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Herder-Gymnasiasten verteidigten ihre Seminarfacharbeiten

Kolloquien ebnen Weg zum Abitur

Dienstag, 05. Februar 2019, 06:51 Uhr
Auf dem Weg zum Reifezeugnis gibt es zahlreiche Hürden in der Oberstufe und erst recht in der Qualifikationsphase zu überwinden. Neben Mindestpunktzahlen für die Zulassung, zahlreichen Klausuren und mündlichen, schriftlichen wie praktischen Leistungsfeststellungen erweist sich auch das im Freistaat praktizierte Seminarfach als notwendige Voraussetzung, um das Abitur ablegen zu können...


Diese formale Verpflichtung ist erfüllt, wenn die Schüler in Teams eine erste wissenschaftliche Facharbeit nach Vorgaben und Anleitung verfasst sowie den Prozess dazu durchschritten haben und das Thema vor einer Kommission bzw. Schüler- und Lehrerpublikum präsentieren und dabei Gesprächsimpulse geben. Wurden alle drei Teilbereiche insgesamt erfolgreich absolviert, steht der Reifeprüfung diesbezüglich nichts mehr im Wege.

Motivation erhalten die Gymnasiasten immer wieder durch die Tatsache, dass sie ihre Gruppe von drei bis vier Teilnehmern selbst bestimmen und damit die Grundlage für ein gemeinsames Arbeiten legen. Des Weiteren sind sie es, die entsprechend bestimmter Voraussetzungen das Thema vorschlagen und angeleitet formulieren.
Dabei zeichnet sich seit einigen Jahren ein deutlicher Trend ab: Die gewählten gesellschaftlichen, kulturellen, technischen, ökologischen, politischen, medizinischen u.a. thematischen Aspekte werden durch die Schüler selbst in den Fragehorizont der jungen Leute gerückt, indem ein Regional- oder Altersbezug oder eine konkrete praktische Relevanz aufgenommen wird.

Außerdem messen die Gymnasiasten eigenen empirischen Untersuchungen immer mehr Bedeutung bei, um diese dann mit der Theorie bzw. Literatur vergleichen zu können. Umfragen in Schule und Öffentlichkeit, Interviews mit Experten, Hospitationen, Praktika in verschiedenen Einrichtungen, protokollierte Teilnahmen an Versammlungen, Ausstellungen und Messen etc. stellten auch in diesem Seminarfach-Jahrgang wieder eine Selbstverständlichkeit dar.

Eigene Erfahrungswerte spielen dabei oftmals eine bedeutende Rolle, da sie auch als ein Bindeglied zwischen Theorie und Empirie anzusehen sind. Manch eine Gruppe experimentiert, andere fertigen Modelle an, weitere erstellen Dokumentationen zu Museumsbesuchen, begleiten mehrmonatig Patienten oder dokumentieren Selbstversuche. Einerseits dient dies dem persönlichen Bezug zum Thema, andererseits der Veranschaulichung und Positionierung.
Ein wichtiges Bewertungskriterium in den Kolloquien stellen Sicherheit, Tiefgründigkeit sowie die Art der Darstellung der fachwissenschaftlichen Darlegungen dar. Aber auch in diesem Jahr wurden keine Mühen gescheut und Ideenreichtum unter Beweis gestellt, als es darum ging, die Kolloquien konzeptionell vorzubereiten. Da experimentierten die Referenten zum Beispiel vor dem Publikum und demonstrieren die Brennbarkeit unterschiedlicher Stoffe, initiierten Streitgespräche, fertigten eigene Medien an, boten Anschauungsmittel der unterschiedlichsten Art und sorgten für kreative Raumgestaltungen. So konnte der Zuschauer beispielsweise technische Gerätschaften der Feuerwehr aus der Zeit der DDR oder des 21. Jahrhunderts bestaunen oder der Vorführung des Sportgerätes Compoundbogen beiwohnen.

Eigene Tanzeinlagen boten zum Beispiel den Ausgangspunkt für ein Gespräch darüber, ob der Swing als politisches Statement oder reine Unterhaltung angesehen werden kann. Solarenergie oder die E-Mobilität, unter besonderer Betrachtung und Recherche bzgl. der Stadt bzw. des Landkreises, aber auch die Generation online, die unsere Gesellschaft verändert, oder auch Chancen und Grenzen der Legalisierung von Cannabis wurden diskutiert. Medizinischen Themen mit weit reichender Bedeutung für Gegenwart und Zukunft werden ebenfalls in jedem Seminarfachjahrgang untersucht, so Angststörungen, Fehlgeburten, Augenkrankheiten, Alzheimer etc.

Ohne das Engagement der Fachbetreuer, die den Schülergruppen fachwissenschaftlich zur Seite stehen, wichtige Tipps und Literaturhinweise geben, Materialien zur Verfügung stellen und nicht selten auch als moralische Stütze an den Kolloquien teilnehmen, ist Derartiges nicht denkbar. In diesem Jahr nahmen zahlreiche sogenannte Außenbetreuer, also Fachleute aus Nordhausen bzw. dem Landkreis, die sich neben ihrer Arbeit dieser zusätzlichen Anforderung stellen, an den Kolloquien teil.
Die Anspannung im Vorfeld gehört wie die Raumausstattung und Vorbereitung zu jedem Kolloquium, welches im Anschluss an die Themenpräsentation ein durch die Gruppe gelenktes Gespräch mit der Kommission sowie den Zuhörern verlangt und insgesamt sechzig Minuten in Anspruch nehmen kann.

Besonders interessante, konzeptionell überzeugende und thematisch sehr unterschiedliche Themen werden auch in diesem Jahr wieder für die Öffentlichkeit angeboten. Das Herder-Gymnasium öffnet seine Türen und gewährt im Rahmen der langen Nacht der Wissenschaft, Kunst, Kultur und des Handwerks am 22. Februar 2019 Einblick in die Präsentation und Verteidigung ausgewählter wissenschaftlicher Arbeiten der Zwölfer. Räume und genaue Themenformulierungen werden noch veröffentlicht.
Heike Roeder, Öffentlichkeitsarbeit am Herder-Gymnasium
Autor: red

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