. Wer in der Hochsaison sich nur erholen und dem Massenauflauf am Strand entfliehen möchte, bevorzugt die Annehmlichkeiten im Hotel. Oder reist im Frühjahr, Herbst oder Winter an. Diese Jahreszeiten bieten mehr Ruhe und einsamere Wanderungen. So auf der längsten Strandpromenade Europas, die über Ahlbeck und Heringsdorf nach Bansin führt.
Kurt Frank
Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2019 nnz-online.de