Angekommen
Goethes Faust-Zitat und der Tradi-Chef
Freitag, 29. März 2019, 09:00 Uhr
Jahrzehntelang war Jochen Einenkel das Gesicht der Traditionsbrennerei. Er hinterließ markante Fußabdrücke. Sie auszufüllen, würde für den Nachfolger ein schwieriges Unterfangen. Das wusste Thomas Müller nur zu gut, als er im Juli des Vorjahres das Kommando übernahm...
Angekommen: Thomas Müller (Foto: Kurt Frank)
Thomas Müller leitet die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei mit Leidenschaft. Sie ist jetzt auch sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
Nordhausen. Der 41-Jährige war aber guter Dinge und von sich überzeugt, über Voraussetzungen zu verfügen, die ihn befähigen würden, der Aufgabe gewappnet zu sein. Unbekannt war er nicht. Die Kommunikation mit Leuten lag ihm. Organisationstalent brachte er mit. Heimatgeschichte, sein Hobby, ist ihm nicht fremd. Mit der von Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei war er bestens vertraut. Zudem war da jemand, der dem jungen Mann wohl gesonnen war: Nordbrandchef Robert Becke.
Theateraufführungen, Ausstellungen, Märkte und Genussführungen gab es schon zu Einenkels Zeiten. Man wolle aber nicht nur Museum sein, vielmehr als Heim von Echter Nordhäuser sowohl Geschichte vermitteln als auch Erlebnisbereiche für bundesweit anreisende Besucher schaffen, erklärt Müller im nnz-Gespräch. Neue Ideen waren da gefragt. Eine ist Heiß auf Korn, eine abendliche Genussführung mit Heißgetränken. Es folgte die Taschenlampenführung. Der Lichtstrahl rückt bestimmte Exponate in den Fokus. Hinzu kam die Führung durch die Nordhäuser Unterwelt mit Michael Garke. Am Jahresende 2018 verbuchte Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei ein Plus von 2000 Besuchern.
Er sei mit sich und der Welt zufrieden, sagt der Diplomjournalist und Magister Geschichte. War er das nicht auch schon auf der anderen Kommandobrücke? Ich erinnere mich: Vor Jahren war er mit dem Vorsatz angetreten, frischen Wind in die Redaktion einer Tageszeitung bringen zu wollen. Er konnte sich freuen: Aus dem Eichsfeld jetzt zur Arbeit vor der Haustür. Ein gut bezahlter Job. Ein Team, dem er vertrauen konnte. Kein machtbewusster Kreissekretär oder bornierter Agit-Prop-Sekretär mehr wie in alten Zeiten, die, klugscheißerisch, ihren Senf einbrachten. Rundum alles tipptopp.
Als ich später dann im Internet einer Mediengruppe las, für Nordhausen werde ein neuer Leiter gesucht, traute ich meinen Augen nicht. Thomas Müller, der als Vollblüter in der Branche galt, schmeißt hin? Das konnte nicht wahr sein! Waren es Ärger, Stress, Regionalleitung? Oder sollte es der besorgte Blick in die Quartalsstatistik der Abonnentenauflage gewesen sein, der ihn die Seiten hat wechseln lassen? Trotz enormer Investitionen in die Werbung wird sie nicht besser? Zwar wurde umgehend dementiert, die Mediengruppe Thüringen wolle gedruckte Zeitungen einstellen, Zweifel und die Gewissheit bleiben: Digitalen Produkten gehört die Zukunft. Und damit auch anderen Strukturen in der Branche.
Er wollte sich, schlicht und einfach, in einem neuen Aufgabenbereich bewähren. Wie um von dem Thema, das ihm nicht so recht behagt, abzulenken, kommt Thomas Müller lieber auf weitere Vorhaben zu sprechen. Der Fassrollen-Wettbewerb am 6. April zur Nacht der Museen soll ein Gaudi werden. Ausgerollt werde ein roter Teppich, den das Theater bereitstellt. Zwölf Meter lang. Wem es gelingt, ein Fass in einer bestimmten Zeit die Meter abzurollen ohne von Rot abzuweichen, darf sich auf eine Überraschung freuen. Kinder können kleinere Fässer bedienen.
Der 14. April könne auch schon mal vorgemerkt werden: Echter Nordhäuser Ostermarkt - ein Highlight von 10 bis 18 Uhr, das sich bislang auch nicht im Veranstaltungskalender fand. Kein Händler, mit dem er sprach, habe abgesagt, freut sich Müller. Einem Kundenwunsch entsprechend, wird an dem Tag ein besonderer, ein eigener, Eierlikör kredenzt. Außerdem wird es einen mobilen Backofen geben. Wer von den Stadtkindern Hühner, Hahn oder Küken nur vom Hörensagen kennt, vor Ort sind sie leibhaftig.
Thomas Müller rührt die Trommel. Wie einst die Indianer, um auf sich aufmerksam zu machen und um Botschaften zu verkünden. Netzwerke und Kontakte mit Tourismusverbänden sollen die Erfolgsspur sichern und erweitern. Der Tradi-Leiter wird Reisemessen in Leipzig, Dresden, Köln, Erfurt und über die Stadt die in Bremen besuchen. Die Überraschung, die er auf der Grünen Woche im Januar in Berlin erlebte, sollte nicht die letzte bleiben, wünscht er sich. Ein Kornfanclub stellte sich ein, pries das Nordhäuser Erzeugnis, von dem er übererzeugt war: Lieber Korn im Blut als Stroh im Kopf.
Gegenwärtig verfolgt der junge Leiter aufmerksam die Arbeiten im ehemaligen Mühlenraum und im so genannten Leuteraum als Tastingroom. Verständlich ausgedrückt soll sich alles um das Thema Genuss drehen: Entdecken, Erleben, Zeit mit Freunden verbringen.
Der Vater zweier Töchter ist sichtlich bemüht, die besondere Stellung der Traditionsbrennerei im System der Museen der Stadt nachhaltig zu verdeutlichen. Thomas Müller ist in Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei angekommen. Managt sie mit Herz und Leidenschaft. Hier fühlt er sich wohl, blüht geradezu auf. Zwar habe er die ersten Monate in seiner neuen Tätigkeit fünf Kilo abgenommen, weil er sich mehr zu bewegen und Treppen zu steigen hatte. Er habe aber wieder zugelegt, den Verlust ausgeglichen. Man darf die Pfunde als sichtbaren Wohlfühl-Beleg werten. In Ahnlehnung an Faust 1 von Johann Wolfgang von Goethe kann Thomas Müller heute von sich sagen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein!
Kurt Frank
Autor: red
Angekommen: Thomas Müller (Foto: Kurt Frank)
Thomas Müller leitet die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei mit Leidenschaft. Sie ist jetzt auch sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.Nordhausen. Der 41-Jährige war aber guter Dinge und von sich überzeugt, über Voraussetzungen zu verfügen, die ihn befähigen würden, der Aufgabe gewappnet zu sein. Unbekannt war er nicht. Die Kommunikation mit Leuten lag ihm. Organisationstalent brachte er mit. Heimatgeschichte, sein Hobby, ist ihm nicht fremd. Mit der von Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei war er bestens vertraut. Zudem war da jemand, der dem jungen Mann wohl gesonnen war: Nordbrandchef Robert Becke.
Theateraufführungen, Ausstellungen, Märkte und Genussführungen gab es schon zu Einenkels Zeiten. Man wolle aber nicht nur Museum sein, vielmehr als Heim von Echter Nordhäuser sowohl Geschichte vermitteln als auch Erlebnisbereiche für bundesweit anreisende Besucher schaffen, erklärt Müller im nnz-Gespräch. Neue Ideen waren da gefragt. Eine ist Heiß auf Korn, eine abendliche Genussführung mit Heißgetränken. Es folgte die Taschenlampenführung. Der Lichtstrahl rückt bestimmte Exponate in den Fokus. Hinzu kam die Führung durch die Nordhäuser Unterwelt mit Michael Garke. Am Jahresende 2018 verbuchte Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei ein Plus von 2000 Besuchern.
Er sei mit sich und der Welt zufrieden, sagt der Diplomjournalist und Magister Geschichte. War er das nicht auch schon auf der anderen Kommandobrücke? Ich erinnere mich: Vor Jahren war er mit dem Vorsatz angetreten, frischen Wind in die Redaktion einer Tageszeitung bringen zu wollen. Er konnte sich freuen: Aus dem Eichsfeld jetzt zur Arbeit vor der Haustür. Ein gut bezahlter Job. Ein Team, dem er vertrauen konnte. Kein machtbewusster Kreissekretär oder bornierter Agit-Prop-Sekretär mehr wie in alten Zeiten, die, klugscheißerisch, ihren Senf einbrachten. Rundum alles tipptopp.
Als ich später dann im Internet einer Mediengruppe las, für Nordhausen werde ein neuer Leiter gesucht, traute ich meinen Augen nicht. Thomas Müller, der als Vollblüter in der Branche galt, schmeißt hin? Das konnte nicht wahr sein! Waren es Ärger, Stress, Regionalleitung? Oder sollte es der besorgte Blick in die Quartalsstatistik der Abonnentenauflage gewesen sein, der ihn die Seiten hat wechseln lassen? Trotz enormer Investitionen in die Werbung wird sie nicht besser? Zwar wurde umgehend dementiert, die Mediengruppe Thüringen wolle gedruckte Zeitungen einstellen, Zweifel und die Gewissheit bleiben: Digitalen Produkten gehört die Zukunft. Und damit auch anderen Strukturen in der Branche.
Er wollte sich, schlicht und einfach, in einem neuen Aufgabenbereich bewähren. Wie um von dem Thema, das ihm nicht so recht behagt, abzulenken, kommt Thomas Müller lieber auf weitere Vorhaben zu sprechen. Der Fassrollen-Wettbewerb am 6. April zur Nacht der Museen soll ein Gaudi werden. Ausgerollt werde ein roter Teppich, den das Theater bereitstellt. Zwölf Meter lang. Wem es gelingt, ein Fass in einer bestimmten Zeit die Meter abzurollen ohne von Rot abzuweichen, darf sich auf eine Überraschung freuen. Kinder können kleinere Fässer bedienen.
Der 14. April könne auch schon mal vorgemerkt werden: Echter Nordhäuser Ostermarkt - ein Highlight von 10 bis 18 Uhr, das sich bislang auch nicht im Veranstaltungskalender fand. Kein Händler, mit dem er sprach, habe abgesagt, freut sich Müller. Einem Kundenwunsch entsprechend, wird an dem Tag ein besonderer, ein eigener, Eierlikör kredenzt. Außerdem wird es einen mobilen Backofen geben. Wer von den Stadtkindern Hühner, Hahn oder Küken nur vom Hörensagen kennt, vor Ort sind sie leibhaftig.
Thomas Müller rührt die Trommel. Wie einst die Indianer, um auf sich aufmerksam zu machen und um Botschaften zu verkünden. Netzwerke und Kontakte mit Tourismusverbänden sollen die Erfolgsspur sichern und erweitern. Der Tradi-Leiter wird Reisemessen in Leipzig, Dresden, Köln, Erfurt und über die Stadt die in Bremen besuchen. Die Überraschung, die er auf der Grünen Woche im Januar in Berlin erlebte, sollte nicht die letzte bleiben, wünscht er sich. Ein Kornfanclub stellte sich ein, pries das Nordhäuser Erzeugnis, von dem er übererzeugt war: Lieber Korn im Blut als Stroh im Kopf.
Gegenwärtig verfolgt der junge Leiter aufmerksam die Arbeiten im ehemaligen Mühlenraum und im so genannten Leuteraum als Tastingroom. Verständlich ausgedrückt soll sich alles um das Thema Genuss drehen: Entdecken, Erleben, Zeit mit Freunden verbringen.
Der Vater zweier Töchter ist sichtlich bemüht, die besondere Stellung der Traditionsbrennerei im System der Museen der Stadt nachhaltig zu verdeutlichen. Thomas Müller ist in Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei angekommen. Managt sie mit Herz und Leidenschaft. Hier fühlt er sich wohl, blüht geradezu auf. Zwar habe er die ersten Monate in seiner neuen Tätigkeit fünf Kilo abgenommen, weil er sich mehr zu bewegen und Treppen zu steigen hatte. Er habe aber wieder zugelegt, den Verlust ausgeglichen. Man darf die Pfunde als sichtbaren Wohlfühl-Beleg werten. In Ahnlehnung an Faust 1 von Johann Wolfgang von Goethe kann Thomas Müller heute von sich sagen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein!
Kurt Frank
