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Was aus Käthe Kollwitz' Credo geworden ist
Freitag, 12. April 2019, 07:10 Uhr
Vor 50 Jahren wurde die Käthe-Kollwitz-Schule eröffnet. Bodo Schwarzberg war selbst Schüler dort und erinnert sich an die Vermittlung ihres Leitspruchs von Käthe Kollwitz, "Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden"...
Klaus Wahlbuhl, der zur Feier anlässlich des 50. Jahrestages der "POS KK" die Festrede als "Lehrer der ersten Stunde" hielt, war mein Klassenlehrer, bevor ich, eingeschult 1971, nach der achten Klasse zur EOS Wilhelm von Humboldt wechseln durfte.
Der Leitspruch "Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden" wurde uns damals in einer ganzen Reihe durchaus politisch einseitig getönten Unterrichtsstunden vermittelt. Leider ist Angelo Glashagel in seinem Text überhaupt nicht auf dessen Bedeutung eingegangen. Dabei ist dieser Satz ist aktueller denn je.
In der "POS KK" erfuhren wir Schüler vor allem, dass Saatfrüchte der Ernährung des Menschen dienen, dass der Mensch, der die Nahrungspflanzen sät, auch Nutznießer seiner Saaten sein sollte. Und wir lernten, wie wenig dies in der schon damals zutiefst in Arm und Reich, Kapitalismus und Sozialismus gespaltenen, waffenstarrenden Welt Realität war.
Bis heute hat sich nichts zum Besseren gewendet. Im Gegenteil: Internationale Konzerne haben den Lebensmittelmarkt unter sich aufgeteilt; die eigentlichen Produzenten, oftmals in Entwicklungsländern ansässig, arbeiten für Hungerlöhne. Flüchtlingsprobleme sind eine Folge.
Dadurch dass in den Industrieländern immer mehr Anbaufläche für Bioenergiepflanzen herhalten muss, auch übrigens dank durchgewunkener Biomethananlage im Landkreis, werden die Widersprüche weiter verschärft. Die Grundnahrungspflanze Soja auf Anbauflächen in den Tropen, hat die einst dort stehenden Regenwälder verdrängt, es wird mit enormem ökologischem Verschleiß in die reichen Länder exportiert, damit unsere Rinder und Schweine für die ewig hungrigen und überernährten Europäer so schnell wie möglich wässriges Fleisch ansetzen. - Bei uns fehlen, dank Bioenergieboom, die Anbauflächen für Tierfutter.
Das ist der Umgang mit Käthe Kollwitz' Saatfrüchten im 21. jahrhundert.
Nicht zuletzt ist ihr mahnender Satz übergreifend zu verstehen: Wenn die existenziell notwendigsten Produkte der Wirtschaft Einkommen produzieren, von denen ein gut Teil Steuern in zweifelhafte Aufrüstungsprojekte fließen, dann ist auch das eine Vermahlung von Saatfrüchten.
Auch das hörten wir in den 70er Jahren als Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule.
Und schließlich ist da noch der Umgang mit dem Boden, der oft vernachlässigten Basis also, auf dem die Saatfrüchte wachsen: Im Deutschlandfunk kamen neulich unter dem Titel "Die dünne Haut der Erde" wohlgemerkt konventionelle Bauern sowie Landwirtschaftsexperten zu Wort, die die Folgen des Maximierungszwangs bei den Erträgen für den Humusgehalt der Böden und damit für die Böden selbst und für all unsere Ökosysteme beklagten.
"Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden", das heißt kurz zusammengefasst: Werft die Grundlagen unserer Existenz nicht der Profitgier zum Fraß vor und wacht auf, bevor es zu spät ist. Wir sehen nicht nur an den weltweit sinkenden Ernten infolge des climate change, dass dieser Satz Leitmotiv jeglichen politischen Handelns seins sollte.
Leider fehlten in Herrn Glashagels Beitrag solche Gedanken. Dass sie zum 50. Jahrestag der "POS KK" ausgesprochen worden sein könnten, kam in seinem Beitrag ebenso nicht zur Sprache.
Dabei müssten sie gerade den jünsten Kollwitzianern vermittelt werden.
Bodo Schwarzberg
Klaus Wahlbuhl, der zur Feier anlässlich des 50. Jahrestages der "POS KK" die Festrede als "Lehrer der ersten Stunde" hielt, war mein Klassenlehrer, bevor ich, eingeschult 1971, nach der achten Klasse zur EOS Wilhelm von Humboldt wechseln durfte.
Der Leitspruch "Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden" wurde uns damals in einer ganzen Reihe durchaus politisch einseitig getönten Unterrichtsstunden vermittelt. Leider ist Angelo Glashagel in seinem Text überhaupt nicht auf dessen Bedeutung eingegangen. Dabei ist dieser Satz ist aktueller denn je.
In der "POS KK" erfuhren wir Schüler vor allem, dass Saatfrüchte der Ernährung des Menschen dienen, dass der Mensch, der die Nahrungspflanzen sät, auch Nutznießer seiner Saaten sein sollte. Und wir lernten, wie wenig dies in der schon damals zutiefst in Arm und Reich, Kapitalismus und Sozialismus gespaltenen, waffenstarrenden Welt Realität war.
Bis heute hat sich nichts zum Besseren gewendet. Im Gegenteil: Internationale Konzerne haben den Lebensmittelmarkt unter sich aufgeteilt; die eigentlichen Produzenten, oftmals in Entwicklungsländern ansässig, arbeiten für Hungerlöhne. Flüchtlingsprobleme sind eine Folge.
Dadurch dass in den Industrieländern immer mehr Anbaufläche für Bioenergiepflanzen herhalten muss, auch übrigens dank durchgewunkener Biomethananlage im Landkreis, werden die Widersprüche weiter verschärft. Die Grundnahrungspflanze Soja auf Anbauflächen in den Tropen, hat die einst dort stehenden Regenwälder verdrängt, es wird mit enormem ökologischem Verschleiß in die reichen Länder exportiert, damit unsere Rinder und Schweine für die ewig hungrigen und überernährten Europäer so schnell wie möglich wässriges Fleisch ansetzen. - Bei uns fehlen, dank Bioenergieboom, die Anbauflächen für Tierfutter.
Das ist der Umgang mit Käthe Kollwitz' Saatfrüchten im 21. jahrhundert.
Nicht zuletzt ist ihr mahnender Satz übergreifend zu verstehen: Wenn die existenziell notwendigsten Produkte der Wirtschaft Einkommen produzieren, von denen ein gut Teil Steuern in zweifelhafte Aufrüstungsprojekte fließen, dann ist auch das eine Vermahlung von Saatfrüchten.
Auch das hörten wir in den 70er Jahren als Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule.
Und schließlich ist da noch der Umgang mit dem Boden, der oft vernachlässigten Basis also, auf dem die Saatfrüchte wachsen: Im Deutschlandfunk kamen neulich unter dem Titel "Die dünne Haut der Erde" wohlgemerkt konventionelle Bauern sowie Landwirtschaftsexperten zu Wort, die die Folgen des Maximierungszwangs bei den Erträgen für den Humusgehalt der Böden und damit für die Böden selbst und für all unsere Ökosysteme beklagten.
"Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden", das heißt kurz zusammengefasst: Werft die Grundlagen unserer Existenz nicht der Profitgier zum Fraß vor und wacht auf, bevor es zu spät ist. Wir sehen nicht nur an den weltweit sinkenden Ernten infolge des climate change, dass dieser Satz Leitmotiv jeglichen politischen Handelns seins sollte.
Leider fehlten in Herrn Glashagels Beitrag solche Gedanken. Dass sie zum 50. Jahrestag der "POS KK" ausgesprochen worden sein könnten, kam in seinem Beitrag ebenso nicht zur Sprache.
Dabei müssten sie gerade den jünsten Kollwitzianern vermittelt werden.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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