nnz-Forum:
Altern: Der Weg sollte das Ziel sein
Mittwoch, 20. Februar 2019, 06:55 Uhr
In diesen Tagen feierte eine Nordhäuserin ihren 105. Geburtstag. Darüber macht sich Bodo Schwarzberg Gedanken...
Ja, man(n) oder frau kann auch rauchend 90, 100 Jahre alt und auch älter werden. Johannes Heesters rauchte noch mit 100 und Helmut Schmidt bis fast zu seinem Tod mit 96. Dass er ohne mehrere, gewiss auf Arteriosklerose rückfürbare Bypässe wohl nicht einmal 90 geworden wäre, wird gern unterschlagen.
Fakt ist, dass es in der Medizin stets Ausnahmen gibt, die in der Mediengesellschaft gern herausgestellt werden. Stirbt ein Sportler, der nie rauchte und nie zu Partys ging, mit 40, so ist dies Zeitungen durchaus einen Beitrag wert, stirbt ein Raucher, trockener Alkoholiker und Kiffer mit 100, aber noch mehr.
Leider nur kommen hier die Millionen Namenlosen unter die medialen Räder des Nichterwähntwerdens, die mit 75 oder 80 sterben und überwiegend durchschnittlich ihre Gesundheit malträtiert oder auch gehätschelt haben.
Dass die Gesundheit von einer Mehrheit der Weltbevölkerung meist zu wenig gehätschelt wird, lässt sich an den jährlichen WHO-Berichten unschwer ableiten: immer dicker werden die Leute, mit der Folge krassierenden Diabetes (4 Mio oder 8 Mio in Deutschland?) und einer Zunahme des metabolischen Syndroms, als Nebeneinander von Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten, Insulinresistenz und Fettleibigkeit als tickende Zeitbomben mitten unter uns. Die Globalisierung der "modernen" Volkskrankheiten folgt der wirtshaftlichen Globalisierung auf den Fuß. Das Leid, das mit diesen Entwicklungen verbunden ist, ist im Wortsinne grenzenlos, verbirgt sich aber gekonnt in wenig emotionalen Statistiken.
Zu viel Zucker, zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol, zu viel Stress, zu wenig Schlaf, zu viel Nikotin, das sind die oft vermeidbaren Ursachen. 700 Meter geht der Durchschnittsdeutsche jeden Tag - obwohl der Mensch über die Jahrhunderttausende seiner Evolution eigentlich für das Gehen gemacht wurde.
Trotzdem nimmt die Lebenserwartung bisher noch zu in den Industrieländern. Aber nicht etwa dank der weiter zunehmenden, gesunden Lebensweise von immer mehr Zeitgenossen, sondern immer mehr wegen einer Hightechmedizin nie gekannten Ausmaßes.
Was wäre wohl mit unserer Lebenserwartung, wenn diese Hightech-Medizin mit gesunder Lebensweise zusammenfallen könnte? Dann würden vielleicht tatsächlich noch viel mehr Menschen gesund 100 Jahre und älter werden und nicht die Milliardengeschäfte unserer Medizin- und Pflegeindustrie antreiben.
Gewünscht ist dies jedenfalls nicht von allen: Was wäre z.B. die Pharmabranche mit lauter veganen Marathonläufern um die 80? - Profite steigern geht jedenfalls anders.
Bis aber vielleicht doch die Vernunft über die Verlockungen von Wohlstand und Müßiggang siegt, sollten die Medien eher die alltäglichen, millionenfachen Dramen thematisieren, die sich nicht nur aus dem natürlichen Alterungsprozess, sondern auch und zu einem wesentlichen Teil aus unserer Lebensweise, den vielen Verlockungen und den negativen Umwelteinflüssen ergeben, denen wir in einer so genannten modernen Welt ausgesetzt werden.
Und sie sollten mehr über die vielen, immer älter und damit kränker werdenden Menschen schreiben, über jene Massen, die nicht die Chance haben, gesund 100 zu werden und Rekordjubiläen zu begehen: Mit der Folge überall fehlender Pflegekräfte beispielsweise, überforderter Krankenhausbelegschaften und kollabierender pflegender Angehöriger.
Hier türmen sich gesellschaftliche Probleme immer weiter auf, ohne dass sie in ihrer Dimension auch nur annähernd erfasst zu werden scheinen. Darüber sollte uns die erfreulicherweise zunehmende Zahl gesunder Hundertjähriger nicht hinwegtäuschen.
Bodo Schwarzberg
Ja, man(n) oder frau kann auch rauchend 90, 100 Jahre alt und auch älter werden. Johannes Heesters rauchte noch mit 100 und Helmut Schmidt bis fast zu seinem Tod mit 96. Dass er ohne mehrere, gewiss auf Arteriosklerose rückfürbare Bypässe wohl nicht einmal 90 geworden wäre, wird gern unterschlagen.
Fakt ist, dass es in der Medizin stets Ausnahmen gibt, die in der Mediengesellschaft gern herausgestellt werden. Stirbt ein Sportler, der nie rauchte und nie zu Partys ging, mit 40, so ist dies Zeitungen durchaus einen Beitrag wert, stirbt ein Raucher, trockener Alkoholiker und Kiffer mit 100, aber noch mehr.
Leider nur kommen hier die Millionen Namenlosen unter die medialen Räder des Nichterwähntwerdens, die mit 75 oder 80 sterben und überwiegend durchschnittlich ihre Gesundheit malträtiert oder auch gehätschelt haben.
Dass die Gesundheit von einer Mehrheit der Weltbevölkerung meist zu wenig gehätschelt wird, lässt sich an den jährlichen WHO-Berichten unschwer ableiten: immer dicker werden die Leute, mit der Folge krassierenden Diabetes (4 Mio oder 8 Mio in Deutschland?) und einer Zunahme des metabolischen Syndroms, als Nebeneinander von Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten, Insulinresistenz und Fettleibigkeit als tickende Zeitbomben mitten unter uns. Die Globalisierung der "modernen" Volkskrankheiten folgt der wirtshaftlichen Globalisierung auf den Fuß. Das Leid, das mit diesen Entwicklungen verbunden ist, ist im Wortsinne grenzenlos, verbirgt sich aber gekonnt in wenig emotionalen Statistiken.
Zu viel Zucker, zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol, zu viel Stress, zu wenig Schlaf, zu viel Nikotin, das sind die oft vermeidbaren Ursachen. 700 Meter geht der Durchschnittsdeutsche jeden Tag - obwohl der Mensch über die Jahrhunderttausende seiner Evolution eigentlich für das Gehen gemacht wurde.
Trotzdem nimmt die Lebenserwartung bisher noch zu in den Industrieländern. Aber nicht etwa dank der weiter zunehmenden, gesunden Lebensweise von immer mehr Zeitgenossen, sondern immer mehr wegen einer Hightechmedizin nie gekannten Ausmaßes.
Was wäre wohl mit unserer Lebenserwartung, wenn diese Hightech-Medizin mit gesunder Lebensweise zusammenfallen könnte? Dann würden vielleicht tatsächlich noch viel mehr Menschen gesund 100 Jahre und älter werden und nicht die Milliardengeschäfte unserer Medizin- und Pflegeindustrie antreiben.
Gewünscht ist dies jedenfalls nicht von allen: Was wäre z.B. die Pharmabranche mit lauter veganen Marathonläufern um die 80? - Profite steigern geht jedenfalls anders.
Bis aber vielleicht doch die Vernunft über die Verlockungen von Wohlstand und Müßiggang siegt, sollten die Medien eher die alltäglichen, millionenfachen Dramen thematisieren, die sich nicht nur aus dem natürlichen Alterungsprozess, sondern auch und zu einem wesentlichen Teil aus unserer Lebensweise, den vielen Verlockungen und den negativen Umwelteinflüssen ergeben, denen wir in einer so genannten modernen Welt ausgesetzt werden.
Und sie sollten mehr über die vielen, immer älter und damit kränker werdenden Menschen schreiben, über jene Massen, die nicht die Chance haben, gesund 100 zu werden und Rekordjubiläen zu begehen: Mit der Folge überall fehlender Pflegekräfte beispielsweise, überforderter Krankenhausbelegschaften und kollabierender pflegender Angehöriger.
Hier türmen sich gesellschaftliche Probleme immer weiter auf, ohne dass sie in ihrer Dimension auch nur annähernd erfasst zu werden scheinen. Darüber sollte uns die erfreulicherweise zunehmende Zahl gesunder Hundertjähriger nicht hinwegtäuschen.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: redDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
