Mähwoche des BUND-Kreisverbandes abgeschlossen
Dem Abwärtstrend entgegenmähen
Sonntag, 11. August 2019, 09:46 Uhr
Es ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, einem Abwärtstrend zu begegnen. Denn in den vergangenen zwei Vegetationsperioden wurde deutlich, dass es nicht nur die von der Landbewirtschaftung oder der allgemeinen Stickstoffüberfrachtung verursachten Probleme sind, die unserer Artenvielfalt zusetzen.
Die Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria) gilt als tagaktiver Nachtfalter. Wir sahen ihn auf mehreren unserer Mahdflächen. Hier labt sich die wärme- und Strukturvielfalt liebende, in Thüringen gefährdete und nach EU-Recht geschützte Art an Blüten des Dosts (Origanum vulgare). Diese Pflanzenart suchen die Falter ganz besonders gern auf.
Denn mit aller Wucht scheint nun die Klimakrise Schwellen zu überschreiten, die viele andere Schutzmaßnahmen für unsere Arten schlichtweg aushebeln.
Mehrere Kühle und gleichbleibende Feuchte liebende Pflanzenarten, Gips-Fettkraut, Alpen-Gänsekresse und Sumpf-Herzblatt zum Beispiel, oder auch Deutscher Enzian, ja selbst ganze, an die genannten Bedingungen angepasste Pflanzengesellschaften, wie die dealpinen Blaugrasrasen, machen Anstalten, um sich innerhalb kürzester Zeit aus unserer Region zu verabschieden, ganz zu schweigen von den für unsere Region typischen Waldgesellschaften. Und mit ihnen Arten, die diese Gesellschaften prägen. Gartenkulturen werden künftig die letzte Möglichkeit für immer mehr Genotypen sein, diese zu erhalten.
Selbst zwei etwaig sehr nasse Jahre 2020 und 2021 werden den Trend nicht umkehren. So etwas anzunehmen, wäre den meisten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den für jeden wahrnehmbaren Trends zufolge fake news. Schließlich hat sich die Atmosphäre global, also für alle Länder und Regionen, nachweislich bereits um rund ein Grad Celsius erwärmt.
Trotzdem veranstaltete der BUND-Kreisverband Nordhausen vom 06.-09.08. seine erste (allerdings kurze) Mähwoche. An vier Tagen hintereinander mähten Mitglieder und Freunde des BUND Trocken- und Halbtrockenrasen sowie eine Feuchtwiese, um die für die Förderung seltener, konkurrenzschwacher Arten und Pflanzengemeinschaften notwendige Aushagerung aufrechtzuerhalten und die einst verbreitete, schonende Schaf- und Ziegen-Hütehaltung zu ersetzen.
Die landschaftspflegerischen Einsätze fanden ehrenamtlich überwiegend auf der Grundlage von Verträgen mit dem Landesverwaltungsamt (NALAP-Programm) in den Naturschutzgebieten Alter Stolberg, Rüdigsdorfer Schweiz und Harzfelder Holz, sowie auf einem BUND-eigenen Grundstück im Raum Niedersachswerfen statt.
Besonders erfreulich war die gleichbleibend hohe Beteiligung der Mitglieder und Freunde des BUND an den Einsätzen. Jeder Mähtag konnte daher wie geplant stattfinden. Vier bis fünf Mitstreiterinnen und Mitstreiter trafen sich regelmäßig um 9 Uhr und waren bis 14, 16 oder einmal bis 18 Uhr im Einsatz. Einzelne hatten sogar Urlaub genommen, um sich dem aktiven Artenschutz zu widmen.
Zudem konnte ein großes Problem unserer Mäheinsätze zumindest für die zurückliegende Mähwoche gelöst werden: Auf Grund eines Zeitungsartikels hatten sich mehrere Interessenten gemeldet, um uns bei der naturschonenden Entsorgung des angefallenen Mähgutes zu unterstützen. Eine Pferdebesitzerfamilie holte zweimal das von uns zusammengeharkte Mähgut ab.
Ein besonderer Dank geht an Kai Liebig von der Ziegenalm in Sophienhof, der sogar einen großen Anhänger in die Rüdigsdorfer Schweiz fuhr, um die beträchtlichen, auf einer Sumpfwiese angefallenen Mähgutmengen abzufahren und zu verwenden. Dies aber war nur möglich, weil der Pächter größerer Flächen in der Rüdigsdorfer Schweiz die Überfahrt erlaubte. Auch ihm gebührt unser Dank.
Bei der Mahd achteten wir darauf, die Ansprüche der Insektenwelt zu berücksichtigen. Zum einen fördern wir durch die Mahd generell Pflanzenarten, auf die viele, oft seltene Insektenarten während ihres Entwicklungszyklus angewiesen sind. Zudem mähten wir zunächst Teile unserer Vertragsflächen nicht, um die Strukturvielfalt zu erhöhen. Auch dies kommt Insektenarten zugute.
Die ausgesprochen hohe Artenvielfalt auf den kontinuierlich von uns gemähten Flächen, augenscheinlich durch die vielen Schmetterlinge und Heuschrecken, wird bei jedem Schritt über unsere Wiesen deutlich: Ein Flattern, Summen und Brummen, wie man es heute kaum noch anderswo erlebt.
Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Mähwoche geben. Und natürlich finden auch noch in diesem Jahr mehrere landschaftspflegerische Einsätze statt. Diese sollen sich nach Möglichkeit auch auf Flächen beziehen, auf denen seitens der zuständigen Institutionen bisher keine Kontinuität erreicht werden konnte.
Bodo Schwarzberg
Autor: redDie Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria) gilt als tagaktiver Nachtfalter. Wir sahen ihn auf mehreren unserer Mahdflächen. Hier labt sich die wärme- und Strukturvielfalt liebende, in Thüringen gefährdete und nach EU-Recht geschützte Art an Blüten des Dosts (Origanum vulgare). Diese Pflanzenart suchen die Falter ganz besonders gern auf.
Denn mit aller Wucht scheint nun die Klimakrise Schwellen zu überschreiten, die viele andere Schutzmaßnahmen für unsere Arten schlichtweg aushebeln.
Mehrere Kühle und gleichbleibende Feuchte liebende Pflanzenarten, Gips-Fettkraut, Alpen-Gänsekresse und Sumpf-Herzblatt zum Beispiel, oder auch Deutscher Enzian, ja selbst ganze, an die genannten Bedingungen angepasste Pflanzengesellschaften, wie die dealpinen Blaugrasrasen, machen Anstalten, um sich innerhalb kürzester Zeit aus unserer Region zu verabschieden, ganz zu schweigen von den für unsere Region typischen Waldgesellschaften. Und mit ihnen Arten, die diese Gesellschaften prägen. Gartenkulturen werden künftig die letzte Möglichkeit für immer mehr Genotypen sein, diese zu erhalten.
Selbst zwei etwaig sehr nasse Jahre 2020 und 2021 werden den Trend nicht umkehren. So etwas anzunehmen, wäre den meisten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den für jeden wahrnehmbaren Trends zufolge fake news. Schließlich hat sich die Atmosphäre global, also für alle Länder und Regionen, nachweislich bereits um rund ein Grad Celsius erwärmt.
Trotzdem veranstaltete der BUND-Kreisverband Nordhausen vom 06.-09.08. seine erste (allerdings kurze) Mähwoche. An vier Tagen hintereinander mähten Mitglieder und Freunde des BUND Trocken- und Halbtrockenrasen sowie eine Feuchtwiese, um die für die Förderung seltener, konkurrenzschwacher Arten und Pflanzengemeinschaften notwendige Aushagerung aufrechtzuerhalten und die einst verbreitete, schonende Schaf- und Ziegen-Hütehaltung zu ersetzen.
Die landschaftspflegerischen Einsätze fanden ehrenamtlich überwiegend auf der Grundlage von Verträgen mit dem Landesverwaltungsamt (NALAP-Programm) in den Naturschutzgebieten Alter Stolberg, Rüdigsdorfer Schweiz und Harzfelder Holz, sowie auf einem BUND-eigenen Grundstück im Raum Niedersachswerfen statt.
Besonders erfreulich war die gleichbleibend hohe Beteiligung der Mitglieder und Freunde des BUND an den Einsätzen. Jeder Mähtag konnte daher wie geplant stattfinden. Vier bis fünf Mitstreiterinnen und Mitstreiter trafen sich regelmäßig um 9 Uhr und waren bis 14, 16 oder einmal bis 18 Uhr im Einsatz. Einzelne hatten sogar Urlaub genommen, um sich dem aktiven Artenschutz zu widmen.
Zudem konnte ein großes Problem unserer Mäheinsätze zumindest für die zurückliegende Mähwoche gelöst werden: Auf Grund eines Zeitungsartikels hatten sich mehrere Interessenten gemeldet, um uns bei der naturschonenden Entsorgung des angefallenen Mähgutes zu unterstützen. Eine Pferdebesitzerfamilie holte zweimal das von uns zusammengeharkte Mähgut ab.
Ein besonderer Dank geht an Kai Liebig von der Ziegenalm in Sophienhof, der sogar einen großen Anhänger in die Rüdigsdorfer Schweiz fuhr, um die beträchtlichen, auf einer Sumpfwiese angefallenen Mähgutmengen abzufahren und zu verwenden. Dies aber war nur möglich, weil der Pächter größerer Flächen in der Rüdigsdorfer Schweiz die Überfahrt erlaubte. Auch ihm gebührt unser Dank.
Bei der Mahd achteten wir darauf, die Ansprüche der Insektenwelt zu berücksichtigen. Zum einen fördern wir durch die Mahd generell Pflanzenarten, auf die viele, oft seltene Insektenarten während ihres Entwicklungszyklus angewiesen sind. Zudem mähten wir zunächst Teile unserer Vertragsflächen nicht, um die Strukturvielfalt zu erhöhen. Auch dies kommt Insektenarten zugute.
Die ausgesprochen hohe Artenvielfalt auf den kontinuierlich von uns gemähten Flächen, augenscheinlich durch die vielen Schmetterlinge und Heuschrecken, wird bei jedem Schritt über unsere Wiesen deutlich: Ein Flattern, Summen und Brummen, wie man es heute kaum noch anderswo erlebt.
Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Mähwoche geben. Und natürlich finden auch noch in diesem Jahr mehrere landschaftspflegerische Einsätze statt. Diese sollen sich nach Möglichkeit auch auf Flächen beziehen, auf denen seitens der zuständigen Institutionen bisher keine Kontinuität erreicht werden konnte.
Bodo Schwarzberg







