Ein Licht des Friedens angezündet
Freitag, 14. September 2001, 19:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Andacht, stilles Gebet, Kerzen, Gespräche, so wurde am Abend in Nordhausen den schrecklichen Ereignissen dieser Woche in den USA gedacht. nnz berichtet.Wir wenden uns zu Gott, um zu beten, zu bitten und zu klagen, ermutigte Pfarrer Karl-Heinz Nickschick die vielen Menschen in der Altendorfer Kirche. Ob Christen oder Nichtchristen - sie alle waren dem Aufruf von Nordhäuser Jugendlichen und der Stadt Nordhausen gefolgt. Sie alle wollten den Opfern der Terroranschläge von New York und Washington gedenken. Das Denken nach diesen schrecklichen Tagen, das solle jedoch nun nicht nur den Politikern überlassen werden. Gerade eine Demokratie gebe den Rahmen für das Einmischen, machte der Pfarrer in seinen Worten deutlich. In Richtung der großen Politik mahnte Nickschick: Besinnet Euch und entscheidet dann und zwar in genau dieser Reihenfolge! Die Spirale der Gewalt dürfe jetzt nicht unbedacht weitergedreht werden.
Reflektionen aus einer halben Stunde Gottesdienst in der Altendorfer Kirche. Bemerkenswert und Mut machend war vor allem die Teilnahme vieler junger Nordhäuser an diesem Gottesdienst. Sie gehören einer Generation an, die sonst eher mit Null Bock gleichgesetzt wird. An diesem Abend wurden viele Kritiker eines Besseren belehrt.
Die Menschen in der Kirche dachten und denken nach, vor allem über das, was jetzt, was in den kommenden Tagen geschehen könnte. Sie haben zugleich immer noch den Wahnsinn des Dienstags dicht vor Augen. Es gibt keine politischen, keine wirtschaftlichen und erst recht keine religiösen Gründe für das, was in den USA geschehen ist, so der Pfarrer.Und die Menschen standen in der Kirche auf und entzündeten Lichter. Lichter des Friedens sollten es sein. Nach einem stillen Gebet wurden sie mitgenommen auf einen Weg, der eine stille, nachdenkliche Atmosphäre mit sich trug. Bereits in der Kirche schwebten - fast greifbar - Gefühle wie Angst, Trauer, Hoffnung aber auch Wünsche über den Menschen. Sie waren auch noch an der Stele am Rathaus zu fühlen. Diese Stelle der Erinnerung und des Gedenkens an die Sinnlosigkeit von Krieg und Verderben war der Abschluß eines Abends, mit dem Nordhausen ein Zeichen setzte. Ein Zeichen dafür, daß man etwas gegen Krieg, Gewalt und Haß unternehmen will und kann. Ein Zeichen aber auch dafür, daß viele Menschen in und um Nordhausen mit den Tausenden Opfern der Anschläge und ihren Hinterbliebenen fühlen und ihnen sehr, sehr nahe sind.
Fast symbolisch bot Pfarrer Nickschick an, auch später noch in die Kirche in der Altstadt zu kommen. Sie werden in den nächsten Tagen offen sein, für ein Gebet aber auch für Gespräche.
