Es wird still werden...
Mittwoch, 30. März 2005, 17:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit zahlreichen Veranstaltungen gedenkt Nordhausen am 3. und 4. April des 60. Jahrestages der Zerstörung der Stadt durch englische Bomber. Die nnz gibt einen ersten umfassenden Überblick...
Im Frühling 1945 waren bei der Bombardierung an beiden Tagen 8800 Menschen umgekommen. Die Stadt wurde damals zu mehr als 70 Prozent zerstört – das Zentrum fiel komplett in Schutt und Asche. Nordhausen war damit eine der meist zerstörten Städte Deutschlands. Wir müssen auch - und gerade - 60 Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis die Erinnerung an das für unsere Stadt so Schicksalhafte und Schreckliche lebendig halten. Deshalb werden wir diesen Jahrestag umfangreicher begehen – obwohl das jährliche Gedenken einen festen Stellenwert in unserer Stadt hat, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).
Die Gedenkveranstaltungen beginnen am 3. April um 16.00 Uhr mit dem Läuten der Kirch-Glocken in der gesamten Stadt. Zu diesem Zeitpunkt kam es vor 60 Jahren zur 1. Bombardierung der Stadt. Um 16.30 Uhr gibt es in der Blasii-Kirche einen ökumenischen Gedenkgottesdienst. Anschließend, um 17.15 Uhr, findet die Kranzniederlegung an der Gedenkstele vor dem Rathaus statt. Frau Rinke wird die Kranzniederlegung mit einer Ansprache beginnen, anschließend berichtet die 82-jährige Nordhäuserin Margret Unger als Zeitzeugin von ihrem Schicksal während und nach der Bombardierung. Die 19-jährige Christin Hausmann wird das Gedicht Schwermütig Lied II des inzwischen verstorbenen Nordhäuser Dichters Rudolf Hagelstange vortragen, das sich ebenfalls mit der Bombardierung auseinandersetzt. Nach der Schweigeminute wird der evangelische Superintendent Michael Bornschein den Segen sprechen.
Der 4. April beginnt um 9 Uhr mit einer Schweigeminute in der gesamten Stadt. Zu diesem Zeitpunkt traf vor 60 Jahren die zweite große Bombenwelle Nordhausen, so Frau Rinke. Die Straßenbahnen und Busse würden ihre Fahrt in der Stadt unterbrechen, und wir bitten auch alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser zum Gedenken an die Opfer zu diesem Zeitpunkt kurz inne zu halten.
Im Beisein von katholischen und evangelischen Geistlichen (Dom Pfarrer Richard Hentrich und Superintendent Bornschein) werden um 9. 30 Uhr am Ehrenhof für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Hauptfriedhof am Stresemannring (es handelt sich nicht um den Ehrenfriedhof, der sich ebenfalls am Stresemannring befindet!) die Gebeine beigesetzt, die in den vergangenen Jahren bei den Umgestaltungsarbeiten am Petersberg geborgen wurden. Bei der Bombardierung der Stadt hatten in der Petri-Kirche auf dem Petersberg mehr als 100 Menschen Schutz gesucht, bis auch diese Kirche von einer Bombe getroffen wurde und viele Nordhäuserinnen und Nordhäuser ihr Leben lassen mussten.
Um 11 Uhr gibt es im Atrium der Petersbergschule – auf dem Petersberg – Zeitzeugensgespräche, zu denen Nordhäuser Schüler eingeladen sind. Diese Veranstaltung wird vom 2. ehernamtlichen Beigeordneten der Stadt Nordhausen, Dr. Manfred Schröter, eröffnet. Unter anderem wird der Film Die zweiten tausend Jahre aus den frühen 1990er Jahren gezeigt, der sich mit der Bombardierung auseinandersetzt; Schüler des Humboldt-Gymnasiums werden Gedichte vortragen, anschließend stehen Zeitzeugen - die Nordhäuser Adolf Ziegenbein, Margret Unger und Egon Hering – für Fragen der Schüler bzw. anderer Interessierter zur Verfügung.
Eine Gedenkstelle für die Opfer der Bombardierung des Petersberg wird dann um 13 Uhr auf dem Petersberg eröffnet, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Petri-Turm – dem Relikt der 1945 zerstörten Petri-Kirche. Diese Anlage ist mit einer Skulptur gestaltet, die Teil eines früheren Grabmales einer Nordhäuser Familie war. Die Oberbürgermeisterin wird die Eröffnungsworte sprechen, anschließend wird ein Gedicht vorgetragen, es folgen eine Kranzniederlegung und eine Gedenkminute. Nordhausen 1945 – 2005 ist der Titel einer Foto-Ausstellung, die Dr. Schröter um 17 Uhr im Altstadt-Museum Flohburg in der Barfüßer Straße eröffnet. Mit Bildern des Nordhäusers Günther Stanislowsky und des Nordhäuser Stadtarchivs sollen nicht nur die Kontraste im Stadtbild, sondern auch die Veränderung der Stadt im Zeitlauf dokumentiert werden.
Wir laden alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser herzlich ein, diese Veranstaltungen zu besuchen, sagte Frau Rinke. Im Mittelpunkt beider Tage soll und muss die Erinnerung an die vielen Opfer stehen - an die Opfer einer Bombardierung, deren Sinnlosigkeit immer deutlicher zu Tage tritt, weil sie keinerlei Nutzen hatte und nur unermessliches Leid unter der Zivilbevölkerung anrichtete. Es war einfach nicht angemessen, noch wenige Tage vor dem absehbaren Kriegsende Kirchen, Wohnhäuser und ganze Städte in Schutt und Asche zu legen, so die Oberbürgermeisterin. Zugleich darf man nicht vergessen, dass die Bombardierungen auch Reaktion waren auf die Aggression Hitler-Deutschlands, die Europa überzogen haben - und die ganze Völker auslöschen sollte.
Autor: nnzIm Frühling 1945 waren bei der Bombardierung an beiden Tagen 8800 Menschen umgekommen. Die Stadt wurde damals zu mehr als 70 Prozent zerstört – das Zentrum fiel komplett in Schutt und Asche. Nordhausen war damit eine der meist zerstörten Städte Deutschlands. Wir müssen auch - und gerade - 60 Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis die Erinnerung an das für unsere Stadt so Schicksalhafte und Schreckliche lebendig halten. Deshalb werden wir diesen Jahrestag umfangreicher begehen – obwohl das jährliche Gedenken einen festen Stellenwert in unserer Stadt hat, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).
Die Gedenkveranstaltungen beginnen am 3. April um 16.00 Uhr mit dem Läuten der Kirch-Glocken in der gesamten Stadt. Zu diesem Zeitpunkt kam es vor 60 Jahren zur 1. Bombardierung der Stadt. Um 16.30 Uhr gibt es in der Blasii-Kirche einen ökumenischen Gedenkgottesdienst. Anschließend, um 17.15 Uhr, findet die Kranzniederlegung an der Gedenkstele vor dem Rathaus statt. Frau Rinke wird die Kranzniederlegung mit einer Ansprache beginnen, anschließend berichtet die 82-jährige Nordhäuserin Margret Unger als Zeitzeugin von ihrem Schicksal während und nach der Bombardierung. Die 19-jährige Christin Hausmann wird das Gedicht Schwermütig Lied II des inzwischen verstorbenen Nordhäuser Dichters Rudolf Hagelstange vortragen, das sich ebenfalls mit der Bombardierung auseinandersetzt. Nach der Schweigeminute wird der evangelische Superintendent Michael Bornschein den Segen sprechen.
Der 4. April beginnt um 9 Uhr mit einer Schweigeminute in der gesamten Stadt. Zu diesem Zeitpunkt traf vor 60 Jahren die zweite große Bombenwelle Nordhausen, so Frau Rinke. Die Straßenbahnen und Busse würden ihre Fahrt in der Stadt unterbrechen, und wir bitten auch alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser zum Gedenken an die Opfer zu diesem Zeitpunkt kurz inne zu halten.
Im Beisein von katholischen und evangelischen Geistlichen (Dom Pfarrer Richard Hentrich und Superintendent Bornschein) werden um 9. 30 Uhr am Ehrenhof für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Hauptfriedhof am Stresemannring (es handelt sich nicht um den Ehrenfriedhof, der sich ebenfalls am Stresemannring befindet!) die Gebeine beigesetzt, die in den vergangenen Jahren bei den Umgestaltungsarbeiten am Petersberg geborgen wurden. Bei der Bombardierung der Stadt hatten in der Petri-Kirche auf dem Petersberg mehr als 100 Menschen Schutz gesucht, bis auch diese Kirche von einer Bombe getroffen wurde und viele Nordhäuserinnen und Nordhäuser ihr Leben lassen mussten.
Um 11 Uhr gibt es im Atrium der Petersbergschule – auf dem Petersberg – Zeitzeugensgespräche, zu denen Nordhäuser Schüler eingeladen sind. Diese Veranstaltung wird vom 2. ehernamtlichen Beigeordneten der Stadt Nordhausen, Dr. Manfred Schröter, eröffnet. Unter anderem wird der Film Die zweiten tausend Jahre aus den frühen 1990er Jahren gezeigt, der sich mit der Bombardierung auseinandersetzt; Schüler des Humboldt-Gymnasiums werden Gedichte vortragen, anschließend stehen Zeitzeugen - die Nordhäuser Adolf Ziegenbein, Margret Unger und Egon Hering – für Fragen der Schüler bzw. anderer Interessierter zur Verfügung.
Eine Gedenkstelle für die Opfer der Bombardierung des Petersberg wird dann um 13 Uhr auf dem Petersberg eröffnet, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Petri-Turm – dem Relikt der 1945 zerstörten Petri-Kirche. Diese Anlage ist mit einer Skulptur gestaltet, die Teil eines früheren Grabmales einer Nordhäuser Familie war. Die Oberbürgermeisterin wird die Eröffnungsworte sprechen, anschließend wird ein Gedicht vorgetragen, es folgen eine Kranzniederlegung und eine Gedenkminute. Nordhausen 1945 – 2005 ist der Titel einer Foto-Ausstellung, die Dr. Schröter um 17 Uhr im Altstadt-Museum Flohburg in der Barfüßer Straße eröffnet. Mit Bildern des Nordhäusers Günther Stanislowsky und des Nordhäuser Stadtarchivs sollen nicht nur die Kontraste im Stadtbild, sondern auch die Veränderung der Stadt im Zeitlauf dokumentiert werden.
Wir laden alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser herzlich ein, diese Veranstaltungen zu besuchen, sagte Frau Rinke. Im Mittelpunkt beider Tage soll und muss die Erinnerung an die vielen Opfer stehen - an die Opfer einer Bombardierung, deren Sinnlosigkeit immer deutlicher zu Tage tritt, weil sie keinerlei Nutzen hatte und nur unermessliches Leid unter der Zivilbevölkerung anrichtete. Es war einfach nicht angemessen, noch wenige Tage vor dem absehbaren Kriegsende Kirchen, Wohnhäuser und ganze Städte in Schutt und Asche zu legen, so die Oberbürgermeisterin. Zugleich darf man nicht vergessen, dass die Bombardierungen auch Reaktion waren auf die Aggression Hitler-Deutschlands, die Europa überzogen haben - und die ganze Völker auslöschen sollte.
