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Droht etwa ein Gegeneinander?

Freitag, 25. Januar 2019, 19:18 Uhr
Gemeinsamer Neujahrsempfang von Stadt und Hochschule. Oberbürgermeister Kai Buchmann und Hochschulpräsident Professor Jörg Wagner prosteten einander zu. Der Sekt war trocken, was man von der Rede des OB nicht sagen konnte. Der proppenvolle Saal im Bürgerhaus horchte auf, als er schon eingangs seiner Rede die kommunale Selbstverwaltung hervorhob...


„Das fängt mit der Erstellung des Haushaltes und der Umsetzung der Projekte an und hört dort auf, wo die Stadt Nordhausen – und die Bedeutung liegt auf Stadt – darüber entscheidet, in welchem Umfang und in welcher Himmelsrichtung das städtische Straßenbahnnetz erweitert oder nicht erweitert wird, Baugebiete erschlossen werden.“

Die Botschaft war eindeutig. Jeder im Saal wusste, an wen sie sich richtete. Wie der Empfänger, der ebenfalls zu den Geladenen der gehobenen Gesellschaft zählte, reagieren wird, bleibt abzuwarten. Zaghaftigkeit wirft ihm keiner vor. Er ist, weiß man inzwischen, clever, hartnäckig, willensstark. Wie ein Besessener verfolgt er seine Vision, die Straßenbahnlinie nach Krimderode zu erweitern und sie in die vorhandene Strecke der HSB einzubinden.

Und immer und immer wieder die gleiche Antwort aus dem Rathaus: Nein! Eine Investition müsse sinnvoll sein. In einer Erweiterung der Straßenbahnlinie sieht das Rathaus keine wirtschaftliche Notwendigkeit. Doch der, der die Idee verficht, duckt sich nicht unter dem Wind. Hübsche Einladungen ließ er drucken, lädt zu einer Veranstaltung für den 30. Januar ein. Und zieht alle Register, seine Straßenbahn-Idee öffentlichkeitswirksam vorzustellen. Wieder einmal! Geschickt verpackt: Nicht nur um deren Erweiterung nach Krimderode soll es gehen, sondern insgesamt um den Personennahverkehr.

Das ist sein gutes Recht, sich als Visionär darzustellen. Dennoch: Dem OB dürfte zumute sein, als liege ihm jemand auf der Pelle, erteile Ratschläge, so, als ob man selbst keine eigenen Ideen habe. Das kann schon ärgern. Ob es klug war, die Einladungen abzuweisen, sei dahingestellt. Aber: Wenn das so weiter geht, ist zu befürchten, dass von einem Miteinander von Stadt- und Kreisspitze ein Gegeneinander werden könnte. Wo Streitereien hinführen, ist noch ungut im Gedächtnis. Aus einer Zeit, in der sich zwei namhafte Kommunalpolitiker spinnefeind waren.
Kurt Frank
Autor: red

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