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Christen mit Brief an US-Präsident

Sonntag, 16. September 2001, 16:10 Uhr
Sollstedt (nnz). In den Gottesdiensten des heutigen Sonntags haben die Christen des Evangelischen Kirchspiels Sollstedt ihr Mitgefühl für die Familien derer ausgesprochen, die bei den Terroranschlägen am vergangenen Dienstag ermordet wurden. Es kamen aber auch Ängste zum Ausdruck. nnz berichtet.


Vor allem wurden aber die Ängste der Menschen vor den Konsequenzen eines etwaigen militärischen Vergeltungsfeldzuges ausgesprochen. In einem Brief baten die Gemeindeglieder den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika um ein besonders besonnenes Vorgehen. 95 Prozent der erwachsenen Gottesdienstbesucher/innen hatten dem Text des Briefes mit Ihrer Unterschrift zugestimmt, wie Pfarrer Holger Kaffka der nnz mitteilte. Hier der Wortlauf des Briefes:

„Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem wir mit Bestürzung und Entsetzen die Anschläge vom letzten Dienstag gesehen haben, fühlen wir mit den Angehörigen der Opfer tiefen Schmerz, und wir spüren Angst. Wir haben Verständnis für den Wunsch Ihres Volkes nach Vergeltung. Mit Ihnen sind wir der Meinung, dass die Täter und Drahtzieher gefunden und hart bestraft werden müssen. Wir Christen des Evangelischen Kirchspiels Sollstedt erheben unsere Stimme aber gegen jeden militärischen Vergeltungsschlag, der unschuldige Menschen trifft. Wir sind überzeugt davon, dass Terroristen nur mit geheimdienstlichen und polizeilichen Mitteln, nicht aber mit den Mitteln eines Krieges bekämpft werden können. Zudem glauben wir, dass mit einem Weg in Richtung auf eine gerechtere Weltordnung dem Terrorismus die Basis entzogen werden muss.
Wir haben schreckliche Angst vor dem, was ein militärischer Vergeltungsschlag hervorrufen kann. Wir befürchten, dass ein solches Vorgehen letztlich dem Ziel der Terroristen dienen und einen Weltbrand hervorrufen wird, der sich nicht mehr kontrollieren lässt. Darum rufen wir Sie zur Besonnenheit auf und bitten Sie eindringlich jedes militärische Vorgehen zu verhindern, das nicht zielgenau ausschließlich die nachweislich Schuldigen der Terroranschläge trifft.“
Autor: nnz

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