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Berichte aus den Hotspots der Artenvielfalt 18 und 19

BUND-Einsatz für Pilze und Pflanzen

Montag, 21. Januar 2019, 07:10 Uhr
Acht Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen fanden sich am frostigen Morgen des vergangenen Sonnabends zum 72. Mal seit 2010 zusammen, um bedrohte Artenvielfalt erhalten zu helfen. Sechs bedrohte Arten der Rüdigsdorfer Schweiz standen dabei im Vordergrund...


Wie fast immer in den vergangenen Jahren ging es darum, einen aktiven Beitrag zur Umsetzung der Schutzgebietsverordnung des gleichnamigen Naturschutzgebietes (NSG) Rüdigsdorfer Schweiz durch geeignete Maßnahmen zu leisten und bestehende Defizite punktuell auszugleichen.

Insbesondere stand die Nachpflege extensiv mit Rindern beweideter Flächen durch Mahd bzw. Entfernung des Neuaustriebs von Gehölzen, die von Rindern nicht verbissen werden, im Fokus unserer Arbeiten.

Der weltweit extrem seltene Pilz Zierlicher Braunspor-Stacheling (Sarcodon lepidus) verfügt im NSG über zwei von wahrscheinlich nur drei deutschen Wuchsorten. Die Beobachtung, dass seine Fruchtkörper ausschließlich auf äußerst mageren, gebüschfreien und lückigen Stellen inmitten eines lichten Laubwaldes aufkommen, begründete unsere 2015 begonnenen sporadischen Entbuschungsmaßnahmen. Am vergangenen Sonnabend entfernten wir den Neuaustrieb der vergangenen beiden Vegetationsperioden.

Die beidem in Thüringen gefährdeten bzw. stark gefährdeten Orchideenarten Stattliches und Blasses Knabenkraut (Orchis mascula und Orchis pallens) siedeln im Naturschutzgebiet in Wiesen und Gehölzen. Vor allem die Wiesenstandorte beider Arten sind durch Verfilzung und Verbuschung sowie Nährstoffanreicherung infolge nicht optimaler Bewirtschaftung gefährdet. Seit Jahren kümmern sich Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes um die Nachmahd der betreffenden Flächen und um die Entfernung des vom Weidevieh nicht verbissenen Gehölzaustriebs. Bisher nehmen beide Bestände eine positive Entwicklung. In der Rüdigsdorfer Schweiz werden mittlerweile alle drei noch bekannten Wiesenvorkommen des Staatlichen Knabenkrautes von uns ehrenamtlich gepflegt bzw. nachgepflegt.

Auch das in den Thüringer Muschelkalkgebieten noch recht häufige und in Thüringen ungefährdete Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) ist Teil der Flora des Naturschutzgebietes, wo es jedoch auch von den Botanikern des vergangenen Jahrhunderts wohl nie besonders oft gesehen wurde. Durch Verbuschung seiner einst mit Schafen und Ziegen beweideten Wuchsorte ist es heute, wie andere Arten auch, so gut wie verschwunden. Eventuell gibt es im NSG aktuell nur noch zwei Exemplare. Diese befinden sich knapp außerhalb einer verbuschenden Weidefläche. Wir entfernten drei Haselsträucher und einen Eichenast zur Auflichtung des Standortes. In die benachbarte Weide sollte die winzige Fläche nicht einbezogen werden. Wir kümmern uns selbst um die weitere, artgerechte Bewirtschaftung.

Weiterhin mähten und entfilzten wir erstmals eine ca. 150 Quadratmeter große Fläche mit einem Vorkommen des in Thüringen stark gefährdeten Steppen-Sesels (Seseli annuum). Dieses unscheinbare, trockenheits- und magerkeitsliebende sowie lückige Standorte bevorzugende Doldengewächs wurde vor Ort noch um das Jahr 2000 mit 60 bis 90 Exemplaren nachgewiesen. In den vergangenen Jahren kamen jedoch nur noch um die zehn Pflanzen zur Blüte. Grund waren zunehmende Verfilzung und Fraßschäden sowie Nährstoffanreicherug. Zur Erhaltung des wichtigen Vorkommens wäre nach wie vor eine Auskopplung der Fläche zumindest bei Beweidung ab Juli notwendig bzw. eine jährliche Nachpflege durch Mahd, wie wir sie am Sonnabend praktizierten. Eine Auskopplung durch uns vom BUND-Kreisverband haben wir gegenüber der Unteren Naturschutzbehörde bereits angeboten.

Und schließlich mähten wir eine nur ca. zwei Quadratmeter große Fläche mit einem Vorkommen der auf anderen Pflanzenarten schmarotzenden, blattgrünlosen Gelben Sommerwurz (Orobanche lutea). Nachdem diese in Thüringen gefährdete Art seit etwa 2010 auf einer Weidefläche nicht mehr aufgefunden werden konnte, tauchte sie neben der Weidefläche 2018 in wenigen Exemplaren erfreulicherweise wieder auf. Die Mahd war erforderlich geworden, um die Wirtsarten zu fördern und konkurrierenden Gehölzaustrieb zu entfernen.

Dass wir am vergangenen Sonnabend gleich an sechs Wuchsorten bedrohter Arten tätig werden konnten und sozusagen das vorgesehene Programm in diesmal nur sechs Stunden erfolgreich abarbeiteten, ist vor allem den Engagement unserer acht Mitstreiter zu verdanken. Neben Petra Wenzel, dem Ehepaar Uschi und Lothar Burkhardt, Tobias Strietzel und dem Autor des Beitrages aus Nordhausen, nahmen Rainer Peix aus Ilfeld und Uwe Dumjahn aus Neustadt am 72. BUND-Einsatz teil. Karl-Heinz Junker war wiederum extra aus Sondershausen angereist, um aktiven Naturschutz im NSG Rüdigsdorfer Schweiz zu betreiben. Eine Krimderöderin kam mit ihrem Hund später dazu und unterstützte uns. Besonders ließen wir uns natürlich wieder unseren Imbiss schmecken. In der wohltuenden Sonne eines ansonsten recht kühlen Januartages.

Wer uns gern bei weiteren Einsätzen unterstützen möchte, kann sich jederzeit unter bodo_schwarzberg@yahoo.de melden.
BUND-Kreisverband Nordhausen
Autor: red

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