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KEINE MAULKÖRBE VERTEILEN

Es gehört alles auf den Tisch

Dienstag, 09. April 2019, 12:48 Uhr
Aufgrund der häufig ergebnislos ausufernden Diskussionen zu den großen Problemen unserer Zeit und den großen kommunalen Problemen haben sich einige Kommentatoren – und nicht nur in der nnz-online - in Fatalismus geflüchtet. Dazu die Anmerkungen eines nnz-Lesers...


Es gibt zu viele Probleme, die mangels verständlicher Antworten einfach „nieder gebrüllt“ oder in eine dem jeweiligen „Gegner“ passende Schublade gesteckt werden. Das alles ist nicht zielführend.

Es muss doch möglich sein, Tatsachen ohne Beleidigungen gegeneinander abzuwägen. Es muss doch möglich sein, die Meinung von Frau/Herrn X aus Y zur Kenntnis zu nehmen, ohne ihm von Anfang an Dummheit oder Schlimmeres vorzuwerfen. Und – hier sind alle Medien aufgerufen, die (halb-?) automatische Zuordnung zukünftig zu unterlassen – es ist doch vollkommen belanglos, ob derjenige, der da seine Meinung gesagt oder geschrieben hat, der ABZ-Partei, dem Kaninchenzüchterverein oder welcher auch immer Organisation angehört. Das gilt natürlich nicht, wenn der Betreffende als Sprecher für seine Partei, seinen Verein gewirkt hat. Kein einziges Argument wird durch die Parteizugehörigkeit eines Argumentierenden besser oder schlechter.

Das gegeneinander Abwägen der verschiedenen Argumente muss frei von Fanatismus, Ideologie, Religionen und Demagogie sein, sonst wird nie ein zukunftsfähiges Resultat erzielt.

Erwachsene, die Kinder aufrufen, gegen Gesetze zu verstoßen, um damit etwas ihrer Meinung nach Gutes durchzusetzen, sind eine große Gefahr für die Erziehung einer ganzen Generation.

Es ist nicht sinnvoll, Parteien zu diskreditieren, nur weil ein oder mehrere Mitglieder Blödsinn verbreitet haben. Besonders Kommunalpolitik ist kein Wettkampf um eine Politikermeisterschaft und wenn sie so ausartet, haben alle schon verloren.

Hier ein paar Themenbeispiele, wo Diskussionen sich immer wieder festfahren:
Ein generelles Tempolimit ist nicht sinnvoll, solange man sich seine persönliche Geschwindigkeit kaufen kann. Es lohnt sich, über feste Geschwindigkeitsbeschränkungen gründlich nachzudenken. 30 km/h vor einem Kindergarten können 25 km/h zu schnell sein, sind zu bestimmten Zeiten aber sinnlos. Unser Verkehrsrecht braucht keine Bußgelder, keinen modernen Ablasshandel. Verstöße gegen das Verkehrsrecht müssen „auf dem Platz“ geahndet werden. Mit kurzfristigen, unaufschiebbaren Fahrverboten. Bei Verstößen gegen Fahrverbote folgt ohne Betrachten der Person ein befristeter Führerscheinentzug, schließlich ein lebenslanger. Die Begriffe „Verkehrssünder“ und „Bußgeld“ gehören auf den sprachlichen Sondermüll.

Solange sich Fachärzte über die Sinnhaftigkeit von Grenzwerten streiten, kann kein normaler Bürger Fahrverbote verstehen. Das Gleiche trifft zu für die Luftverschmutzungen durch den überdimensionalen Flugverkehr (inklusive tonnenweisem Ablassen von Treibstoff), durch Kreuzfahrtschiffe, Autorennen, Feuerwerke..... Auch die immer noch vorhandenen RaucherInnen dürfen nicht vergessen werden.

Unsere Vorfahren, die einst den Wolf in Deutschland ausrotteten, waren keine Deppen. Wer ihn heute wieder herholt, hat unter anderem vergessen, wie sehr sich Deutschland inzwischen verändert hat. Die Tiere haben kein Rückzugsgebiet mehr, Es wird weiter Hybriden geben und wie die Beispiele zeigen, hat man keine Maßnahmen dagegen. Wer den Wolf liebt, kann den Hund nicht dauerhaft an die Kette legen. Es fehlt dem Wolf an Beutetieren, Schäfer haben immense Ausgaben und verlieren trotzdem weiter Tiere. Zum Glück für die Wolfsfreunde schreien Schafe nicht, wenn sie bei lebendigem Leib aufgefressen werden. Tierliebe sieht anders aus. Es darf durchaus nachgedacht werden, wie man nach einem heutigen Rotkäppchen-Fall diesem Mädchen und seiner Oma die Schuld in die Schuhe schieben wird. Satire an! Vorschlag: Warum hat das Mädchen nicht an einem Freitag Vormittag die Schule geschwänzt und vor dem Bundestag gegen den Wolf demonstriert? Wo sie doch gar nicht schwänzen musste, denn die Schule ist wegen vollständiger Erkrankung der Lehrer sowieso ausgefallen. Satire aus!

Nach mehr als zwei Jahren erfährt man zu den Weihnachtsereignissen auf dem Berliner Breitscheidtplatz: Es gibt weiter Unklarheiten, Gerüchte, Vermutungen. Was wurde denn auf den Höhepunkten der Flüchtlingskrise noch alles verschwiegen und gelogen? Welche Teile welcher Aussage würden die Bürger nur verunsichern?

Glück lässt sich nicht gerecht verteilen. Wer Arbeitsleistungen gerecht entlohnt, muss auch nichts umverteilen. Respekt-Rente ja, aber ohne Bedürftigkeitsprüfung? Glück muss man gönnen können und wenn es so groß ist, dass man im Alter bequem davon leben kann – um so besser. Wem dieses Glück nicht gegeben wurde, braucht leider noch eine Respekt-Rente, die für ein menschenwürdiges Altern reicht. Was ist falsch an einer Bedürftigkeitsprüfung?

Wie viele Menschen liebt auch der Verfasser Satire und Kabarett. Im diesjährigen Karneval kamen wir voll auf unsere Kosten. Wenn Splittergruppen – in zwei konkreten Fällen Frauen mit Doppelnamen und Unisex-Toilettenbenutzer – jetzt anfangen wollen, den Humor zu zensieren, muss man den Anfängen wehren. Was eine Welt ohne Witz ist, lesen Sie bitte selbst nach bei Karasek.

Nun ein paar Themenbeispiele aus der Region:

Die Kreis- und Gemeindeverwaltungen arbeiten nicht oder nur ungenügend zusammen. Statt gemeinsam gelöster Probleme lesen und hören die Bürger nur von gegenseitigen, teilweise nominierten, Schuldzuweisungen anstatt von Erfolgen durch gelungene Zusammenarbeit. Kommunalpolitik ist an Personen gebunden. Welcher Partei die angehören, ist nebensächlich.

Seit Jahren gammelt der AKS so vor sich hin. Provisorien haben andere Einschränkungen mit sich gebracht, zum Beispiel für TV-Übertragungen. Eine größere Renovierung ist dringend nötig. Seit über 20 Jahren braucht Nordhausen ein neues Stadion. Eine sinnvolle Erweiterung der Straßenbahn ist wünschenswert. Was haben diese Schwerpunkte gemeinsam? Nichts. Außer das sie gern in Diskussionen miteinander vermischt oder gar gegeneinander ausgespielt werden.

Dazu kommt dann noch das lange vernachlässigte Theater. Es jetzt mit vielen Millionen zu erweitern ist mutig. An Übermut grenzt, wenn man nicht von Anfang an eine Partnerschaft mit dem Fernsehen anstrebt, zum Beispiel Videotechnik vor das Kulissen schieben stellt. Wer traut sich zu, zu sagen, dass auch noch unsere Enkel und Urenkel für ausreichende und trotzdem nicht kostendeckende Besucherzahlen sorgen?

Alle Hobbys kosten Geld. Mit welchem Recht verlangen einige Personengruppen, dass ihr Hobby von allen Steuerzahlern über Jahrzehnte mitfinanziert wird?

Das Themenfeld darf gerne erweitert werden. Die Betrachtungsweise muss frei von Fanatismus, Ideologie, Religionen und Demagogie bleiben. Wer da glaubt, „Ich weiß alles“, sollte sich in den entsprechenden TV-Sendungen das Gegenteil beweisen lassen. Da haben dann wenigstens die Zuschauer ihren Spaß.
Jürgen Wiethoff
Autor: red

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