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100 Jahre Volkshochschule

Herzlichen Glückwunsch!

Mittwoch, 13. Februar 2019, 08:23 Uhr
Seit 100 Jahren sind die Volkshochschulen überall in Deutschland unverzichtbare Orte der demokratischen Bildung, wo sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Orientierung begegnen, um miteinander und voneinander zu lernen. Auch in Nordhausen...

100 Jahre Volkshochschule (Foto: Volkshochschulen) 100 Jahre Volkshochschule (Foto: Volkshochschulen)
Demokratisches Bewusstsein zu fördern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken waren wesentliche Ziele der Weimarer Reichsverfassung von 1919, die in Artikel 148 erstmals alle staatlichen Ebenen aufforderte, die Erwachsenenbildung und insbesondere die Volkshochschulen zu fördern.

600 geladene Gäste aus Politik, Bildung und Zivilgesellschaft feiern gemeinsam mit den Volkshochschulen und ihre Verbänden dieses Jubiläum heute mit einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche. Auch Direktor Gerhard Tölle von der Nordhäuser Kreisvolkshochschule ist unter ihnen.

Die Volkshochschule Nordhausen selbst wurde im November 1919 gegründet. Nordhausen war zu jener Zeit als kreisfreie preußische Stadt ihr Träger. Ein festes Gebäude hatte sie hingegen nicht. Die Vorträge und Kurse fanden meist an den städtischen Schulen statt, so in der Königin-Luisen-Schule - dem jetzt abgerissenen Gebäude des Humboldt-Gymnasiums, an der am 4. April 1945 zerbombten Mathilden-Mittelschule in der Nähe der Kutteltreppe oder der Knaben-Mittelschule am Taschenberg.

Die Dozenten waren hauptsächlich die damals noch sehr hoch angesehenen Schullehrer, aber auch Ärzte, Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute. Das Original des ersten Volkshochschulprogrammhefts vom November 1919 ist glücklicherweise erhalten geblieben. Es bot auf 20 Seiten 76 Vortragsreihen und Arbeitsgemeinschaften an. Die Halbjahreskarte kostete zehn Mark, eine Vortragsreihe zwanzig Pfennige. Zum Vergleich: Ein Arbeiter verdiente vor Beginn der Hyperinflation der 20er Jahre monatlich durchschnittlich 135 Mark, ein Brot kostete nach dem 1. Weltkrieg immerhin über 1,70 Mark. Bis 1927 hatte die Nordhäuser Volkshochschule in 15 Semestern rund 620 Vortragsreihen angeboten. 100 Dozenten, wie erwähnt häufig Lehrer, hatten daran mitgewirkt.

Plakatkampagne der VOlkshochschulen (Foto: privat) Plakatkampagne der VOlkshochschulen (Foto: privat) Während der Nationalsozialistischen Diktatur ab 1933 setzte die Volkshochschule Nordhausen ihr allgemeinbildendes und schulergänzendes Angebot zwar fort. Die weltanschauliche und politische Neutralität, zu der sie in der Zeit der Weimarer Republik gehalten war, wurde aber der Gleichschaltungsideologie der NSDAP geopfert. Unter den schweren Bedingungen des Wiederaufbaus der zerbombten Stadt nach 1945 unterlag auch die Volkshochschule Nordhausen einem demokratischen Neuanfang, jedoch war sie in der DDR als staatliche Bildungseinrichtung für die Qualifizierung der Werktätigen den Prinzipien und Dogmen des sozialistischen Bildungssystems unterworfen - was Lehrkräften und Schülern nicht davon abhielt, diese häufig pragmatisch zu umgehen.

An der Breitenfächerung des Angebots der Volkshochschule mit ihrem Bildungs- und Weiterbildungsangeboten hat sich seit 1919 strategisch nicht viel geändert. Und das ist auch gut so: Lernen und Lehren für und mit erwachsenen Bürgern aus der Region und dies zielgruppenorientiert. Stand das Nachholen von Schulabschlüssen 1919 noch an vorderer Stelle, so hat sich der Schwerpunkt in der Gegenwart verschoben. Zwar ist die VHS Nordhausen nach wie vor die erste Wahl für den Schulabschluss auf dem 2. Bildungsweg. Längst aber haben der Gesundheits- und Wellnessbereich, die Sprachangebote und die der Umgang mit digitaler Technik die vorderen Plätze eingenommen.

Auch an der Altersstruktur der Lernenden hat sich Wesentliches gewandelt. Zielte die Volkshochschule in der Weimarer Republik hauptsächlich auf die jungen Erwachsenen zum Ausgleich von sozial- und klassenbedingten Bildungsdefiziten ab, so sind es heute die über Fünfzigjährigen, die rund die Hälfte der Kursteilnehmer ausmachen. Mit einer steigenden Tendenz, der sich die Volkshochschule durch ihre Programmangebote zukünftig verstärkt stellen wird.

Seit 1991 ist die Volkshochschule Nordhausen eine Einrichtung des Landkreises Nordhausen. Und erstmalig in ihrer Geschichte bekam sie einen festen Stammsitz, das Haus in der Grimmelallee 60.

In jedem Frühjahr und Herbst erstellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisvolkshochschule Nordhausen ein umfangreiches Angebot an Kursen und Einzelveranstaltungen aus den Bereichen Gesundheit und Fitness, Sprachen, Kultur, Politik und Gesellschaft, Arbeit und digitaler Technik. Auch die Vorbereitungskurse zum Ablegen des Haupt- und Realschulabschlusses sowie des Abiturs gehören zum Programm. Für das aktuelle Frühjahrshalbjahr liegen derzeit die Programmhefte aus.

Auf der übersichtlich gestalteten Internetseite https://www.vhs-nordhausen.de/ finden Interessenten das komplette Programm der Volkshochschule und können sich dort auch direkt anmelden. Natürlich stehen auch die klassischen Kontakte zur Verfügung - Tel.: 03631/60910, Fax: 03631/902223 und E-Mail: post@vhs-nordhausen.de
Autor: red

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