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GERÜCHTE UM KAUFLAND

Preisnachlass für eine Ruine

Donnerstag, 25. Juli 2019, 18:02 Uhr
Vom einstigen Glanz ist nichts geblieben. Heute ist das ehemalige gefeierte Vorzeigeobjekt in der Rothenburgstraße, der einstige Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb, nur noch eine Ruine. Ein trauriges Kapitel Nordhäuser Geschichte, wie die Bilder belegen.

Preisnachlass für Investruine (Foto: Kurt Frank) Preisnachlass für Investruine (Foto: Kurt Frank)
Für 650.000 Euro standen die Gebäude zum Verkauf. Seit Jahren war dem so. Immobilienmakler Ulf Zaspel bemüht sich vehement, einen Investor zu begeistern. Wir informierten. Nun wurde der Verkaufspreis reduziert. Um 50.000 Euro. Die Überbleibsel einstigen Glanzes sind ab sofort „nur“ noch für 600.000 Euro zu haben. Es habe immer mal Anfragen gegeben, keiner aber angebissen, sagt Zaspel und hofft, jetzt einen Interessenten zu finden.

400 Mitarbeiter standen einst im Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb in Lohn und Brot, weiß Uwe Dörmann, der den Betrieb jahrelang leitete. Führend in der Branche im Bezirk Erfurt erwirtschaftete das Unternehmen eine Warenproduktion von 220 Millionen Mark im Jahr. Nach der Wende übernahm Hans Löblein. Er malte in Stadtratssitzungen ein Bild von einem zukünftigen Musterunternehmen, das auf ganz Thüringen ausstrahlen werde. Zunächst aber müsse man den hiesigen Leitungskadern marktwirtschaftliche Betriebswirtschaft lehren.

Statt Thüringer Musterbetrieb kam die Insolvenz. Ein Holländer mit türkischen Wurzeln wollte fortführen, was Löblein nicht gelang. Auch seine Vorhaben kamen über das Papier, auf dem sie geschrieben standen, nicht hinaus. Er soll noch immer der Eigentümer sein. Für 600.000 Euro stehen jetzt die Überbleibsel zum Verkauf. Die Stadt, informierte seinerzeit auf Anfrage Martin Juckeland, Amtsleiter für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung, halte das Areal für ein Gewerbegebiet vor.

ruine (Foto: Kurt Frank) ruine (Foto: Kurt Frank)

Ulf Zaspel bewirbt es: Es handelt sich um ein verkehrsgünstig sehr gelegenes Gewerbegrundstück mit guter Anbindung an die B 4 und an die Bundesautobahn A 38. Die Immobilie hat einen rechteckigen Zuschnitt, wird durch zwei Straßen umschlossen und hat zwei Zufahrten. Erschließungsleitungen liegen in der Straße an. Für einen Gewerbebetrieb oder eine logistische Nutzung würde sie sich gut eignen. Eine Autobahnabfahrt zur A 38 ist in zehn Minuten zu schaffen. Gut erreichbar auch die B 4 nach Sondershausen und Erfurt. Das Grundstück umfasst 23.000 Quadratmeter.

Wann dieser Schandfleck verschwindet, steht noch in den Sternen. Kaufland soll vor Jahren Interesse bekundet haben, die Stadt aber nicht. Kaufland ist eine namhafte Lebensmittel-Einzelhandelskette der Schwarz Beteiligungs GmbH. Mit Sitz in Neckarsulm. Es unterhält über 1.270 Märkte weltweit, über 660 in Deutschland. Die Geschäfte umfassen bis zu 15.000 Quadratmeter.

Ob Kaufland das Gelände des ehemaligen Harzer Stielwerkes bebauen wollte, bestätigte die Stadt nicht. Ob das Unternehmen den Herkules Markt bei der Südharzgalerie übernehmen werde, wie dort hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, sei derzeit ein Gerücht, sagt der Amtsleiter.
Kurt Frank
Autor: red

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