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Der Opfer gedenken

Dienstag, 15. März 2005, 13:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit zahlreichen Veranstaltungen gedenkt die Stadt Nordhausen am 3. und 4. April dem 60. Jahrestag der Zerstörung durch englische Bomber. Im Frühling 1945 waren bei der Bombardierung an beiden Tagen 8800 Menschen umgekommen. Die Stadt wurde damals zu 70 Prozent zerstört – das Zentrum fiel komplett in Schutt und Asche. Die nnz hat sich das Programm der beiden Tage angesehen...


„Wir müssen auch - und gerade - 60 Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis die Erinnerung an das für unsere Stadt so Schicksalhafte und Schreckliche lebendig halten. Deshalb werden wir diesen Jahrestag umfangreicher begehen – obwohl das jährliche Gedenken einen festen Stellenwert in unserer Stadt hat“, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke. Die Gedenkveranstaltungen beginnen am 3. April um 16 Uhr mit dem Läuten der Glocken in der gesamten Stadt. Genau zu dieser Zeit kam es vor 60 Jahren zur 1. Bombardierung der Stadt. Um 16.30 Uhr gibt es in der Blasii-Kirche einen Gedenkgottesdienst. Anschließend, um 17.15 Uhr, findet die Kranzniederlegung an der Gedenkstele vor dem Rathaus statt. „Dazu werden wir Zeitzeugen – darunter ehemalige Trümmerfrauen – bitten, von ihren Erlebnissen zu berichten“, so die Oberbürgermeisterin.

Der 4. April beginnt um 9 Uhr mit einer Schweigeminute in der gesamten Stadt. „Zu diesem Zeitpunkt traf vor 60 Jahren die zweite große Bombenwelle“, so Frau Rinke. Die Straßenbahnen und Busse würden ihre Fahrt in der Stadt unterbrechen „und wir bitten auch alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser zum Gedenken an die Opfer zu diesem Zeitpunkt kurz inne zu halten.“ Im Beisein von katholischen und evangelischen Geistlichen werden um 9. 30 Uhr am Ehrenhain für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Hauptfriedhof die Gebeine beigesetzt, die in den vergangenen Jahren bei den Umgestaltungsarbeiten am Petersberg geborgen wurden. Bei der Bombardierung der Stadt hatten in der Petri-Kirche auf dem Petersberg mehr als 100 Menschen Schutz gesucht, bis auch diese Kirche von einer Bombe getroffen wurde und viele Nordhäuserinnen und Nordhäuser ihr Leben lassen mussten.

Eine Gedenkstelle für diese Opfer wird dann um 13 Uhr auf dem Petersberg eröffnet, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Petri-Turm – einem Relikt der 1945 zerstörten Petri-Kirche. Diese Anlage ist mit einer Skulptur gestaltet, die Teil eines früheren Grabmales einer Nordhäuser Familie war. Zuvor, um 11 Uhr, präsentieren Nordhäuser Gymnasiasten im Atrium der Petersbergschule ihre Arbeiten, die sich mit dem Thema „Nordhausen am 3. und April 1945 und 2005“ auseinander gesetzt haben. „Nordhausen 1945 – 2004“ ist der Titel einer Foto-Ausstellung, die anschließend um 17 Uhr im Altstadt-Museum „Flohburg“ öffnet. Mit Bildern des Nordhäusers Günter Stanislowski und des Nordhäuser Stadtarchives sollen nicht nur die Kontraste im Stadtbild, sondern auch Linien der Stadtentwicklung dokumentiert werden.

„Wir laden alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser herzlich ein, diese Veranstaltungen zu besuchen“, sagte Frau Rinke. „Im Mittelpunkt beider Tage soll und muss die Erinnerung an die vielen Opfer stehen - an die Opfer einer Bombardierung, deren Sinnlosigkeit immer deutlicher zu Tage tritt, weil sie keinerlei Nutzen hatte und nur unermessliches Leid unter der Zivilbevölkerung anrichtete. Es war einfach nicht angemessen, noch wenige Tage vor dem absehbaren Kriegsende Kirchen, Wohnhäuser und ganze Städte in Schutt und Asche zu legen“, so die Oberbürgermeisterin. „Zugleich darf man allerdings nicht vergessen, dass die Bombardierungen auch Reaktion waren auf die Aggression Hitler-Deutschlands, die Europa überzogen haben - und die ganze Völker auslöschen sollte.“
Autor: nnz

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