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Der „Kampf um die Minute“

Montag, 21. März 2005, 06:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Wenn die Eisenbahn im Südharz schon mal pünktlich in Nordhausen ankommt, dann stehen die Fahrgäste vor einem neuen Problem: Dem Umsteigen. Oftmals reicht die Zeit nicht aus. Beispiele verdeutlicht die Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“.


Die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen (NVS) beklagt in einem Schreiben an die Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz" die Planungs- und Betriebsgrundsätze der Deutschen Bahn AG, da oftmals die Fahrgäste die Verlierer seien. So seien seit einigen Fahrplanperioden Fahrzeitzuschläge, längere Umsteigezeiten und sogar Wegfall von Unterwegshalten zu beobachten. Auch das Eisenbahnmagazin verdeutlicht in seiner aktuellen Ausgabe die Problematik an Beispielen. Demnach wurden in Köln die erforderlichen Umsteigezeiten von sechs auf neun Minuten heraufgesetzt. So werde zwar die Pünktlichkeit erhöht, jedoch seien viele Anschlüsse von vornherein nicht mehr zu erreichen.

Mit ähnlichen Problemen haben die Südharzer auch zu kämpfen. Die Züge von der Südharzstrecke erreichen den Bahnhof in Nordhausen in der Minute 18. Bereits eine Minute später fahren die "Anschlusszüge" in Richtung Kassel unerreichbar ab. Dadurch werden täglich sieben gute Verbindungen verschenkt und die Reiseverbindungen nach Kassel werden bahnseitig unattraktiv, obwohl die Anschlüsse bei der Rückfahrt mit sechs Minuten (noch) gegeben sind. Seit 2004 ist Erfurt von der Südharzstrecke aus auch nur noch alle zwei Stunden zu erreichen, weil die ehemaligen Anschlusszüge in Nordhausen einige Minuten vorher abgefahren sind.

Ebenso ernst sieht die Situation in Göttingen aus. Dort kommen die Regionalzüge aus Kassel/Bad Hersfeld in der Minute 46 an. Die bisherigen Anschlusszüge in den Südharz fahren unerreichbar in der Minute 45 ab. Die Ursachen für diese aus Fahrgastsicht unbefriedigende Situation sind die gravierenden Infrastrukturmängel in Schienennetz. Die NVS bezeichnet die Infrastruktur der Strecken Halle - Nordhausen - Kassel und Nordhausen - Erfurt als besonders kritisch. Der Sprecher der Initiative, Burkhard Breme, nennt als weiteren Grund die Bezahlung der Bahnmanager nach Pünktlichkeit, anstatt nach schnellen und erreichten Anschlüssen. Die Initiative fordert die Ursachen an der Wurzel zu packen, indem endlich die Infrastrukturmängel behoben werden. Nur bei intakter Infrastruktur könnten die Züge schneller fahren und die bisherigen und neue Anschlüsse würden das Bahnsystem insgesamt attraktiver gestalten.
Autor: nnz

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