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Südharzer Fachwerkzentrum verkauft Objekt

Schmerzhafter Abschied

Mittwoch, 14. August 2019, 15:31 Uhr
Im vergangenen Jahr konnte das Gebäude Altendorf 48 auf seinen 350. Erbauungstag zurückblicken. Das Ereignis feierte auch der Verein Südharzer Fachwerkzentrum“, der aus der Ruine wieder ein Schmuckstück machen wollte. Doch es kam anders.

Altendorf 48 (Foto: Jörg Arnsmeyer)

Dr. Jörg Arnsmeyer ist eigentlich Professor für Volkswirtschaftslehre an der Nordhäuser Hochschule, doch sein Herz schlug auch schon immer für den Erhalt architektonischer Kostbarkeiten. Mit Gleichgesinnten gründete er im Jahre 2011 einen Verein, dessen einziger Zweck es war, das uralte Fachwerkgebäude Altendorf 48 mitten in der Altstadt vor dem weiteren Verfall zu bewahren.

Dieser gemeinnützige Verein erwarb die Immobilie für einen symbolischen Euro und begann mit nahezu 30 Mitgliedern Spenden einzuwerben und selbst Hand anzulegen, um aus der verkommenen Ruine wieder das architektonische Kleinod zu zaubern, das es einmal war. Und natürlich die Auflagen des Denkmalschutzes einzuhalten.

Über die Jahre gab es von den „Freizeitbauherren“ eine Reihe von Aktivitäten, die nicht nur am Tag des offenen Denkmals auf das Projekt aufmerksam machten. Grundlegende Sicherungsarbeiten wurden ausgeführt und verschiedene Teile bereits ausgetauscht. Alle Leistungen bestritten die Akteure aus den Einnahmen des Vereins. Und die waren nun letztlich der Knackpunkt, der das Projekt beenden wird. Leider konnten nicht so viele Spender und Gönner gewonnen werden, dass eine Fertigstellung der Restaurierung in absehbarer Zeit zu erwarten wäre.

Altendorf 48 (Foto: Jörg Arnsmeyer)

Deshalb zog der Vereinsvorstand jetzt die Reißleine und verkündete schweren Herzens das Aus für das Haus. Professor Arnsmeyer und die verbliebenen Vereinsmitglieder bedauern diesen Schritt, sehen aber keine Alternative mehr, nachdem mehrere Versuche gescheitert sind, andere Vereine oder Institutionen für das Projekt zu begeistern. „Wir werden nun ein Gutachten in Auftrag geben, um das Haus verkaufen zu können“, bedauert Jörg Arnsmeyer. „Lieber wäre uns, hier in Nordhausen einen Enthusiasten zu finden, der im Sinne des bestehenden Denkmalschutzes unsere Idee weiterführt und das Projekt vollendet.“ Doch ein solcher Liebhaber ist momentan nicht in Sicht, weshalb Arnsmeyer an einen Verkauf glaubt, dessen Erlös vollständig in ein anderes Nordhäuser Denkmalprojekt fließen würde.

„Hier bietet sich der Förderverein zum Park Hohenrode an“, sinniert der Professor, „denn der Kaufpreis muss wieder in eine Denkmalförderung eingehen. Außerdem haben wir noch größere Posten an Baustoffen, die wir gekauft haben und von denen wir uns jetzt auch trennen müssen.“

Frustriert ist Jörg Arnsmeyer aber nicht, denn er sieht eine insgesamt positive Entwicklung in den Altstadtquartieren, die ihn erfreut. „Schließlich haben wir das Haus vor dem sicheren Abriss bewahrt. Und durch den anstehenden Verkauf bleibt auch die Chance erhalten, ein Schmuckstück unserer Altstadt zu erhalten. Einen Versuch war es allemal wert“, resümiert er sein Engagement.

Der Verein soll vorerst weiterhin erhalten bleiben, vielleicht ergibt sich ja für das Südharzer Fachwerkzentrum irgendwann eine neues Betätigungsfeld, an dem sich heimatverbundene Förderer beteiligen wollen.
Olaf Schulze
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