nnz-online
Meldungen vom Sport

Offener Brief an den DFB

Montag, 04. Februar 2019, 17:14 Uhr
In einem offenen Brief wendet sich Frank Kette an den Deutschen Fußballbund und schildert Probleme im Jugendfußball. Hier der Wortlaut...

Offener Brief
An:
Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Herrn Reinhard Grindel
Präsident des Thüringer Fußball-Verbandes, Herrn Dr. Wolfhardt Tomaschewski

Sehr geehrter Herr Grindel,
sehr geehrter Herr Dr. Tomaschewski,
ich wende mich mit diesem Offenen Brief an Sie, weil ich noch immer nicht verstehen kann, wieso ein Amateurverein dafür bestraft wird, dass er sich an Absprachen mit Funktionären des Verbandes und Kreises gehalten hat?!
Eine Sache möchte ich im Vorfeld klar stellen, ich schreibe diese Worte als Privatperson und nicht als Vertreter meines Vereins.

Am vergangenen Dienstag, 29.01.2019, hatte ich die Ehre eines mündlichen Berufungsverfahrens des Thüringer Verbandsgerichtes beizuwohnen. Es ging um eine Entscheidung des Sportgerichtes des Kreisfußballausschusses Nordthüringen gegen meinen Verein. Details sind den Verantwortlichen bekannt, ich möchte aus diversen Gründen nicht auf Personen und Aussagen genauer eingehen.

Was war passiert?
Im frühen Herbst letzten Jahres musste der Verein, trotz aller Bemühungen, seine A-Junioren Mannschaft aus dem Spielbetrieb abmelden. Als weitere Konsequenz daraus verloren die älteren A-Jugendspieler ihre vorzeitige Spielerlaubnis für den Männerbereich (gem. Spielordnung 2018, Anlage 5, B. (8)).

Nach mehreren Telefonaten und Gesprächen aller beteiligten Organe (Verein, KFA und Verband) wurde eine Lösung gefunden, welche den weiteren, zukünftigen Einsatz der „Junioren“ im Männerbereich erlaubt.
Es sei nochmalig gesagt, dass der vorgeworfene Tatbestand, „Unberechtigt am Spiel teilnehmende(r) Spieler“, in Absprache mit einem Funktionär des Verbandes und dem dafür Verantwortlichen des KFA Nordthüringen erfolgt ist. Beide Funktionäre bestätigten in dem Berufungsverfahrens ihre getätigten Aussagen, Handlungen und sahen ebenfalls keine Verfehlung des Vereins.
Jedoch entschied sowohl das Sportgericht des KFA Nordthüringen als auch das Verbandsgericht Thüringen anders.
Gem. Interpretation des Vorsitzenden, bei seiner Urteilsverkündung, lässt die Satzung keine andere Entscheidung zu.

Hier stellt sich mir eher die Frage, musste hier ein Exempel gemacht werden?!
Wollte oder konnte keine Einzelfallentscheidung getroffen werden?!

Zudem ist das Geschehnis kein neuer Sachverhalt beim Verband. Im Gegenteil, es wird in anderen Kreisen Thüringens (KFAs) der beschriebene „Tatbestand“ toleriert, akzeptiert oder anders gesagt, hier werden Entscheidungen von Funktionären innerhalb eines KFAs nicht in Frage gestellt.
Gemäß dem Motto: „Wo kein Kläger, da kein Richter“

Umso trauriger ist es doch, dass man als Verein dafür bestraft wird nicht schon im Vorfeld der Saison 2018/ 2019 entschieden zu haben die A-Jugendmannschaft abzumelden. Stattdessen sich mit den Widrigkeiten auseinander zusetzen, um nicht vielleicht doch dieser Mannschaft und den Junioren den Spielbetrieb zu ermöglichen.
Sie fragen sich sicherlich was ich mit diesem Brief bezwecken will?

Zum einen möchte ich einfach meine Eindrücke verarbeiten und andere Vereine warnen nicht den gleichen Fehler zu machen. Zum anderen stelle ich mir seit der Entscheidung des Verbandsgerichtes die Frage, wofür brauche ich denn überhaupt einen Verband oder einen Kreisfußballausschuss?
Sind diese Organe nicht die Ansprechpartner und Leitbilder für die Vereine?
Warum haben wir „Spielregeln“, „Satzungen und Ordnungen“, gelten diese nur für die Spieler und Vereine?

An welche Regeln müssen sich denn Funktionäre, Mitarbeiter eines KFA / Verbandes halten? Gibt es für diese eine eigene Satzung oder eine Ordnung?
Ist eine Spielordnung wirklich gleichzusetzen mit einem Gesetz?
Regeln, Satzungen, Ordnungen, was auch immer… und das alles um seinen Hobby nachzugehen, um Kinder und Jugendliche für den Fußball zu begeistern und klar für einige Amateurspieler auch um damit Geld zu verdienen. Aber wer sieht dabei die Arbeit der Vorstandsmitglieder und die Arbeit der Trainer in einem Verein? Man bekommt als Verein ständig neue Auflagen, Vorgaben und Richtlinien, nur bekommt
man deswegen nicht automatisch mehr Personal. Das beschriebene Personal sind Menschen die ehrenamtlich Ihre Zeit, Nerven und Arbeit in einen Verein investieren und das aus freiem Willen ohne finanzielle Entschädigung. Entgegen einem KFA / Verband welcher Sitzungsgelder und ähnliches an seine Funktionäre / Mitarbeiter zahlt.

Alles richtig und schön, aber warum wird dann auch nicht im Sinne der Vereine gehandelt? Was wäre denn ein KFA ohne seine Vereine und ein Verband ohne seine Kreisfußballausschüsse? Nichts!
Eine Verwaltung zur Verwaltung..., die haben wir schon in anderen Bereichen.

Warum muss ein „kleiner“ Verein mit vielen Nachwuchsmannschaften und zwei Männermannschaften auch noch mehr Schiedsrichter stellen als ein „großer“ Verein mit weniger Nachwuchsmannschaften und nur einer Männermannschaft?
Was spricht gegen eine Regelung des Schiedsrichterbedarfs abhängig von der Vereinsgröße oder Umsatzstärke des Vereins?
Wenn „große“ Vereine doch ständig Spieler kaufen können, dann werden sich diese sicherlich auch nicht scheuen die entsprechenden Kosten für Schiedsrichter aufzubringen.

Mir fallen noch einige Sachen mehr ein, die ich mich hinterfrage, wer und warum wurde diese Entscheidung so getroffen? Im Moment glaube ich, dass es wie in anderen Bereichen des Lebens nur um den finanziellen Erfolg geht. Dass die Probleme, Belange der Amateurvereine immer weiter ins Abseits geschoben werden und das der Fokus allein den „großen“ (Profi-) Vereinen gilt.

Während meiner Trainerausbildung wurde mir beigebracht, dass sich Eigenschaften von mir auch auf die meiner Spieler übertragen und dass man automatisch als Vorbild immer vorangeht. Im Nachwuchsbereich ist die Vorbildfunktion noch prägnanter als im Erwachsenenbereich, jedoch sind Verlässlichkeit, Authentizität und Integrität die wichtigsten Säulen für ein Miteinander.

Wenn man sich nun nicht einmal mehr auf die Worte von gestandenen Funktionären verlassen kann, weil es der Satzung widerspricht, dann sei mir doch die Frage erlaubt an Sie, Herr Grindel und Herr Dr. Tomaschewski, auf wessen Wort vertrauen Sie?
In diesem Sinne hoffe ich, dass meine Worte ein wenig Beachtung finden und wie oben bereits dargelegt anderen Vereinen eine ähnliche Erfahrung erspart bleibt.

Mit sportlichen Grüßen
Frank Kette
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de