75. BUND-Einsatz
Mähen bei bis zu 34 Grad
Montag, 01. Juli 2019, 08:07 Uhr
Hitzewarnungen und Warnungen vor großer UV-Belastung? Kein Thema war das für die 12 Enthusiasten beim 75. Artenschutzeinsatz von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes Nordhausen am vergangenen Sonnabend. Gemäht wurde trotzdem. Der älteste Teilnehmer war 79 Jahre alt...
Mit 12 Teilnehmern hätte ich gerade wegen der Vorhersage recht hoher Temperaturwerte keinesfalls gerechnet. Das ist fast ein neuer Teilnehmerrekord. Dass sie es sich trotz der Hitze nicht nehmen ließen, eine der wichtigsten im Landkreis Nordhausen verbliebenen Halbtrockenrasen über Muschelkalk mähen und beräumen zu helfen, dem kann ich nur Respekt und Anerkennung zollen.
In der Nähe von Obergebra mähten wir ca. 0,4 Hektar einer Fläche, die zu den wenigen verbliebenen Relikten einer auf extensiver Bewirtschaftung beruhenden Grünlandflächen im Landkreis gehört. Mit extensiv ist hier ein über Jahre kontinuierlicher, tatsächlicher Nährstoffentzug gemeint, der sich in einer entsprechend hohen Biodiversität niederschlägt. Die zweite Hälfte des artenreichen Habtrockenrasens soll erst im Herbst 2019 gemäht werden, was insbesondere vielen Insektenarten helfen soll, ihren Entwicklungszyklus ungestört fortzusetzen zu können.
Im Interesse eines optimalen Artenschutzes setzen wir um eine zeitliche und räumliche Rotation der Mahd: Auf diese Weise sollen so viele Arten wie möglich gefördert werden. Als Resultat dieser Herangehensweise fiel am vergangenen Sonnabend sofort das überaus bunte Bild eines blüten- und insektenreichenreichen Halbtrockenrasens ins Auge.
Die Mahd hier kommt u.a. mehreren Orchideenarten zugute, von denen hier nur die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und die Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea) genannt sein sollen. Zu den Profiteuren gehört aber auch die in Thüringen stark gefährdete Gelbe Spargelerbse (Lotus maritimus), deren Bestände wohl vor allem wegen der fehlenden, ganzjährig notwendigen Lückigkeit ihrer Biotope insgesamt stark zurückgegangen sind.
Trotz der wie hier im Landkreis Nordhausen nur selten so optimalen landschaftspflegerischen Verhältnisse wie jene auf der Wiese bei Obergebra, haben auch hier das Dürrejahr 2018 und der Dürreapril 2019 ihre Verheerungen hinterlassen. Denn mehrere seltene Arten scheinen 2019 auszubleiben oder sie lassen sich nur mit wenigen Individuen nachweisen. Da dieser Rückgang bei ansonsten gleichbleibenden Biotopverhältnissen bei zahlreichen Arten verstärkt in den vergangenen Jahren im gesamten Untersuchungsraum Nordhausen nachweisbar ist, dürfte ein Zusammenhang mit den zunehmend langen Trockenperioden bestehen. Das deckt sich mit einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Publikationen über die Auswirkungen der Klimakatastrophe.
Heute und spätestens auf mittlere Sicht dürfte der Klimawandel die wichtigste Ursache für einen geradezu flächeneckenden Artenverlust innerhalb weniger Jahre sein. Gerade haben wir z.B. den wärmsten Juni seit 1881 hinter uns gebracht.
Dennoch ist die Fortsetzung einer geeigneten, auf historischem Vorbild beruhenden Landschaftspflege wichtig: Sie minimiert die Wirkung anderer auf die besonders artenreichen, mageren Biotoptypen wirkenden Stressoren, wie anthropogener Stickstoffeintrag aus der Luft, Verfilzung der Vegetation und Verbuschung. Hinzu kommt die Bedeutung von historisch altem Grünland als Kohlenstoffspeicher für den Klimaschutz.
Alfred Hopp aus Kehmstedt war mit 79 Jahren der älteste Teilnehmer des Mahdeinsatzes. Er wirkte bereits an der Exkursion der Thüringischen Botanischen Gesellschaft in den Alten Stolberg am 8. Juni mit und versprach damals, sich auch an biotoperhaltenden Maßnahmen aktiv beteiligen zu wollen. Zudem steuerte er eine große Kanne mit Kaffee bei und bewegte von 10 Uhr bis in den Nachmittag hinein große Mähgutmengen. Und das mit 79 und bei Temperaturen von mehr als 30 Grad.
Karl-Heinz Junker war wiederum extra aus Sondershausen angereist, um mitzuhelfen. Ein besonderer Dank geht auch an Petra Wenzel aus Nordhausen und meiner langjährigen Freundin Katrin aus Leipzig, denn ohne sie wären die Pausen, kulinarisch gesehen, viel eintöniger gewesen.
Alle Teilnehmer haben, angesichts der schwierigen Bedingungen fast Übermenschliches geleistet. Allen gebührt aufrichtiger Dank. Dank aber gebührt auch der Naturstiftung David, denn ohne deren wohlwollende finanzielle Förderung hätten wir uns das notwendige technische Equipment nicht leisten können.
Der arbeitsreiche Tag endete für die letzten verbliebenen Teilnehmer mit dem Pflücken überreifer Kirschen - und mit einem botanischen Neufund für den Raum um Obergebra.
Die seltene Behaarte Platterbse (Lathyrus hirsutus) konnten wir erstmals dort auffinden. Die vor allem im Mittemeergebiet heimische Art breitet sich, glaubt man anderen Angaben, offenbar etwas in Richtung Norden aus. Möglicherweise ist auch dies Ausdruck der schwerwiegenden Klimaveränderungen, - an die sich jedoch nicht alle Arten anzupassen vermögen.
Bodo Schwarzberg
Autor: redMit 12 Teilnehmern hätte ich gerade wegen der Vorhersage recht hoher Temperaturwerte keinesfalls gerechnet. Das ist fast ein neuer Teilnehmerrekord. Dass sie es sich trotz der Hitze nicht nehmen ließen, eine der wichtigsten im Landkreis Nordhausen verbliebenen Halbtrockenrasen über Muschelkalk mähen und beräumen zu helfen, dem kann ich nur Respekt und Anerkennung zollen.
In der Nähe von Obergebra mähten wir ca. 0,4 Hektar einer Fläche, die zu den wenigen verbliebenen Relikten einer auf extensiver Bewirtschaftung beruhenden Grünlandflächen im Landkreis gehört. Mit extensiv ist hier ein über Jahre kontinuierlicher, tatsächlicher Nährstoffentzug gemeint, der sich in einer entsprechend hohen Biodiversität niederschlägt. Die zweite Hälfte des artenreichen Habtrockenrasens soll erst im Herbst 2019 gemäht werden, was insbesondere vielen Insektenarten helfen soll, ihren Entwicklungszyklus ungestört fortzusetzen zu können.
Im Interesse eines optimalen Artenschutzes setzen wir um eine zeitliche und räumliche Rotation der Mahd: Auf diese Weise sollen so viele Arten wie möglich gefördert werden. Als Resultat dieser Herangehensweise fiel am vergangenen Sonnabend sofort das überaus bunte Bild eines blüten- und insektenreichenreichen Halbtrockenrasens ins Auge.
Die Mahd hier kommt u.a. mehreren Orchideenarten zugute, von denen hier nur die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und die Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea) genannt sein sollen. Zu den Profiteuren gehört aber auch die in Thüringen stark gefährdete Gelbe Spargelerbse (Lotus maritimus), deren Bestände wohl vor allem wegen der fehlenden, ganzjährig notwendigen Lückigkeit ihrer Biotope insgesamt stark zurückgegangen sind.
Trotz der wie hier im Landkreis Nordhausen nur selten so optimalen landschaftspflegerischen Verhältnisse wie jene auf der Wiese bei Obergebra, haben auch hier das Dürrejahr 2018 und der Dürreapril 2019 ihre Verheerungen hinterlassen. Denn mehrere seltene Arten scheinen 2019 auszubleiben oder sie lassen sich nur mit wenigen Individuen nachweisen. Da dieser Rückgang bei ansonsten gleichbleibenden Biotopverhältnissen bei zahlreichen Arten verstärkt in den vergangenen Jahren im gesamten Untersuchungsraum Nordhausen nachweisbar ist, dürfte ein Zusammenhang mit den zunehmend langen Trockenperioden bestehen. Das deckt sich mit einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Publikationen über die Auswirkungen der Klimakatastrophe.
Heute und spätestens auf mittlere Sicht dürfte der Klimawandel die wichtigste Ursache für einen geradezu flächeneckenden Artenverlust innerhalb weniger Jahre sein. Gerade haben wir z.B. den wärmsten Juni seit 1881 hinter uns gebracht.
Dennoch ist die Fortsetzung einer geeigneten, auf historischem Vorbild beruhenden Landschaftspflege wichtig: Sie minimiert die Wirkung anderer auf die besonders artenreichen, mageren Biotoptypen wirkenden Stressoren, wie anthropogener Stickstoffeintrag aus der Luft, Verfilzung der Vegetation und Verbuschung. Hinzu kommt die Bedeutung von historisch altem Grünland als Kohlenstoffspeicher für den Klimaschutz.
Alfred Hopp aus Kehmstedt war mit 79 Jahren der älteste Teilnehmer des Mahdeinsatzes. Er wirkte bereits an der Exkursion der Thüringischen Botanischen Gesellschaft in den Alten Stolberg am 8. Juni mit und versprach damals, sich auch an biotoperhaltenden Maßnahmen aktiv beteiligen zu wollen. Zudem steuerte er eine große Kanne mit Kaffee bei und bewegte von 10 Uhr bis in den Nachmittag hinein große Mähgutmengen. Und das mit 79 und bei Temperaturen von mehr als 30 Grad.
Karl-Heinz Junker war wiederum extra aus Sondershausen angereist, um mitzuhelfen. Ein besonderer Dank geht auch an Petra Wenzel aus Nordhausen und meiner langjährigen Freundin Katrin aus Leipzig, denn ohne sie wären die Pausen, kulinarisch gesehen, viel eintöniger gewesen.
Alle Teilnehmer haben, angesichts der schwierigen Bedingungen fast Übermenschliches geleistet. Allen gebührt aufrichtiger Dank. Dank aber gebührt auch der Naturstiftung David, denn ohne deren wohlwollende finanzielle Förderung hätten wir uns das notwendige technische Equipment nicht leisten können.
Der arbeitsreiche Tag endete für die letzten verbliebenen Teilnehmer mit dem Pflücken überreifer Kirschen - und mit einem botanischen Neufund für den Raum um Obergebra.
Die seltene Behaarte Platterbse (Lathyrus hirsutus) konnten wir erstmals dort auffinden. Die vor allem im Mittemeergebiet heimische Art breitet sich, glaubt man anderen Angaben, offenbar etwas in Richtung Norden aus. Möglicherweise ist auch dies Ausdruck der schwerwiegenden Klimaveränderungen, - an die sich jedoch nicht alle Arten anzupassen vermögen.
Bodo Schwarzberg





