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Theaterjugendclub zu Demokratie und Meinungsfreiheit

Vier Szenen, viele Fragen

Dienstag, 28. Mai 2019, 11:00 Uhr
Kann man bei den Wahlen ein wenig nachhelfen wenn es nur um den Klassensprecher geht? Wieviel Mitspracherecht sollten Kinder bei Familienentscheidungen haben? Wo hört Humor auf und fängt Rassismus an? In ihrem neuen Stück werfen die jungen Schauspieler des Theaterjugendclubs viele Fragen auf. Die Antworten sollen im Klassenraum gefunden werden...

Die jüngsten unter den jungen Schauspielern bringen ihr Stück "Stimme(n)" nicht nur auf die Bühne (Foto: Marco Kneise) Die jüngsten unter den jungen Schauspielern bringen ihr Stück "Stimme(n)" nicht nur auf die Bühne (Foto: Marco Kneise)

Seit der fünften Klasse ist Clara Jahr für Jahr zur Klassensprecherin gewählt worden, in freier und geheimer Wahl. Zwei ihrer Mitschüler wollen das so nicht länger hinnehmen. Sie überreden Tessa zur Gegenkandidatur, inklusive Social-Media-Wahlkampf. Was Tessa nicht weiß: ihre "Unterstützer" greifen zu unlauteren Methoden um ihr die heiß umkämpften Stimmen zu sichern.

Wäre das Stück "Stimme(n)" ein Hollywood-Film, würden die Aufrechten und Unbestechlichen am Ende triumphieren und die sinistren Pläne der Strippenzieher doch noch durchkreuzen. Auf der Bühne findet Tessa heraus was wirklich vor sich gegangen ist und steht vor ihrer ganz eigenen Wahl. Nehme ich die Wahl an und löse Clara ab? Oder stehe ich zur Wahrheit?

Eine Antwort gibt das Stück aus der Feder von Christopher Kügelen nicht. "Wir geben ganz bewusst keine Lösungen vor sondern wollen zur Diskussion anregen und Fragen wie Demokratie im jugendlichen Alltag aussehen kann", erzählt Theaterpädagogin Eva Lankau. Das Publikum soll dabei nicht nur im Theater Platz nehmen, sondern sich vor allem an den Schulen des Landkreises finden. Aus den vier kleinen Episoden, die auf der Bühne unterm Dach am Stück vorgestellt werden, werden in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring demnächst Videoclips entstehen, über die im einzelnen und in der Tiefe im Unterricht gesprochen werden kann.

Ist es okay wenn der beste Kumpel rassistische Witzchen macht? Was muss man als "Humor" ertragen und was verletzt andere? Ist ein Pulli mit der Aufschrift "I love HTLR" oder "HKNKRZ" ein legitimer Weg der Provokation? Wann steht man auf und sagt "es reicht"? Die Episoden bieten viel Stoff für Diskussion, auch Abseits der Fragen um Meinungsfreiheit und Demokratie. Die Geschwister Hanna und Franziska etwa wollen nicht mit Mama nach Kalifornien ziehen. Was können Sie tun? Klassensprecherin Clara ergibt sich den Ambitionen, die ihre Mutter für den Sprößling vorgezeichnet hat. Muss sie das hinnehmen?

Gespielt wird das alles, mit viel Engagement und Verve, von den jüngsten Schauspielern des Nordhäuser Theaters, im Alter von 9 bis 14 Jahren. Im Theater Unterm Dach wird das Stück, das am Sonntag pünkltich zur Wahl Premiere feierte, nicht lange bleiben, wer "Stimme(n)" selber einmal sehen möchte, der hat heute Nachmittag um 18 Uhr noch einmal die Chance dazu. Über Himmelfahrt soll aus dem Bühnenstück der Film werden, der im neuen Schuljahr mit dem Kreisjugendring an die Schulen kommen soll.
Angelo Glashagel
Autor: red

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