Ellrich
Lebensmittelretter im Jugendclub
Dienstag, 16. April 2019, 10:57 Uhr
Eine Druckstelle auf dem Apfel? Eine Delle in der Suppendose? Zwei Tage altes Brot? Das kommt weg. Rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden allein in Deutschland jedes Jahr weggeschmissen. Im Ellricher Jugendclub befasste man sich gestern mit anderen Wegen: der "Lebensmittelrettung"...
"18 Millionen Tonnen, das sind etwa 450.000 Lkw-Ladungen. Aneinandergereiht ergibt das eine Kette von 9000 Kilometern Länge", erzählt Jerome Lulaj. Als "Lebensmittelretter" war er gestern zu Gast im Jugendclub Ellrich um zu zeigen, wie es anders gehen kann. "Das fängt bei ganz einfachen Sachen an wie dem Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum", sagt der Foodsharing-Aktivist, "ersteres ist lediglich die Garantie der Hersteller das dass Produkt vom ersten bis zum letzten Tag die gleiche Qualität haben wird. Wird das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten heißt das nicht das dass jetzt Gift ist."
Im Jugendclub will er den drei ehrenamtlichen Mitarbeitern und den jungen Gästen nahe bringen das es reicht auf die eigenen Sinne zu vertrauen, "wir müssen wieder ein Gespür für Lebensmittel entwickeln. Riecht es komisch, zeigen sich bereits Schimmelspuren, oder schmeckt der erste Bissen komisch, dann sollte man vom weiteren Verzehr absehen. Beim Verbrauchsdatum ist das etwas anders, wird das überschritten, etwa bei rohem Fleisch oder Fisch, dann sollte man die Finger davon lassen".
Die gestrige Veranstaltung nur der Auftakt für eine ganze Reihe an Nachmittagen rund um den Weg der Lebensmittel vom Saatgut bis zum Abfalleimer sein. Für den Jugendclub ist das Format eine Premiere, man ist noch "jung", gerade einmal ein Jahr alt. Zwölf Jahre lang gab es in Ellrich keine Anlaufstelle für Jugendliche, erzählt Clubleiter Roy Krause, man habe zu Beginn mit ein paar Vorurteilen kämpfen müssen, mit der Zeit und der andauernden Arbeit des Clubs hätte sich das aber verloren. Im Schnitt sind jeden Tag zehn Kindern und Jugendliche im Club. Etwas Abseits am Zorgeufer gelegen, hat der Nachwuchs hier reichlich Platz für sich, von der Konsole bis zum Billardtisch gibt es ausreichend Beschäftigung. Zudem arbeitet der Club mit dem Ellricher Familienverein zusammen und organisiert gemeinsame Aktionen, etwa rund um Halloween oder Weihnachten.
Praktisch sollte es auch gestern zugehen, Foodsharing-Botschafter Jerome Lulaj hatte mehrere Kisten "gerettete" Lebensmittel mitgebracht. "Ein Teil stammt aus privaten Spenden für die man über unsere Plattform foodsharing.de Abnehmer findet. Außerdem kooperieren wir mit Geschäften wie dem Edeka-Markt Fuchs, dem Bioladen in der Spiegelstraße in Nordhausen oder dem Bäcker in Bielen", erzählt Lulaj.
Rund 39% der weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland entfallen auf den Endverbraucher, 19% auf Großverbraucher im gastronomischen Bereich und 14% auf den Einzel- und Großhandel. Um hier etwas zu ändern könne man in den eigenen vier Wänden anfangen. Zuerst: nicht hungrig einkaufen gehen. Im Einkaufwagen landet dann meist mehr als man selber verbrauchen kann. "Am besten macht man sich am Sonntag einen Plan was man über die Woche essen will und kauft dann entsprechend ein. Außerdem kann man den eigenen Kühlschrank alle paar Wochen ordnen. Was sich länger hält kommt nach hinten, was schneller verbraucht werden muss, weiter nach vorne.
Bleibt doch mal etwas über sollte man Reste eher verwerten als sie wegzuschmeißen. Gestern hieß das: Ofengemüse, Curry, grüner Salat und Obstsalat, zum gemeinsam zubereiten und genießen.
Auch bei den weiteren vier Terminen wird man schlemmen können. Die finden jeweils am dritten Montag des Monats um 16 Uhr im Jugendclub statt. Auf dem Programm stehen dann Saatgut und Biodiversität, Vor- und Nachteile der modernen Landwirtschaft, Tierhaltung und fairer Handel.
Angelo Glashagel
Autor: red"18 Millionen Tonnen, das sind etwa 450.000 Lkw-Ladungen. Aneinandergereiht ergibt das eine Kette von 9000 Kilometern Länge", erzählt Jerome Lulaj. Als "Lebensmittelretter" war er gestern zu Gast im Jugendclub Ellrich um zu zeigen, wie es anders gehen kann. "Das fängt bei ganz einfachen Sachen an wie dem Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum", sagt der Foodsharing-Aktivist, "ersteres ist lediglich die Garantie der Hersteller das dass Produkt vom ersten bis zum letzten Tag die gleiche Qualität haben wird. Wird das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten heißt das nicht das dass jetzt Gift ist."
Im Jugendclub will er den drei ehrenamtlichen Mitarbeitern und den jungen Gästen nahe bringen das es reicht auf die eigenen Sinne zu vertrauen, "wir müssen wieder ein Gespür für Lebensmittel entwickeln. Riecht es komisch, zeigen sich bereits Schimmelspuren, oder schmeckt der erste Bissen komisch, dann sollte man vom weiteren Verzehr absehen. Beim Verbrauchsdatum ist das etwas anders, wird das überschritten, etwa bei rohem Fleisch oder Fisch, dann sollte man die Finger davon lassen".
Die gestrige Veranstaltung nur der Auftakt für eine ganze Reihe an Nachmittagen rund um den Weg der Lebensmittel vom Saatgut bis zum Abfalleimer sein. Für den Jugendclub ist das Format eine Premiere, man ist noch "jung", gerade einmal ein Jahr alt. Zwölf Jahre lang gab es in Ellrich keine Anlaufstelle für Jugendliche, erzählt Clubleiter Roy Krause, man habe zu Beginn mit ein paar Vorurteilen kämpfen müssen, mit der Zeit und der andauernden Arbeit des Clubs hätte sich das aber verloren. Im Schnitt sind jeden Tag zehn Kindern und Jugendliche im Club. Etwas Abseits am Zorgeufer gelegen, hat der Nachwuchs hier reichlich Platz für sich, von der Konsole bis zum Billardtisch gibt es ausreichend Beschäftigung. Zudem arbeitet der Club mit dem Ellricher Familienverein zusammen und organisiert gemeinsame Aktionen, etwa rund um Halloween oder Weihnachten.
Praktisch sollte es auch gestern zugehen, Foodsharing-Botschafter Jerome Lulaj hatte mehrere Kisten "gerettete" Lebensmittel mitgebracht. "Ein Teil stammt aus privaten Spenden für die man über unsere Plattform foodsharing.de Abnehmer findet. Außerdem kooperieren wir mit Geschäften wie dem Edeka-Markt Fuchs, dem Bioladen in der Spiegelstraße in Nordhausen oder dem Bäcker in Bielen", erzählt Lulaj.
Rund 39% der weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland entfallen auf den Endverbraucher, 19% auf Großverbraucher im gastronomischen Bereich und 14% auf den Einzel- und Großhandel. Um hier etwas zu ändern könne man in den eigenen vier Wänden anfangen. Zuerst: nicht hungrig einkaufen gehen. Im Einkaufwagen landet dann meist mehr als man selber verbrauchen kann. "Am besten macht man sich am Sonntag einen Plan was man über die Woche essen will und kauft dann entsprechend ein. Außerdem kann man den eigenen Kühlschrank alle paar Wochen ordnen. Was sich länger hält kommt nach hinten, was schneller verbraucht werden muss, weiter nach vorne.
Bleibt doch mal etwas über sollte man Reste eher verwerten als sie wegzuschmeißen. Gestern hieß das: Ofengemüse, Curry, grüner Salat und Obstsalat, zum gemeinsam zubereiten und genießen.
Auch bei den weiteren vier Terminen wird man schlemmen können. Die finden jeweils am dritten Montag des Monats um 16 Uhr im Jugendclub statt. Auf dem Programm stehen dann Saatgut und Biodiversität, Vor- und Nachteile der modernen Landwirtschaft, Tierhaltung und fairer Handel.
Angelo Glashagel

