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Kompass am Ende angekommen

Montag, 14. März 2005, 08:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Kennen Sie die Irrwege im deutschen Behördendschungel? Wenn ja, dann wird Ihnen klar sein, dass es ausländischen Mitbürger weitaus schwerer haben. Deshalb war in den zurückliegenden Monaten ein „Kompass“ erarbeitet worden.


Heute wird das Projekt „KOMPASS“ nach einem Jahr mit einer Abschlussveranstaltung in der Freiherr-vom-Stein-Straße 60 (Lift-Verein) beendet. Die sechs russischen Aussiedlerjugendlichen der Projektgruppe übergeben eine deutsch/russische Integrationshilfe als zweisprachige Broschüre „Wie finde ich mich im Behördendschungel zurecht?“ Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Jugend des Landratsamtes und orientiert sich an dem bereits vorhandenen „Wegweiser Jugendamt“.

In enger Kooperation zwischen der Nordhäuser Beratungsstelle der Jugendberufshilfe Thüringen e. V. und dem Fachbereich Jugend wurde das Projekt „KOMPASS“ von der Idee bis zur Realisierung geführt und startete genau vor einem Jahr unter dem Dach des Vereins Lift gGmbH in Nordhausen. Mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds ist es möglich, in Thüringen kleine Projekte zur Verbesserung der Situation benachteiligter Menschen und Initiativen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts zu entwickeln und zu realisieren, die durchaus zu dauerhaften Initiativen führen können. Das Ziel ist es, Gruppen selbst zu aktivieren.

Es ging um die Förderung und Erleichterung der schulischen, beruflichen und sozialen Integration junger zugewanderter Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren, um die Hilfestellung bei der Entwicklung notwendiger Kompetenzen in Deutschland, also um Sprachförderung, Hilfe beim Umgang mit Ämtern und Behörden, Hilfe bei der Suche eines Ausbildungsplatzes oder Arbeitsplatzes, Befähigung im Umgang mit dem Computer u.a.m. Immer wieder erkennt man, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist.

Mangelnde Deutschkenntnisse und die fehlende Anregung im täglichen Leben, bzw. die fehlende Notwendigkeit, im Wohnumfeld die deutsche Sprache konsequent anzuwenden, führen nicht selten zur Ausgrenzung aus dem Schulalltag, zu unzureichenden schulischen Ergebnissen oder vorzeitigen Schulabbrüchen, teilweise zur völligen Isolation. In Gesprächen mit den jugendlichen Aussiedlern wurde deutlich, sie wollen in erster Linie praktische Hilfestellungen erleben und gleichzeitig ihre eigenen Erfahrungen und ihr Können weitergeben. Sie wollen die Chance nutzen, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, sich mit den Traditionen in Deutschland vertraut zu machen und Kontakte mit Einheimischen aufbauen.

Umgesetzt wurde das Konzept durch zwei engagierte Projektmitarbeiterinnen. Frau Mordowina, Staatsbürgerin der russischen Förderation, hatte schon vor dem Projekt enge Kontakte zu einer Gruppe von jugendlichen Aussiedlern und kennt bestens deren Problemlagen und Hilfebedarf. Frau Tiepelmann brachte insbesondere ihr fachliches Know how bei der Vermittlung von PC-Kenntnissen in das Projekt ein.
Autor: nnz

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