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Rainer Peix erwartet Sommergäste aus fernen Ländern

Donnerstag, 28. Februar 2019, 12:00 Uhr
Rainer Peix wartet schon sehnsüchtig auf seine Sommergäste. Insgesamt hält er an die 100 Quartiere für sie bereit. Tausende an Kilometern müssen einige von ihnen zurücklegen, bis sie in der Kleinen Gasse in Ilfeld ankommen und die Wohnstuben ihres Gastgebers beziehen können...

Rainer Peix (Foto: Kurt Frank) Rainer Peix (Foto: Kurt Frank) Rainer Peix vor der Informationstafel seines Hauses, die Auskunft gibt, warum der Schutz von Schwalbe und Mauersegler so notwendig ist.

Ilfeld. Es sind ungewöhnliche Gäste, die Peix in den kommenden Tagen und Wochen erwartet. Aus den Tiefen Afrikas reisen sie an: Die Schnellsten unter ihnen werden die Letzten sein: Mauersegler! 20 Wohnstuben hält er für die bereit.

Für den Gastgeber immer wieder ein Erlebnis, wenn seine Untermieter mit lauten Rufen um sein Anwesen schwirren. Vor diesen unermüdlichen Fliegern der Lüfte, die es an Schnelligkeit durchaus mit dem Wanderfalken aufnehmen können, erwartet der Ilfelder noch andere Mieter am Haus: Mehlschwalben! An die 50 Kunstnester können sie beziehen.

Was da alles am Gebäude des 64-Jährigen, an Bäumen und Zweigen im Garten des 1800 Quadratmeter großen Anwesens hängt, ist im Südharz ohnegleichen. Neben Seglern und Schwalben entdeckte Peix sein Herz auch für Fledermäuse, Turmfalke, Meisen und andere Kleinvögel. Aber auch für Insekten. Steht er im Hinterhof auf einer kleinen Plattform, schweift sein Blick zu den alten Obstbäumen. An allen findet sich eine Nisthilfe für die kleinen Sänger mit dem bunten Federkleid.

Dankbar hatten auch im Vorjahr Mauersegler und Mehlschwalben ihr Domizil angenommen, erfolgreich Bruten aufgezogen. Auch das Turmfalkenpärchen. Die Fledermäuse waren noch zögerlich, hatten nur die Hälfte der Kästen belegt. Anders die Meisen, Kleiber, Feld- und Haussperlinge. Völlig ausgeblieben sind bislang die Dohlen, für die der Hausherr zwei Unterkünfte bereithält.

Der Garten ist naturbelassen. Momentan überzieht ihn ein weißer blühender Teppich mit Schneeglöckchen. Es folgen später allerlei Blumen. Sie bieten mit den Blüten der Obstbäume und Sträucher die Nahrung für Insekten, die wiederum Meisen und Co. zugute kommen. Hecken und Efeuranken bieten Schutz. Was aussieht wie ein Schwamm mit Löchern an der Wand oder wie ein kleiner gelber Schubabtreter ist ein Insektenhotel bzw. eine Behausung für Erdhummeln.

Als gelernter Maurer arbeitete der Vorruheständler im Forst, zuletzt als Forstwirt. In der Landwirtschaft sei er aufgewachsen und habe die Zeit erlebt, wo es in den Dörfern Schwalben noch zuhauf gab. Heute finde man kaum noch Spalten oder Ritze an Häusern, in denen einst die Mauersegler und andere Arten brüteten. An den hübschen Fassaden der Gebäude würden jetzt keine Schwalbennester mehr geduldet. Die ehemals zahlreichen Schweineställe und Scheunen, Domizil für Rauchschwalben, verwandelten sich mit den Jahren in Garagen oder Wohnungen.

Angefangen hat Rainer Peix mit seinem leidenschaftlichen Hobby in den Wendejahren. Heute findet sich kaum noch eine Stelle des Hauses, die nicht seinen Schützlingen vorbehalten bliebe. Seitdem investierte er ein Vermögen. Ein Dreierkasten für Mauersegler kostet 182 Euro, ein einzelner 67 Euro. Ein Zweier für Mehlschwalben bringt es auf 34 Euro. Alles bezog er über den Schwegler-Versand. Ein klein wenig müsse man schon verrückt sein, um sich soviel Mühen, Fleiß und Kosten aufzuerlegen, meint er über sich selbst. So müssten, bis auf die der Mauersegler, alle belegten Nisthilfen im Herbst gesäubert werden, nennt er eine der Arbeiten.

Als Mitglied im Verein Nordhäuser Ornithologen und dem Nabu angehörend, sieht sich Rainer Peix besonders in der Pflicht. „Unsere Nachkommen sollen Schwalben, Mauersegler und Co. nicht mehr nur aus Büchern her kennen“, erklärt er sein Engagement. Auf Informationstafeln an der Breitseite seines Anwesens zur Straße hin kann jeder sehen und lesen, worum es ihm geht. Jeder könne, ist er überzeugt, einen kleinen Teil für den Erhalt der Arten beitragen: Eine Beeren-Schutzhecke, ein Schmetterlingsflieder, Brutkasten oder Insektenhotel im Garten oder am Haus verfehlten ihre Wirkung nicht. Wer keinen Garten habe? Blumenkästen mit Bienenfutter bestücken!

Wenn die Meisen dicke Raupen in die Schnäbel ihres Nachwuchses stopfen, Schwalben und Segler mit Fliegen und Mücken ihre Brut versorgen und die Turmfalken mit einer Maus in den Fängen sich ihrer Wohnung nähern und mit lauten Bettelrufen empfangen werden, dann ist für Rainer Peix die hohe Zeit seiner Haus- und Gartenvögel gekommen. Danach naht der Abschied. Waren die Mauersegler im Frühjahr die letzten Gäste, die anreisten, sind es im Hochsommer die ersten, die ihren Gastgeber wieder verlassen. Schon um den 1. August herum verlassen sie ihn wieder. Die Schwalben folgen im September. Dann wird es wieder ruhiger auf dem Anwesen.

Auch wenn nicht jeder seiner Nachbarn sich für das Schaffen des Vogelfreundes begeistert, den Kopf schüttelt und kritisch auf die hohen alten Bäume schielt, so sollten sie doch den Wert seines Schaffens anerkennen und sein Tun tolerieren. Man braucht ja nicht so besessen wie Rainer Peix zu sein, um Gutes für Natur und Umwelt zu tun.
Kurt Frank
Autor: red

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