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Johanniskirche Ellrich

„Orgelspaziergang“ in Ellrich

Montag, 19. August 2019, 14:48 Uhr
Unser Leser Fr. Wolfgang Pientka berichtet von einem kulturellen Hochgenuss in der altehrwürdigen Johanniskirche zu Ellrich.

Konzert Ellrich (Foto: Pientka) Konzert Ellrich (Foto: Pientka)


Es war schon bei den Organisatoren, der Familie Pientka, ein gewisses banges Erwarten, ob viele Besucher kommen werden, ob der Frauenberg nicht doch für die Älteren ein Hindernis darstellen und ob die vielen Parallelveranstaltungen in der Region vielleicht das Interesse an diesem in vieler Hinsicht ungewöhnlichen „Spaziergang“ mindern würden. Doch dann kamen Ellricher, Nordhäuser, sogar Sondershäuser und nicht zu vergessen Besucher aus den umliegenden Gemeinden – anfangs ca. 100 Teilnehmer, schließlich in der Johanniskirche an die 150 Konzertbesucher, die sich vom Spiel des Organisten Bernhard Barth begeistern ließen.

Es waren in jeder Kirche zwar nur drei oder vier Stücke, die zum Vortrag kamen, aber die Atmosphäre, der spezielle Klang der jeweiligen Orgel ließen das Klangerlebnis der Frauenbergkirche, der Bonifaciuskirche und der Johanniskirche fast zu einem eigenen Konzerterlebnis werden. Das Konzert begann auf dem Frauenberg mit Stücken von J.S. Bach und F.M. Bartholdy - Werke, die für den Laien in der Erwartung typisch für ein Orgelkonzert waren. Allerdings brachte der Organist wie er selbst in der Einführung formulierte „ mit dem Klappern der Pedalen und seiner Art des Vortrags die Orgel regelrecht zum Tanzen“.

Ganz anders der Eindruck in der katholischen Kirche, wo eine pneumatische Orgel erklang. Da viele Besucher zum ersten Mal diese Kirche besuchten, stellte Kerstin Nipperdey „ihr“ Gotteshaus vor. Die Plätze reichten nicht aus, es mussten Stühle hinzugestellt werden. Dieses Instrument ist aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts und damit die jüngste Orgel der Stadt. Hier war die Stimmung der Orgel sanft, fast bezaubernd, leise. Die vorgetragenen Werke waren in der Stimmung passend ausgewählt, ebenfalls von katholischen Komponisten, lediglich eines von dem Engländer T. Tomkins, das Bernhard Barth bewusst in das Konzert einfügte, um den Kontrast in den Improvisationen zu zeigen.

Konzert Ellrich (Foto: Pientka) Konzert Ellrich (Foto: Pientka)


Den Abschluss dieses „Orgelspazierganges“ bildete die Johanniskirche, in der das dortige Orgelpositiv erklang. Hier zeigte Bernhard Barth, dass er bekannt ist für seine Arbeit auch im Jazz und Pop und er sich gern moderner Orgelmusik bzw. modernen Bearbeitungen zuwendet. Ein Genuss, wie er Stücke von M. Luther und G. Böhm in teilweise eigener Bearbeitung in die heutige Zeit transponierte und wie die GENESIS-Komposition „Firth of Fifth“ aus dem Jahr 1973 als Orgelbearbeitung erklang.

Der Beifall des Publikums wollte nicht enden, eine Zugabe wurde eingefordert. Der Solist meinte, er habe keine vorbereitet, aber was die Ellricher von der Idee hielten, gemeinsam das bekannte Lied – passend zu der inzwischen fortgeschrittenen Stunde – „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Ein unüblicher, ungewohnter, aber viel Beifall findender Abschluss und so sangen die 150 Besucher mehr oder minder textsicher dieses bekannte Lied von M. Claudius. Insgesamt ein mehr als gelungenes Konzert, wo in der anschließenden Runde bei einem Glas Wein Wiederholungen gewünscht wurden.
Dr. Wolfgang Pientka
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Autor: red

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