nnz-online

Überblick verschafft

Montag, 28. Februar 2005, 17:37 Uhr
Nordhausen/Bad Lauterberg (nnz). Das diesjährige Frühjahrstreffen der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ stand ganz im Zeichen eines Informationsaustausches zwischen den ÖPNV-Entscheidungsträgern und den Nutzern im Südharz. Bei der gut besuchten dreistündigen Veranstaltung wurde den Südharzern ein Überblick über die geplanten Verbesserungen im ÖPNV gegeben.


DB Regio: Neue Züge und mehr Verbindungen Im Bereich der Angebotsplanung stellte Dr. Stefan Klein den aktuellen Planungsstand bei DB Regio Niedersachsen/Bremen vor. So soll ab 2006 zwischen Herzberg und Braunschweig das bislang zweistündliche Angebot auf stündliche Bedienung erweitert werden. Zwischen Bad Harzburg und Kreiensen werden stündlich Regionalbahnen verkehren, die in Kreiensen jeweils Anschluss auf den dann stündlich verkehrenden Metronom zwischen Uelzen - Hannover - Göttingen bieten. Zur Freude der Teilnehmer stellte Dr. Klein den Einsatz der ersten neuen Lint Triebwagen der Baureihe 648 bereits zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni in Aussicht. Bis Dezember sollen dann sukzessiv die weiteren Triebwagen in die Umläufe eingesteuert werden.

DB Netz: Zahlreiche Sanierungsarbeiten geplant
Nach Angaben von Andre Sinn (DB Netz AG) solle im Sommer das südliche Gleis zwischen Scharzfeld und Bad Sachsa saniert werden. Außerdem werden die Gleisanlagen im Bahnhof Scharzfeld saniert, bei dem auch der Haltepunkt für die Züge entfallen wird. Ebenso soll die "Weiche 25" in Herzberg getauscht werden, damit zukünftig auch ein Linientausch Braunschweig / Göttingen - Nordhausen möglich ist. Zwischen Herzberg und Osterode wird es über Ostern aufgrund der geplanten Sanierungsnacharbeiten zu einer Streckensperrung mit SEV kommen. Im Sommer werden Bauarbeiten zwischen Göttingen und Northeim durchgeführt. Alle Regionalbahnen aus dem Südharzer Raum werden auf dem Abschnitt als SEV mit dem Bus geführt. Die Intercity-Züge werden weiterhin verkehren. Die Initiative hat in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, den IC zuschlagfrei benutzen zu dürfen.

LNVG: 12 Punkte Programm für besseren ÖPNV
Für die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) erläuterte Dipl.-Ing. Joachim Ebinger das 12 Punkte Programm für Südniedersachsen. Viele Punkte, wie z.B. das stündliche Angebot nach Göttingen, die neuen Bahnhöfe in Osterode oder der (teilweise) Linientausch in Herzberg konnten 2004 schon umgesetzt werden. Offen sei noch der Punkt 6 (Haltepunkt Scharzfeld oder Barbis), bei dem aus unterschiedlichsten Gründen immer noch k eine endgültige Lösung gefunden werden konnte.
Wie Bad Lauterbergs Bürgermeister Otto Matzenauer berichtete, scheint sich nun doch eine Lösung anzudeuten, da der Rat der Stadt Bad Lauterberg am 24.02.05 eine Resolution zur Anbindung der Stadt Bad Lauterberg an den ÖPNV beschlossen hat. In der Resolution spricht sich die Stadt Bad Lauterberg für einen Haltepunkt Barbis aus und fordert eine langfristig gesicherte Busanbindung an das Schienennetz. Da ein Haltepunkt Barbis voraussichtlich erst Ende 2006 realisiert werden kann, müsse nach Umbau des Haltepunktes Scharzfeld in diesem Jahr eine provisorische Lösung zum Halt der Züge in Scharzfeld gefunden werden. Am Rande des Treffens sprachen der Bürgermeister Otto Matzenauer und Dipl.-Ing. Joachim Ebinger die nächsten Schritte in der Sache Haltepunkt Barbis ab. Nach Aussagen von Dipl.-Ing. Joachim Ebinger stehe die LNVG weiterhin zu der schnellen Umsetzung des Haltepunktes Barbis, dafür stünden auch die Mittel weiterhin bereit.

NVS: Weiterhin desaströse Strecken in Thüringen
Otto Mayer, Geschäftsführer der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen (NVS) beklagte das teilweise desaströse Streckennetz in Thüringen. So müssten mancherorts die Züge durchfahren, um die Fahrzeiten auf der gesamten Strecke zu halten und nannte als Beispiel die Linie Kassel - Nordhausen - Halle. Schon jetzt könnten dadurch Anschlüsse in Nordhausen nicht gehalten werden.

Durch den weiteren Verfall der Strecke drohe sogar eine Aufgabe der durchgehenden Verbindung, so dass Reisende zwischen Kassel und Halle bei 60minütiger Fahrzeitverlängerung zusätzlich in Nordhausen umsteigen müssten. Auch seien die Ausführungszeiten bei Sanierungsprojekten der DB Netz AG deutlich länger, als bei privaten Unternehmen und nannte als positive Beispiele die schnelle Wiederinbetriebnahme des Sonneberger Netzes und die derzeitige Sanierung der Pfefferminzbahn durch private Unternehmen.

Initiative: Hochpreisgebiet VSN
Der Sprecher der Initiative Michel Reinboth bedauerte, dass sich nach den positiven Aussichten für den ÖPNV in der Südharzregion die Tarifsituation nach den drastischen Preiserhöhungen des VSN weiter verschärft hätte. Der VSN müsse endlich von der Hochpreispolitik abrücken, damit die Verbesserungen im Angebot auch zu volleren Zügen führten. Michael Reinboth fordert für die Tourismusregion Harz endlich die Einführung einer Drei-Tageskarte für Touristen und Einheimische auf Basis des Übergangstarifs Harz. Die Initiative unterstützt auch die Forderung des Pro Bahn Regionalvorsitzenden Südniedersachen Gerd Aschoff, dass das "Niedersachsen-Ticket" nicht nur Montag - Freitag, sondern an allen Wochentagen gilt und auch in Bussen erhältlich ist.
"Wir ziehen ein positives Resümee der Veranstaltung. Die Teilnehmer erhielten viele Informationen aus erster Hand und können sich nun auf einen besseren ÖPNV freuen", fasste der Sprecher der Initiative Burkhard Breme die Veranstaltung zusammen und kündigte an, dass dies bestimmt nicht die letzte dieser Art gewesen sei.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de