nnz-Forum
Alles viel besser als die Stimmung
Mittwoch, 31. Juli 2019, 08:29 Uhr
Die Sicherheit in Nordhausen ist ebenso wie die Wirtschaftslage viel besser als die gefühlte Stimmung, meint nnz-Leser Manfred Neuber. Aber populistische Aufwiegler wollten der Bevölkerung einreden, an allen kleinen und großen Problemen seien Migranten schuld...
Was für ein Selbstbetrug! Wenn früher ein Geistesgestörter in Dresden ein Kind vor einen S-Bahn-Zug stieß, gab es nicht gleich eine Sondermeldung im Fernsehen. Wenn in der guten, alten Zeit Wanderer verschiedener Herkunft im Harz an einer Döner-Bude ausrasteten, war das keine Meldung im Rundfunk wert. Wenn ehedem farbige Seeleute sich mit deutschen Zuhältern auf der Reeperbahn prügelten, stand es nicht am nächsten Tag im Hamburger Abendblatt.
Wenn noch unlängst Biker mit tätowierten SS-Runen am Hals in Leipzig den Obststand eines griechischen Händlers plündern, nahm kaum jemand Notiz. Wenn vormals türkisch-stämmige Berliner (Preißn) bayerische Bauernbuben
von der Rutsche im Freibad drängten, kam es nicht ins Kreisblatt. Wenn einst flegelhafte Jugendliche fremdartigen Aussehens in der Frankfurter Straßenbahn die Fahrgäste anpöbelten, blieb es unter den Beteiligten.
Wenn es traditionell beim Münchner Oktoberfest zu Handgreiflichkeiten zwischen Chinesen, Japaner und Bajuwaren kommt, kräht kein Hahn danach. Wie verstört und unverhältnismäßig reagiert nun ein Teil der Öffentlichkeit auf eine Kette von Einzelfällen! Selbst den Anhängern von Verschwörungstheorien dürfte es schwer fallen, dahinter das Werk böser Mächte zu sehen.
Wieso unterbricht ein Minister seinen Urlaub, nur um dem eingebildeten Volkszorn zu entgehen? Deutschland kann stolz sein auf seine Willkommenskultur – allgemein und nach 2015. In einer globalen Umfrage der britischen BBC nach dem beliebtesten Land der Erde lag Deutschland einmal auf dem ersten Platz. Das hohe Ansehen und die moralische Integrität dürfen nationalistisch-völkische Irrläufer nicht zunichte machen.
Aus Hysterie entstehender Hass hat in der Geschichte schlimme Folgen gehabt: Die Pogrome im zaristischen Russland gegen die jiddischen Stetl. Der Rassenhass gegen Schwarze in den USA mit Ku Klux Klan und Lynchjustiz. Der Völkermord der Türken an den christlichen Armeniern. Der Holocaust mit sechs Millionen Opfern des Nazi-Deutschlands. Die Schreckensbilanz ist damit nicht zu Ende. Mario Vargas Llosa, peruanischer Literatur-Nobelpreisträger, hat in einem luziden Werk über drei große liberale Wirtschaftsphilosophen (Adam Smith, Karl Popper, Friedrich von Hayek) vor dem derzeitigen Trend des Populismus gewarnt, der so viele in die Arme von Scharlatanen, skrupellosen Potentaten und charismatischen Demagogen zu treiben droht. Ein Kernsatz lautet: Der Sozialismus (den Hayek gleichsetzt mit Planwirtschaft und staatlichem Dirigismus) ist... ein System, das zu seiner Durchsetzung Schluss machen muss mit Freiheit, Privateigentum, Vertragstreue und unabhängiger Justiz und zwangsläufig die individuelle Initiative einschränkt. Das Ergebnis ist Ineffizienz in der Produktion, Korruption und Gewaltherrschaft.
Manfred Neuber
Was für ein Selbstbetrug! Wenn früher ein Geistesgestörter in Dresden ein Kind vor einen S-Bahn-Zug stieß, gab es nicht gleich eine Sondermeldung im Fernsehen. Wenn in der guten, alten Zeit Wanderer verschiedener Herkunft im Harz an einer Döner-Bude ausrasteten, war das keine Meldung im Rundfunk wert. Wenn ehedem farbige Seeleute sich mit deutschen Zuhältern auf der Reeperbahn prügelten, stand es nicht am nächsten Tag im Hamburger Abendblatt.
Wenn noch unlängst Biker mit tätowierten SS-Runen am Hals in Leipzig den Obststand eines griechischen Händlers plündern, nahm kaum jemand Notiz. Wenn vormals türkisch-stämmige Berliner (Preißn) bayerische Bauernbuben
von der Rutsche im Freibad drängten, kam es nicht ins Kreisblatt. Wenn einst flegelhafte Jugendliche fremdartigen Aussehens in der Frankfurter Straßenbahn die Fahrgäste anpöbelten, blieb es unter den Beteiligten.
Wenn es traditionell beim Münchner Oktoberfest zu Handgreiflichkeiten zwischen Chinesen, Japaner und Bajuwaren kommt, kräht kein Hahn danach. Wie verstört und unverhältnismäßig reagiert nun ein Teil der Öffentlichkeit auf eine Kette von Einzelfällen! Selbst den Anhängern von Verschwörungstheorien dürfte es schwer fallen, dahinter das Werk böser Mächte zu sehen.
Wieso unterbricht ein Minister seinen Urlaub, nur um dem eingebildeten Volkszorn zu entgehen? Deutschland kann stolz sein auf seine Willkommenskultur – allgemein und nach 2015. In einer globalen Umfrage der britischen BBC nach dem beliebtesten Land der Erde lag Deutschland einmal auf dem ersten Platz. Das hohe Ansehen und die moralische Integrität dürfen nationalistisch-völkische Irrläufer nicht zunichte machen.
Aus Hysterie entstehender Hass hat in der Geschichte schlimme Folgen gehabt: Die Pogrome im zaristischen Russland gegen die jiddischen Stetl. Der Rassenhass gegen Schwarze in den USA mit Ku Klux Klan und Lynchjustiz. Der Völkermord der Türken an den christlichen Armeniern. Der Holocaust mit sechs Millionen Opfern des Nazi-Deutschlands. Die Schreckensbilanz ist damit nicht zu Ende. Mario Vargas Llosa, peruanischer Literatur-Nobelpreisträger, hat in einem luziden Werk über drei große liberale Wirtschaftsphilosophen (Adam Smith, Karl Popper, Friedrich von Hayek) vor dem derzeitigen Trend des Populismus gewarnt, der so viele in die Arme von Scharlatanen, skrupellosen Potentaten und charismatischen Demagogen zu treiben droht. Ein Kernsatz lautet: Der Sozialismus (den Hayek gleichsetzt mit Planwirtschaft und staatlichem Dirigismus) ist... ein System, das zu seiner Durchsetzung Schluss machen muss mit Freiheit, Privateigentum, Vertragstreue und unabhängiger Justiz und zwangsläufig die individuelle Initiative einschränkt. Das Ergebnis ist Ineffizienz in der Produktion, Korruption und Gewaltherrschaft.
Manfred Neuber
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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