Stiftung Warentest
Kundenbewertungen vs. Testurteile
Samstag, 02. März 2019, 16:41 Uhr
Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund haben Bewertungen für 1 322 Elektronikprodukte wie Smartphones, Kopfhörer und Toaster verglichen, die von der Stiftung Warentest in den Jahren 2014 bis 2017 geprüft wurden und bei Amazon Rezensionen erhielten. Fazit: Tester und Kunden kommen oft zu ganz unterschiedlichen Bewertungen...
Uns wundert das nicht. Hier erklären wir, warum.
Man weiß nie, was man kriegt! Beim Internetshopping ist es wie mit der berühmten Pralinenschachtel von Filmheld Forrest Gump: Man weiß nie, was man kriegt! Die Ware lässt sich nur auf Fotos bestaunen und nicht anfassen. Weit und breit kein Verkäufer, der berät.
Bloß gut, dass es Produktbewertungen gibt – neben denen der Stiftung Warentest auch solche von Kunden, die den Artikel gekauft und ausprobiert haben. Bei Internethändler Amazon etwa lassen sich Produkte auf einer Skala von bis zu fünf Sternen bewerten, ein Stern bedeutet Murks, fünf Sterne Topqualität. Viele Kaufinteressenten orientieren sich daran.
Should We Reach for the Stars? – an der wir als Stiftung übrigens nicht beteiligt waren – kommen zu dem Schluss, dass sich Sterne-Bewertungen von Amazon nicht gut eignen, um die Qualität eines Produkts einzuschätzen. Aus unserer Sicht ist es völlig logisch, dass sich Kundenbewertungen und Urteile der Stiftung Warentest unterscheiden. Denn unser Warentest ist ganz anders gestrickt als eine Kundenrezension.
Das Mittelmaß ist bei Amazon unterrepräsentiert
Internetshopper äußern sich oft emotional und vertreten häufig extreme Meinungen zu den gekauften Produkten. Wer sich den Aufwand macht, eine Rezension zu schreiben, hat sich meist über eine Ware wahnsinnig gefreut oder geärgert. Das Mittelmaß ist in vielen Sterne-Bewertungen unterrepräsentiert. Die Stiftung Warentest prüft dagegen nach wissenschaftlichen und transparenten Kriterien. Unsere Tester bevorzugen keine bestimmte Marke und sind nicht sauer, weil die teure Neuanschaffung nicht ihren Vorstellungen entspricht. Außerdem bewerten wir in einem Test mehrere Geräte untereinander, unsere Urteile sagen auch etwas darüber aus, wie gut etwa ein Radio im Vergleich zu anderen getesteten Radios ist.
Für unseren Schadstofftest entfernen wir Proben vom Ohrmuschelbezug und analysieren sie im Labor. Laien können nicht beurteilen, ob ein Kopfhörer krebserregende Stoffe enthält. (Foto: Stiftung Warentest)
Zerschnittene Kopfhörer. Für unseren Schadstofftest entfernen wir Proben vom Ohrmuschelbezug und analysieren sie im Labor. Laien können nicht beurteilen, ob ein Kopfhörer krebserregende Stoffe enthält.
Von den Sternen nicht blenden lassen Foto: Stiftung Warentest
Nützliche Hinweise liefern Kundenkritiken dennoch – etwa zur Alltagstauglichkeit der Produkte. Wir raten aber, ganz genau hinzusehen und sich nicht von den angezeigten Sternen blenden zu lassen. Das kann danebengehen, wie im Falle eines Toasters, der zum Zeitpunkt der Recherche von 442 Amazon-Kunden mit vier Sternen bewertet wurde. Unter den Rezensionen sind 56 mit nur einem Stern, sie enthalten Kritikpunkte wie kaputt oder nach einem Monat defekt. 19 weitere unzufriedene Rezensenten vergeben zwei Sterne. 75 von 442 Käufern sind also vom Gerät enttäuscht, dennoch erhält es vier Amazon-Sterne.
Stiftung Warentest
Autor: redUns wundert das nicht. Hier erklären wir, warum.
Man weiß nie, was man kriegt! Beim Internetshopping ist es wie mit der berühmten Pralinenschachtel von Filmheld Forrest Gump: Man weiß nie, was man kriegt! Die Ware lässt sich nur auf Fotos bestaunen und nicht anfassen. Weit und breit kein Verkäufer, der berät.
Bloß gut, dass es Produktbewertungen gibt – neben denen der Stiftung Warentest auch solche von Kunden, die den Artikel gekauft und ausprobiert haben. Bei Internethändler Amazon etwa lassen sich Produkte auf einer Skala von bis zu fünf Sternen bewerten, ein Stern bedeutet Murks, fünf Sterne Topqualität. Viele Kaufinteressenten orientieren sich daran.
Neutral statt emotional
Nur in knapp einem Drittel der Fälle ist unser Testsieger auch das Produkt mit der besten Amazon-Bewertung. Die Macher der StudieShould We Reach for the Stars? – an der wir als Stiftung übrigens nicht beteiligt waren – kommen zu dem Schluss, dass sich Sterne-Bewertungen von Amazon nicht gut eignen, um die Qualität eines Produkts einzuschätzen. Aus unserer Sicht ist es völlig logisch, dass sich Kundenbewertungen und Urteile der Stiftung Warentest unterscheiden. Denn unser Warentest ist ganz anders gestrickt als eine Kundenrezension.
So gegensätzlich sind Testurteile und Amazon-Sterne
Wie gravierend der Unterschied zwischen test-Qualitätsurteil und Kundenbewertung sein kann, zeigen wir an drei Beispielen: einem schwächelnden Drucker, einer unsicheren Überwachungskamera und einem brandgefährlichen Haarglätter – alle drei Geräte erhielten mindestens vier Sterne auf Amazon.Das Mittelmaß ist bei Amazon unterrepräsentiert
Internetshopper äußern sich oft emotional und vertreten häufig extreme Meinungen zu den gekauften Produkten. Wer sich den Aufwand macht, eine Rezension zu schreiben, hat sich meist über eine Ware wahnsinnig gefreut oder geärgert. Das Mittelmaß ist in vielen Sterne-Bewertungen unterrepräsentiert. Die Stiftung Warentest prüft dagegen nach wissenschaftlichen und transparenten Kriterien. Unsere Tester bevorzugen keine bestimmte Marke und sind nicht sauer, weil die teure Neuanschaffung nicht ihren Vorstellungen entspricht. Außerdem bewerten wir in einem Test mehrere Geräte untereinander, unsere Urteile sagen auch etwas darüber aus, wie gut etwa ein Radio im Vergleich zu anderen getesteten Radios ist.
Laien stoßen an Grenzen
Manche Produkteigenschaften können Laien zudem gar nicht selbst prüfen. Im Labor zerlegen wir zum Beispiel Kopfhörer und untersuchen sie auf Schadstoffe. Unsere IT-Cracks entschlüsseln den Datenstrom von Baby-Webcams und probieren aus, ob Fremde die Videos abfischen können. Ingenieure nehmen in unserem Auftrag die elektrische Sicherheit von Haartrocknern unter die Lupe. Ottilie und Otto Normal fehlt hier die Expertise.
Für unseren Schadstofftest entfernen wir Proben vom Ohrmuschelbezug und analysieren sie im Labor. Laien können nicht beurteilen, ob ein Kopfhörer krebserregende Stoffe enthält. (Foto: Stiftung Warentest)
Zerschnittene Kopfhörer. Für unseren Schadstofftest entfernen wir Proben vom Ohrmuschelbezug und analysieren sie im Labor. Laien können nicht beurteilen, ob ein Kopfhörer krebserregende Stoffe enthält.
Von den Sternen nicht blenden lassen Foto: Stiftung Warentest
Nützliche Hinweise liefern Kundenkritiken dennoch – etwa zur Alltagstauglichkeit der Produkte. Wir raten aber, ganz genau hinzusehen und sich nicht von den angezeigten Sternen blenden zu lassen. Das kann danebengehen, wie im Falle eines Toasters, der zum Zeitpunkt der Recherche von 442 Amazon-Kunden mit vier Sternen bewertet wurde. Unter den Rezensionen sind 56 mit nur einem Stern, sie enthalten Kritikpunkte wie kaputt oder nach einem Monat defekt. 19 weitere unzufriedene Rezensenten vergeben zwei Sterne. 75 von 442 Käufern sind also vom Gerät enttäuscht, dennoch erhält es vier Amazon-Sterne.
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