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LANDTAGSWAHL 2019

Die Lobbyisten für Nordhausen

Sonntag, 17. März 2019, 09:43 Uhr
Es ist Wahljahr. Die Parteien bringen ihre Kandidaten in Stellung. Die für den Landtag dürften von besonderem Interesse sein. Bislang bekannt geworden sind drei Personen: Steffen Iffland für die CDU, Katja Mitteldorf will wieder für die Linke antreten, Nancy Kämmerer für die SPD. Kurt FRrank mit einer Betrachtung..


Der Name Iffland hat Gewicht. Er steht für den CDU-Fraktionschef im Stadtrat, das Kreistagsmitglied, den Ahnenforscher, Verleger und Autor. Und für eine 15-jährige Mitgliedschaft in seiner Partei.

Dementsprechend selbstbewusst blickt Steffen Iffland, mit 68,4 Prozent zum Direktkandidaten gewählt, der Wahl entgegen. Die Christdemokratie habe Nordhausen gut getan, unterstrich der 46-Jährige im nnz-Interview und nannte mehrere Protagonisten. Er wolle im Landtag Lobbyist für Nordhausen sein. Zum Wohle der Stadt.

Haben nur die Christdemokraten der Rolandstadt gut getan? Sind nur sie der Heilsbringer? Die Sozialdemokratie außen vor? In Wahlkampfauftritten vor Publikum womöglich danach gefragt, müsste die Kandidatin der Sozialdemokraten dagegen halten, Rede und Antwort stehen. Sie hätte im Sinne ihrer Partei die Pflicht, überzeugend hervorzuheben, was der Stadt unter der langjährigen SPD-Oberbürgermeisterin Barbara Rinke zugute kam, dem Kreis unter einem SPD-Landrat gut tut. Ist sie dafür auch gerüstet?

Die Kandidatin heißt Nancy Kämmerer, ist 36 Jahre alt. Junges Blut für eine Partei ist erst einmal ein Plus. Es will die Nordhäuser Region in Erfurt hör- und sichtbar machen. Zum Wohle der Stadt und des Kreises. Wie Iffland. Was spricht für die junge Frau? Kämmerer gehört der Sozialdemokratie seit eineinhalb Jahren an. Ein politisches Leichtgewicht, könnte man meinen. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, steht die Partei zuversichtlich und geschlossen hinter ihrer Kandidatin.

„Die Reihen fest geschlossen“, heißt es kämpferisch in einem Lied, das auch die SPD gelegentlich für sich in Anspruch nimmt. Der Wahlvorgang vermittelte diesen Eindruck nicht. Von den anwesenden Stimmberechtigten war nur knapp die Hälfte für Kämmerer. Viele Sozialdemokraten, die von dem Prozedere hörten oder darüber im Nachhinein lasen, sollen Magenbeschwerden bekommen haben, war zu hören. Ohne Timing, ohne klare Linie. Eine überaus schwache Kür sei es gewesen. Wenn das der Vorstand als gelebte Demokratie auslegen sollte, würde es wohl den üblen Nachgeschmack eher vertiefen. Nancy Kämmerer bewies dennoch Mut, gab nicht klein bei. Sie will kämpfen, auch die überzeugen, die sie nicht wählten. Es wäre für die SPD an der Zeit, die Reihen fest zu schließen.

Wunder soll es bekanntlich hin und wieder geben. Das beste Beispiel gibt Katja Mitteldorf ab, die für die Linke erneut für den Landtag (wir berichteten) kandidieren wird. Sie sitzt seit fast fünf Jahren im Landtag. Völlig überraschend sei das für sie seinerzeit gekommen. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass sie die favorisierte CDU-Kandidatin Inge Klaan aus dem Rennen werfen würde. Mitteldorf hatte schon vordem im Parlament gearbeitet, war demnach nicht wie die unbefleckte Maria angetreten. Die Linke, sagt sie, wolle keine Schulen schließen, wie das immer wieder die CDU behaupte. Das kulturelle Leben wolle sie weiter beflügeln helfen. Froh sei sie, dass die Kultur jetzt nicht mehr der Sparstrumpf des Landes wäre.

Ob Steffen Iffland, Nancy Kämmerer oder Katja Mitteldorf, werden wollen es alle: In Erfurt Lobbyisten für Nordhausen. Zum Wohle der Stadt und der Region. Bei so vielen guten Vorsätzen und Engagement könnte der Bürger hierzulande doch guter Dinge sein.
Kurt Frank
Autor: red

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