Grüne Sommertour
Mehr Kurpfennige für den "Schlafort"
Mittwoch, 10. Juli 2019, 18:30 Uhr
Der Sommer bringt den Politikern in "Stadt und Land" nicht nur Tage der Entspannung, sie nutzen die Pause auch für Touren durch ihr Regierungsgebiet. Ein Landespolitiker war am Vormittag mit dem Rad unterwegs...
Gespräche in Neustadt (Foto: nnz)
Von links: Jürgen Weyand, Astrid Koschorrek, André Richter, Dirk Adams und Dirk Erfurt
Wie es sich für einen grünen Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag gehört, war Dirk Adams mit dem Rad in Richtung Neustadt unterwegs. Wie er meinte, auf einem tollen Radweg ab Niedersachswerfen.
Doch schon beim Empfang im heilklimatischen Kurort traf Adams auf ein Teilchen der Problemlage im Südharzer Tourismus im Allgemeinen und den in Neustadt im Besonderen. Eigentlich hatte sich Ortsteilbürgermeister Dirk Erfurt vorgenommen, am Gondelteich die Gäste mit Leckereien und Kaffee aus dem Kiosk zu verwöhnen. "Leider ließ sich der Betreiber nicht für eine Extra-Öffnung erwärmen", sagt Erfurt. Der Kiosk habe nur am Wochenende geöffnet.
Nach dem Adams die Motivation seiner diesjährigen Sommertour erläutert hatte und konstatierte, dass der Südharz und Neustadt "ein enormes touristisches Potential habe, von dem allerdings noch wenig zu spüren ist", schob sofort nach, dass - sollte das Biosphärenreservat Wirklichkeit werden - Neustadt der perfekte Urlaubsort sein könnte.
Auf dem Weg dorthin steht aber bislang nicht nur der angeschobene Moderationsprozess zum "Reservat" noch im Wege, sondern auch die "Hemmnisse, die von Seiten einiger Hotelbetreiber ausgehen", wie es Dirk Erfurt formulierte. Er dürfe sich dazu nicht kritisch äußern, sonst bekäme er sofort Post von Rechtsanwälten.
Natürlich gehen die Übernachtungszahlen in Neustadt zurück. Das seien aber nur die Zahlen von Hotels und Pensionen mit mehr als zehn Betten, die dem statistischen Landesamt gemeldet werden müssen. Mittlerweile seien aber "viele" Gästebetten im privaten Bereich hinzugekommen. Wieviel "viele" sind, wollte der Bürgermeister nicht konkretisieren.
Dafür warb er lieber, dass die "Sache mit dem Kurpfennig" seitens der Landesregierung noch einmal überdacht werden solle. Der Kurpfennig ist ein monetäres Förderinstrument, das Kurorten entsprechend der Gästezahlen überwiesen wird. Und so geht auch die Zahl der Kurpfennige in Richtung Neustadt beständig zurück.
Dirk Erfurt verwies in der lockeren Gesprächsrunde bei mitgebrachtem Kaffee (siehe Kiosk-Problem) auf die Sanierung von Schloss und Verwalterhaus, auf den Aufbau des Gesundheitstourismus und benannte Neustadt als touristischen "Schlafort", von dem aus die Gäste eine Vielfalt von Zielen ansteuern könnten.
Jürgen Weyand, der als grüner Ellricher Stadtrat und Café-Betreiber mit Adams mitgeradelt war, stellte sich eine Anschubfinanzierung der öffentlichen Hand für Menschen mit innovativen Tourismusideen vor und warb zugleich für mehr Informationspunkte im Südharz, in denen die Vorzüge dieser Landschaft vorgestellt werden könnten. Diese Info-Punkte müssten auch für die Notwendigkeit und die Vorteile eines Bisophärenreservates werben.
Dirk Adams zeigte sich interessiert und vorinformiert und versprach, dass die Thüringer Landesregierung sicher die Hotspots wie Oberhof, Weimar oder Eisenach weiter im Blick haben müsse, den "Rest, also die Fläche" nicht vergessen müsse. Und die Sache mit dem Kurpfennig, die hat sich der Mann notiert. Die Zeit, die vor den Neustädtern, vielleicht auch vor dem gesamten Südharz liegt, die wird angereichert sein mit einer gehörigen Portion Phantasie und bedarf einiger Visionen. Aus der Vielzahl von Ideen muss ein Konzept erwachsen und das muss politisch und finanziell unterstützt werden.
Passiert das nicht in einer Symbiose, dann werden die Gästezahlen weiter zurückgehen und die entscheidende Frage, "warum die Gäste ausgerechnet in den Südharz kommen sollen", bleibt auch die nächsten drei Jahrzehnte unbeantwortet.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
Gespräche in Neustadt (Foto: nnz)
Von links: Jürgen Weyand, Astrid Koschorrek, André Richter, Dirk Adams und Dirk ErfurtWie es sich für einen grünen Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag gehört, war Dirk Adams mit dem Rad in Richtung Neustadt unterwegs. Wie er meinte, auf einem tollen Radweg ab Niedersachswerfen.
Doch schon beim Empfang im heilklimatischen Kurort traf Adams auf ein Teilchen der Problemlage im Südharzer Tourismus im Allgemeinen und den in Neustadt im Besonderen. Eigentlich hatte sich Ortsteilbürgermeister Dirk Erfurt vorgenommen, am Gondelteich die Gäste mit Leckereien und Kaffee aus dem Kiosk zu verwöhnen. "Leider ließ sich der Betreiber nicht für eine Extra-Öffnung erwärmen", sagt Erfurt. Der Kiosk habe nur am Wochenende geöffnet.
Nach dem Adams die Motivation seiner diesjährigen Sommertour erläutert hatte und konstatierte, dass der Südharz und Neustadt "ein enormes touristisches Potential habe, von dem allerdings noch wenig zu spüren ist", schob sofort nach, dass - sollte das Biosphärenreservat Wirklichkeit werden - Neustadt der perfekte Urlaubsort sein könnte.
Auf dem Weg dorthin steht aber bislang nicht nur der angeschobene Moderationsprozess zum "Reservat" noch im Wege, sondern auch die "Hemmnisse, die von Seiten einiger Hotelbetreiber ausgehen", wie es Dirk Erfurt formulierte. Er dürfe sich dazu nicht kritisch äußern, sonst bekäme er sofort Post von Rechtsanwälten.
Natürlich gehen die Übernachtungszahlen in Neustadt zurück. Das seien aber nur die Zahlen von Hotels und Pensionen mit mehr als zehn Betten, die dem statistischen Landesamt gemeldet werden müssen. Mittlerweile seien aber "viele" Gästebetten im privaten Bereich hinzugekommen. Wieviel "viele" sind, wollte der Bürgermeister nicht konkretisieren.
Dafür warb er lieber, dass die "Sache mit dem Kurpfennig" seitens der Landesregierung noch einmal überdacht werden solle. Der Kurpfennig ist ein monetäres Förderinstrument, das Kurorten entsprechend der Gästezahlen überwiesen wird. Und so geht auch die Zahl der Kurpfennige in Richtung Neustadt beständig zurück.
Dirk Erfurt verwies in der lockeren Gesprächsrunde bei mitgebrachtem Kaffee (siehe Kiosk-Problem) auf die Sanierung von Schloss und Verwalterhaus, auf den Aufbau des Gesundheitstourismus und benannte Neustadt als touristischen "Schlafort", von dem aus die Gäste eine Vielfalt von Zielen ansteuern könnten.
Jürgen Weyand, der als grüner Ellricher Stadtrat und Café-Betreiber mit Adams mitgeradelt war, stellte sich eine Anschubfinanzierung der öffentlichen Hand für Menschen mit innovativen Tourismusideen vor und warb zugleich für mehr Informationspunkte im Südharz, in denen die Vorzüge dieser Landschaft vorgestellt werden könnten. Diese Info-Punkte müssten auch für die Notwendigkeit und die Vorteile eines Bisophärenreservates werben.
Dirk Adams zeigte sich interessiert und vorinformiert und versprach, dass die Thüringer Landesregierung sicher die Hotspots wie Oberhof, Weimar oder Eisenach weiter im Blick haben müsse, den "Rest, also die Fläche" nicht vergessen müsse. Und die Sache mit dem Kurpfennig, die hat sich der Mann notiert. Die Zeit, die vor den Neustädtern, vielleicht auch vor dem gesamten Südharz liegt, die wird angereichert sein mit einer gehörigen Portion Phantasie und bedarf einiger Visionen. Aus der Vielzahl von Ideen muss ein Konzept erwachsen und das muss politisch und finanziell unterstützt werden.
Passiert das nicht in einer Symbiose, dann werden die Gästezahlen weiter zurückgehen und die entscheidende Frage, "warum die Gäste ausgerechnet in den Südharz kommen sollen", bleibt auch die nächsten drei Jahrzehnte unbeantwortet.
Peter-Stefan Greiner
