Lesecafé rund um Hagelstange
Der "Wurzelgrund" Antike
Donnerstag, 27. Dezember 2018, 10:12 Uhr
Immer am ersten Mittwoch eines jeden Monats versammeln sich Literaturfreunde zum Lesecafe in der Bibliothek Nordhausens. Traditionell steht im Januar der Dichter und Schriftsteller Rudolf Hagelstange mit seinem umfänglichen literarischen Werk im Mittelpunkt, jedes mal zu einem besonderen Thema seines Werkes...
Hinführend zu der diesjährigen Lesung am 2.1.2019 ab 16.00 Uhr im Lesesaal aus mehreren Büchern des begnadeten Sprachschöpfers über das antike Griechenland bis ins Heute, möchte ich auf ein größeres Relief in der Geschwister-Scholl-Straße in Nordhausen hinweisen, an der Westwand eines einladend gestalteten Hauses angebracht. Es entführt mit seinen Männern und Frauen in antikes Geschehen aus der griechischen Literatur.
Begonnen hat Hagelstanges reichhaltige Leben am 14. Januar 1912 in Nordhausen in der Moltkestraße 4 (Oscar-Cohn-Straße 4). Der Geburtsort mit seiner vom Harzraum und Kyffhäusergebirge geprägten Umgebung war ihm zeitlebens präsent. Ich war im Kriege und in den Jahren davor weit herumgekommen in Europa. Aber hier lag mein "Wurzelgrund. Als junger Mann erschloss er sich mit einem Faltboot weitere Landschaften mit ihren Menschen. Ab Pressburg (Bratislawa) begab er sich 1933 mit zwei Freunden die Donau entlang an vielen Ländern vorbei zum Schwarzen Meer. Als nächstes folgte ein sechsmonatiger Aufenthalt auf Kreta, wo er sich die größte Insel Griechenlands in ihrer vielfältigen Landschaft und Kultur erschloss, die vom feinsandigen Strand bis zu den Weißen Bergen reicht.
Das Ida-Gebirge ist die höchste Erhebung der Insel, wo sich auch die berühmte Idäische Grotte befindet, wo nach der griechischen Mythologie der Geburtsort des Zeus ist. So erschloss sich ihm ein zweiter "Wurzelgrund", denn besonders zu der Inselwelt dieses südlichen Landes trug ihn dann eine beständige Sehnsucht, die er "griechische Krankheit" benannte. Hagelstange bleibt zeitlebens ein großer Reisender, der fast alle Kontingente aufsucht.
Schon am humanistischen Gymnasium in Nordhausen war ihm der Reichtum an Architektur, Literatur, plastischen Kunstwerken Griechenlands nahe gelegt worden. Er beschreibt z. B., wie er beim Stromern durch seine Heimatstadt von Helden und Göttern begleitet wird. Es fallen Namen wie Hector, Achill, Odysseus, Hermes, Apollo, Zeus und Athene, nicht zu vergessen der Sänger Orpheus mit seinem tragischen Schicksal. Nun wollte er das alles im Original in Augenschein nehmen und darüber schreiben. So entstand in folgenden Jahren der Roman "Spielball der Götter", vielfach aufgelegt und ausgezeichnet. Der trojanische Prinz Paris ist eine Hauptfigur, der die Frau eines griechischen Herrschers raubt, die schöne Helena. Der griechische Dichter Homer hat über das kriegerische Geschehen seinen Sprechgesang erklingen lassen, andere haben das Gedichtete aufgeschrieben, nun also auch Rudolf Hagelstange. Es folgt der Roman "Der Große Filou - die Irrfahrten des Ithakers Odysseus", die Beschreibung unzähliger Abenteuer des listenreichen Trojakämpfers, der sich den Zorn des Meeresgottes Poseidon zugezogen hatte und deshalb zehn Jahre warten musste, ehe er heimkehren konnte.
In mehreren Erzählungen beschreibt Hagelstange seine Aufenthalte auf verschiedenen Inseln, z. B. in "Ägäischer Sommer - Das Lied der Muschel" und "Kykladensommer": "Mit dem Wort Griechenland wird manches heraufbeschworen, das in der Geschichte und der Entwicklung der Menschen eine maßgebende und beispielsetzende Rolle spielte. Ob wir von Demokratie oder Tyrannis reden, von Theater oder Mysterien, von Archäologie oder Olympischen Spielen... Unsere alltägliche Sprache ist reich an griechischen Wörtern..." Wer Lust bekommen hat, der Sprache des Nordhäusers Rudolf Hagelstange in seiner nach ihm benannten Bibliothek zu lauschen, ist dort am Mittwoch, 2.1.19, am richtigen Platz.
Heidelore Kneffel
Autor: redHinführend zu der diesjährigen Lesung am 2.1.2019 ab 16.00 Uhr im Lesesaal aus mehreren Büchern des begnadeten Sprachschöpfers über das antike Griechenland bis ins Heute, möchte ich auf ein größeres Relief in der Geschwister-Scholl-Straße in Nordhausen hinweisen, an der Westwand eines einladend gestalteten Hauses angebracht. Es entführt mit seinen Männern und Frauen in antikes Geschehen aus der griechischen Literatur.
Begonnen hat Hagelstanges reichhaltige Leben am 14. Januar 1912 in Nordhausen in der Moltkestraße 4 (Oscar-Cohn-Straße 4). Der Geburtsort mit seiner vom Harzraum und Kyffhäusergebirge geprägten Umgebung war ihm zeitlebens präsent. Ich war im Kriege und in den Jahren davor weit herumgekommen in Europa. Aber hier lag mein "Wurzelgrund. Als junger Mann erschloss er sich mit einem Faltboot weitere Landschaften mit ihren Menschen. Ab Pressburg (Bratislawa) begab er sich 1933 mit zwei Freunden die Donau entlang an vielen Ländern vorbei zum Schwarzen Meer. Als nächstes folgte ein sechsmonatiger Aufenthalt auf Kreta, wo er sich die größte Insel Griechenlands in ihrer vielfältigen Landschaft und Kultur erschloss, die vom feinsandigen Strand bis zu den Weißen Bergen reicht.
Das Ida-Gebirge ist die höchste Erhebung der Insel, wo sich auch die berühmte Idäische Grotte befindet, wo nach der griechischen Mythologie der Geburtsort des Zeus ist. So erschloss sich ihm ein zweiter "Wurzelgrund", denn besonders zu der Inselwelt dieses südlichen Landes trug ihn dann eine beständige Sehnsucht, die er "griechische Krankheit" benannte. Hagelstange bleibt zeitlebens ein großer Reisender, der fast alle Kontingente aufsucht.
Schon am humanistischen Gymnasium in Nordhausen war ihm der Reichtum an Architektur, Literatur, plastischen Kunstwerken Griechenlands nahe gelegt worden. Er beschreibt z. B., wie er beim Stromern durch seine Heimatstadt von Helden und Göttern begleitet wird. Es fallen Namen wie Hector, Achill, Odysseus, Hermes, Apollo, Zeus und Athene, nicht zu vergessen der Sänger Orpheus mit seinem tragischen Schicksal. Nun wollte er das alles im Original in Augenschein nehmen und darüber schreiben. So entstand in folgenden Jahren der Roman "Spielball der Götter", vielfach aufgelegt und ausgezeichnet. Der trojanische Prinz Paris ist eine Hauptfigur, der die Frau eines griechischen Herrschers raubt, die schöne Helena. Der griechische Dichter Homer hat über das kriegerische Geschehen seinen Sprechgesang erklingen lassen, andere haben das Gedichtete aufgeschrieben, nun also auch Rudolf Hagelstange. Es folgt der Roman "Der Große Filou - die Irrfahrten des Ithakers Odysseus", die Beschreibung unzähliger Abenteuer des listenreichen Trojakämpfers, der sich den Zorn des Meeresgottes Poseidon zugezogen hatte und deshalb zehn Jahre warten musste, ehe er heimkehren konnte.
In mehreren Erzählungen beschreibt Hagelstange seine Aufenthalte auf verschiedenen Inseln, z. B. in "Ägäischer Sommer - Das Lied der Muschel" und "Kykladensommer": "Mit dem Wort Griechenland wird manches heraufbeschworen, das in der Geschichte und der Entwicklung der Menschen eine maßgebende und beispielsetzende Rolle spielte. Ob wir von Demokratie oder Tyrannis reden, von Theater oder Mysterien, von Archäologie oder Olympischen Spielen... Unsere alltägliche Sprache ist reich an griechischen Wörtern..." Wer Lust bekommen hat, der Sprache des Nordhäusers Rudolf Hagelstange in seiner nach ihm benannten Bibliothek zu lauschen, ist dort am Mittwoch, 2.1.19, am richtigen Platz.
Heidelore Kneffel

