Jesus Christ lebt wieder
Montag, 21. März 2005, 11:36 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Geschichte ist relativ alt und auch schon das eine oder andere Mal erzählt worden. Gleich vier Apostel haben sie niedergeschrieben, um einen Mann zu ehren, von dem angenommen wird, er sei Gottes Sohn gewesen. Dabei liegt dem ganzen Mythos offenbar ein einfacher Übersetzungsfehler zugrunde, der aus einer jungen Frau eine Jungfrau machte. An solchen Spekulationen wollen wir uns nicht beteiligen, sondern verwundert darüber berichten, was da gerade im Nordhäuser Theater passiert.
Jesus Christ lebt wieder (Foto: nnz)
So geschickt wie die Stellvertreter Gottes auf Erden einstmals in langwierigen Konzilen den Termin der Kreuzigung Jesu mit dem keltischen und germanischen Frühlingsfest zusammenlegten, so clever wählten die Theatermacher in Nordhausen den Premierentermin für dieses frühe Lloyd Webber-Musical in ihrer ersten Spielzeit: Die Osterzeit.
Ein aufwendiges Musical wie Jesus Christ Superstar bedeutet stets eine Herausforderung für ein Stadttheater. Und wenn die Story seit 2000 Jahren bekannt ist, fallen auch überraschende dramatische Wendungen im Handlungsverlauf weg, was es schwieriger macht, die Zuschauer zu fesseln. Da wird eine Rockband angeheuert (Chapter X aus Kassel), da werden alle Darsteller verkabelt und mit modernster Mikrofontechnik ausgestattet, um mit ihrem Gesang das voluminöse Orchester zu übertönen. Da wird vom Chor und vom Ballett in verschiedensten Rollen Schwerstarbeit verlangt und es sind Protagonisten gefragt, die singen, spielen und tanzen können. So ein großes Unternehmen kann in einem kleinen Theater auch schwer daneben gehen.
Nicht so in Nordhausen, Regisseurin und Choreografin Iris Limbarth führt das Ensemble mit Kapellmeister Joseph R. Olefirowicz zu einer großartigen Gesamtleistung, die vom Publikum mit frenetisch zum Ausdruck gebrachter Dankbarkeit angenommen wird.
Es ist kompliziert aus dieser geschlossenen, schwungvollen Inszenierung einzelne Aspekte oder Szenen herauszuheben. Georgia M. Reh als Maria Magdalena überzeugt hundertprozentig, darstellerisch stehen die beiden männlichen Hauptdarsteller Rob Pitcher (Jesus) und Marco Fahrland (Judas) ihr in nichts nach, Thomas Kohl brilliert als Pontius Pilatus, Robert Mc Louds Gesang als Hohepriester Kaiphas geht wieder unter die Haut, Jürgen Dietmar Kühn kann als Herodes sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen, und die Herren Matthias Röttig (Annas), Pascal Hufschmied (Petrus) und Luis Lay (Simon Zelotes) tragen ihren Teil zum Gelingen mit souveränen Leistungen bei. Chor und Ballett samt Extraabteilungen präsentieren sich in spielfreudiger Hochform (besonders vom Chor war ich wieder beeindruckt), das Loh-Orchester entledigt sich der rockig/popigen Musik souverän.
Kritische Anmerkungen gehen an die Beleuchtungsabteilung. Da war im aus Wiesbaden ausgeliehenen Bühnenbild deutlich mehr drin, als ein diffuses Halbdunkel, das durch Spots auf die Protagonisten aufgehellt wird.
Das Publikum hat seine Nordhäuser Sänger bei den beiden Premieren langanhaltend und begeistert gefeiert, in der Pause wurden Wetten abgeschlossen, ob diese Inszenierung nun der absoluten Renner der Saison würde. Ich möchte mich da nicht beteiligen, denn es stehen noch Premieren aus und bisher sind alle Neuinszenierungen dieser Spielzeit von den Besuchern überdurchschnittlich gut aufgenommen worden. Das spricht für die neue Qualität am Hause und macht Lust auf mehr.
Olaf Schulze
Autor: osch
Jesus Christ lebt wieder (Foto: nnz)
So geschickt wie die Stellvertreter Gottes auf Erden einstmals in langwierigen Konzilen den Termin der Kreuzigung Jesu mit dem keltischen und germanischen Frühlingsfest zusammenlegten, so clever wählten die Theatermacher in Nordhausen den Premierentermin für dieses frühe Lloyd Webber-Musical in ihrer ersten Spielzeit: Die Osterzeit.Ein aufwendiges Musical wie Jesus Christ Superstar bedeutet stets eine Herausforderung für ein Stadttheater. Und wenn die Story seit 2000 Jahren bekannt ist, fallen auch überraschende dramatische Wendungen im Handlungsverlauf weg, was es schwieriger macht, die Zuschauer zu fesseln. Da wird eine Rockband angeheuert (Chapter X aus Kassel), da werden alle Darsteller verkabelt und mit modernster Mikrofontechnik ausgestattet, um mit ihrem Gesang das voluminöse Orchester zu übertönen. Da wird vom Chor und vom Ballett in verschiedensten Rollen Schwerstarbeit verlangt und es sind Protagonisten gefragt, die singen, spielen und tanzen können. So ein großes Unternehmen kann in einem kleinen Theater auch schwer daneben gehen.
Nicht so in Nordhausen, Regisseurin und Choreografin Iris Limbarth führt das Ensemble mit Kapellmeister Joseph R. Olefirowicz zu einer großartigen Gesamtleistung, die vom Publikum mit frenetisch zum Ausdruck gebrachter Dankbarkeit angenommen wird.
Es ist kompliziert aus dieser geschlossenen, schwungvollen Inszenierung einzelne Aspekte oder Szenen herauszuheben. Georgia M. Reh als Maria Magdalena überzeugt hundertprozentig, darstellerisch stehen die beiden männlichen Hauptdarsteller Rob Pitcher (Jesus) und Marco Fahrland (Judas) ihr in nichts nach, Thomas Kohl brilliert als Pontius Pilatus, Robert Mc Louds Gesang als Hohepriester Kaiphas geht wieder unter die Haut, Jürgen Dietmar Kühn kann als Herodes sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen, und die Herren Matthias Röttig (Annas), Pascal Hufschmied (Petrus) und Luis Lay (Simon Zelotes) tragen ihren Teil zum Gelingen mit souveränen Leistungen bei. Chor und Ballett samt Extraabteilungen präsentieren sich in spielfreudiger Hochform (besonders vom Chor war ich wieder beeindruckt), das Loh-Orchester entledigt sich der rockig/popigen Musik souverän.
Kritische Anmerkungen gehen an die Beleuchtungsabteilung. Da war im aus Wiesbaden ausgeliehenen Bühnenbild deutlich mehr drin, als ein diffuses Halbdunkel, das durch Spots auf die Protagonisten aufgehellt wird.
Das Publikum hat seine Nordhäuser Sänger bei den beiden Premieren langanhaltend und begeistert gefeiert, in der Pause wurden Wetten abgeschlossen, ob diese Inszenierung nun der absoluten Renner der Saison würde. Ich möchte mich da nicht beteiligen, denn es stehen noch Premieren aus und bisher sind alle Neuinszenierungen dieser Spielzeit von den Besuchern überdurchschnittlich gut aufgenommen worden. Das spricht für die neue Qualität am Hause und macht Lust auf mehr.
Olaf Schulze
