Stadträte keine Fußballfans
Dienstag, 22. März 2005, 12:45 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Kapitän des FSV Wacker 90, Sven Pistorius, hatte im Namen des Vereins die Nordhäuser Stadträte zum Ortsderby gegen die FSG Salza am vergangenen Wochenende eingeladen. Wer von den gewählten Volksvertretern die Einladung annahm, das steht hier...
Ein Fußballspiel, bei dem 22 erwachsene Männer einem einzigen Ball nachrennen, als hätten sie am Samstagnachmittag nichts besseres zu tun, das ist sicherlich nicht jedermanns oder –frau Sache. Eine Einladung auszuschlagen ist auch nicht ehrenrührig, aber einfach nicht zu kommen und die wochenlang vorher verschickte Einladung zu ignorieren, das sollte einem Lokalpolitiker nicht passieren.
Zur Ehrenrettung der insgesamt 36 Stadträte erschienen von der CDU Frau Busch, Frau Biesenbach und Herr Klodt. Von der PDS kamen Frau Panke und Herr Drechsler. Die SPD war durch die Herren Fütterer und Bornkessel vertreten und die FDP schickte 50% ihrer Fraktion in persona des Herrn Roßberg. Das war es dann aber auch schon mit der Politprominenz, die gebeten war, sich einen Eindruck vom derzeitigen Leistungsstand des Nordhäuser Fußballs und seiner Akzeptanz beim Publikum zu verschaffen. Die beiden besten Nordhäuser Fußballteams standen in einem Punktspiel der Landesklasse Ost auf dem Rasen und Wacker feiert außerdem in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum.
Leider scheint es den Nordhäuser Stadträten egal zu sein, in welcher Liga die einheimischen Fußballvereine ihre Stadt vertreten. Welche Werbung ein gut platzierter Fußballverein automatisch für die Stadt macht, ist offensichtlich auch nicht bekannt. Vielleicht sollte den Damen und Herren auch einmal näher gebracht werden, dass allein bei Wacker 180 Kinder und Jugendliche wöchentlich mehrmals trainieren und am Wochenende für die Stadt Nordhausen in die Wettkämpfe mit anderen Mannschaften gehen. Das ist auch Kinder- und Jugendarbeit, hält die Beteiligten gesund, fördert das Selbstvertrauen und das Sozialverhalten.
Das Theater Nordhausen und die Jugendkunstschule sind da schon einen Schritt weiter und beginnen Kooperationen zum gegenseitigen Nutzen mit dem Traditionsverein Wacker 90. Der setzt alle Kraft daran, mit seinem Aushängeschild, der ersten Männermannschaft in die Landesliga und mit seinen A-Junioren gar in die Regionalliga aufzusteigen. Vom Engagement des Theaters beispielsweise hätten sich die Volksvertreter in der Halbzeitpause des Ortsderbys überzeugen können, wenn sie denn gekommen wären.
So blieben nach dem Spiel in der Wacker-Klause viele Kuchenstückchen ungegessen und viel Bohnenkaffee ungetrunken.
Olaf Schulze
Autor: oschEin Fußballspiel, bei dem 22 erwachsene Männer einem einzigen Ball nachrennen, als hätten sie am Samstagnachmittag nichts besseres zu tun, das ist sicherlich nicht jedermanns oder –frau Sache. Eine Einladung auszuschlagen ist auch nicht ehrenrührig, aber einfach nicht zu kommen und die wochenlang vorher verschickte Einladung zu ignorieren, das sollte einem Lokalpolitiker nicht passieren.
Zur Ehrenrettung der insgesamt 36 Stadträte erschienen von der CDU Frau Busch, Frau Biesenbach und Herr Klodt. Von der PDS kamen Frau Panke und Herr Drechsler. Die SPD war durch die Herren Fütterer und Bornkessel vertreten und die FDP schickte 50% ihrer Fraktion in persona des Herrn Roßberg. Das war es dann aber auch schon mit der Politprominenz, die gebeten war, sich einen Eindruck vom derzeitigen Leistungsstand des Nordhäuser Fußballs und seiner Akzeptanz beim Publikum zu verschaffen. Die beiden besten Nordhäuser Fußballteams standen in einem Punktspiel der Landesklasse Ost auf dem Rasen und Wacker feiert außerdem in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum.
Leider scheint es den Nordhäuser Stadträten egal zu sein, in welcher Liga die einheimischen Fußballvereine ihre Stadt vertreten. Welche Werbung ein gut platzierter Fußballverein automatisch für die Stadt macht, ist offensichtlich auch nicht bekannt. Vielleicht sollte den Damen und Herren auch einmal näher gebracht werden, dass allein bei Wacker 180 Kinder und Jugendliche wöchentlich mehrmals trainieren und am Wochenende für die Stadt Nordhausen in die Wettkämpfe mit anderen Mannschaften gehen. Das ist auch Kinder- und Jugendarbeit, hält die Beteiligten gesund, fördert das Selbstvertrauen und das Sozialverhalten.
Das Theater Nordhausen und die Jugendkunstschule sind da schon einen Schritt weiter und beginnen Kooperationen zum gegenseitigen Nutzen mit dem Traditionsverein Wacker 90. Der setzt alle Kraft daran, mit seinem Aushängeschild, der ersten Männermannschaft in die Landesliga und mit seinen A-Junioren gar in die Regionalliga aufzusteigen. Vom Engagement des Theaters beispielsweise hätten sich die Volksvertreter in der Halbzeitpause des Ortsderbys überzeugen können, wenn sie denn gekommen wären.
So blieben nach dem Spiel in der Wacker-Klause viele Kuchenstückchen ungegessen und viel Bohnenkaffee ungetrunken.
Olaf Schulze
