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DDR-Lüge hatte kurze Beine

Die Wahrheit über die Luftangriffe

Sonntag, 17. Februar 2019, 11:11 Uhr
Der Nordhäuser Heimatforscher, dessen Recherchen die historische Wahrheit über die britischen Luftangriffe auf die Rolandstadt im April 1945 aufdeckten, sah sich 1985 als Opfer der Zensur in der DDR. Seine Broschüre „Die Zerstörung Nordhausens und das Kriegsende in der Grafschaft Hohenstein“ wurde von der SED-Kreisleitung beschlagnahmt und die gesamte Auflage (5.000 Stück) eingestampft...


Bis das Manuskript im Sommer 1984 vorlag, hatte der Autor zwei Jahre lang ein umfangreiches Quellen- und Literaturstudium betrieben und nahezu 200 Zeitzeugen befragt. Danach ging es zur Begutachtung an Prof. Dr. Olaf Groehler von der Akademie der Wissenschaften der DDR, Institut für Geschichte, an den Rat des Kreises, Abteilung Kultur, sowie zur Rezension an die Kreisleitung der SED.

Bevor der Rat der Stadt Nordhausen (Meyenburg-Museum) den Druckauftrag an die Druckerei Fortschritt Erfurt, Betriebsteil Nordhausen, erteilte, waren Streichungen und Ergänzungen vorgenommen und Bilder ausgewählt worden. Bei einem Vortrag des Autors am 14. März 1985 im Thomas-Mann-Klub auf Einladung des Kulturbundes vor 70 Zuhörern fielen zwei Besucher von „Horch und Guck“ auf, die mitstenografierten.

Am 29. März verfügte das Sekretariat der SED-Kreisleitung Nordhausen die Beschlagnahme der gesamten Auflage (Verkaufswert 30 000 M) und deren
Sicherstellung in einem versiegelten Raum. Oberbürgermeister Herbert Otto, der die Broschüre öffentlich gelobt hatte, wurde am 1. April 1985 von Peter Heiter im Rathaus abgelöst. Alle Bemühungen von Kulturfunktionären, einzelnen Persönlichkeiten und Vertretern der evangelischen Kirche um die Freigabe der Broschüre blieben ohne Erfolg.

Die gesamte Auflage, gedruckt auf Kosten öffentlicher Kulturfonds, wurde vernichtet. Weder ließen sich die Verantwortlichen zu einer Begründung herab, noch wurden Anfragen von Bürgern beantwortet. Der Autor notierte damals: „Die vermutlichen Gründe für die Maßreglung: Die Broschüre enthält Faktenmaterial, das den langjährigen bisherigen offiziellen Darstellungen der Hintergründe und des Ablaufs der Zerstörung Nordhausens sowie die Besetzung durch US-Truppen im Jahre 1945 nicht entspricht.“ Die geschichtliche Wahrheit hätte die DDR-Propaganda Lügen gestraft.

Autor der verdienstvollen Arbeit war der Arzt Dr. Manfred Schröter, erster Oderbürgermeister Nordhausens nach der Wende 1989. Sie sollte ursprünglich als Sonderheft 1985 der „Beiträge zur Heimatgeschichte der Stadt und des Kreises Nordhausen“ erscheinen. Nun wird sie eine Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung der historischen Umstände der beiden Luftangriffe am 3. und 4. April 1945 abgeben. Auf Beschluss des Stadtrates soll eine Historiker-Kommission (für 50 000 Euro) eine Studie erarbeiten.

Trotz eindeutiger Belege, das an dem Bombardement keine Flugzeuge der US-Luftwaffe beteiligt waren, war unter der DDR-Diktatur die Behauptung aufrechterhalten worden, es habe sich um „anglo-amerikanischen Terror“ gehandelt. Das Mahnmal für die 8 800 Toten der Luftangriffe vor dem Alten Rathaus konnte erst nach dem Ende des SED-Regimes von dieser Propaganda-Lüge bereinigt werden.
Manfred Neuber

Redaktioneller Nachtrag zum Bericht "Die Wahrheit über die Luftangriffe"
Der Autor des Beitrages legt Wert auf die Feststellung, dass er schon Anfang der sechziger Jahre vor allen anderen über die Luftangriffe recherchierte. Während mehrerer Jahre in London und New York konnte er Originaldokumente der Royal Air Force und der US Air Force einsehen. In Kommentaren aus Wikileaks abgeschriebene Texte hier bieten nichts Neues.
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