ÜBER DEN STADTPARK BIS NACH KRIMDERODE
Landrat-Vision – abgehoben oder realistisch?
Dienstag, 11. Dezember 2018, 10:42 Uhr
Matthias Jendricke wärmt aktuell wieder eine Idee auf, die wir von ihm schon vor über sechs Jahren hörten: Erweiterung der Straßenbahnlinie bis nach Krimderode über den Stadtpark, der auch Salza mit anschließt...
Haltestelle Stadtpark (Foto: Archiv Stadtverwaltung)
Nordhausen. Damals kandidierte Jendricke für das Amt des Oberbürgermeisters. Und verkündete eine Vision, die er im Falle seiner Wahl nicht aus dem Auge verlieren würde: Eine Streckenführung nach Krimderode, argumentierte er, wäre eine gute Sache, der Sportpark schneller erreichbar. Oberbürgermeister wurde Dr. Klaus Zeh. Der verwarf diese Idee umgehend als abgehoben, zu kostenintensiv. Der Stadtrat pflichtete ihm bei. Außerdem würde der Charakter des Parks beeinträchtigt, wenn die Bahn über ihn führe.
Heute ist Matthias Jendricke Landrat. Mit Blick auf die Sanierung des Albert-Kuntz-Sportparks belebt er seine Vision. Wie zu hören und zu lesen war, würden zudem die Grundstücke in Krimderode dadurch aufgewertet, die Attraktivität für junge Familien erhöh. Ein Wahljahr sei ein guter Zeitpunkt für eine Auffrischung seiner Vorstellungen. Jendricke rührt die Trommel, wirbt vehement, richtet sich an die Visionäre im künftigen Stadtrat.
Eine Bahn mitten durch den Park? Am Rande des Naherholungsgebietes entlang? Oder über den Van-der-Foehr-Damm? Oder entlang des Bitumenweges an den Kleingärten und dem China-Restaurant vorbei? Wie stellt sich der Visionär die Linienführung vor? Das von ihm zu hören, wäre allgemein von Interesse. Die Vision mag verlockend sein, die Kosten wohl eher erschreckend. Eine Vision - abgehoben oder realistisch? Wir fragten nach.
Volker Wente, der An der Bleiche wohnt, hält von der Vision des Landrats nichts. Wo soll der Platz für eine Erweiterung der Linie herkommen?, fragt er. Soll ein Stück grüne Lunge, wenn sie durch den Park führt, verloren gehen? Fußballfans, die in das Stadion wollen, wenn Wacker spielt, kämen auch so vor Ort. Zudem fördere ein Spaziergang die Gesundheit. Außerdem: Wer soll das Projekt bezahlen? Es wird, wie der Aufstieg in die 3. Liga, eine Vision bleiben.
Siegfried Schäfer, ebenfalls An der Bleiche wohnhaft, kann sich eine Erweiterung der Linie nach Krimderode vorstellen. Schon damals, beim Bau zu DDR-Zeiten, habe er dem Wirtschaftssekretär der SED-Kreisleitung, Helmut Brückner, vorgeschlagen, die Streckenführung zu erweitern. Kein Bedarf, habe der erwidert. Schäfer aber meint, der Schienstrang könnte entweder auf der B 4 verlaufen oder mit etwas guten Willen und kleinen Veränderungen neben dem bituminierten Rad-und Fußweg an den Kleingärten und dem China-Restaurant vorbei. Auf keinen Fall dürfe er durch den Stadtpark führen. Das würde ihn erheblich negativ beeinträchtigen.
Mit der Vision des Landrates könne er sich absolut nicht anfreunden, meint Werner Degener aus der Hardenbergstraße. Was soll das bringen, die Straßenbahn bis Krimderode über den Stadtpark fahren zu lassen?, stellt er die Frage. Die enormen Mittel, die das Projekt erforderten, sieht er in sozialen Maßnahmen besser investiert – der Unterstützung armer und pflegebedürftiger Menschen. Heute, das bringe die Zeit mit sich, in der man flexibel zu sein habe, verfüge in der Regel jede Familie über einen fahrbaren Untersatz. Wer zum Sportplatz, nach Krimderode oder Salza wolle, käme ohne Probleme auch dorthin.
Jutta Föllmer, eine alte Nordhäuserin, die jetzt in Arnstadt lebt und zu Besuch in der Rolandstadt weilt, meint: Visionen für die Zukunft sind immer gut, aber sie sollten sich im Rahmen des Machbaren bewegen. Eine Linienführung über den Stadtpark, wie es der Herr Landrat vorschlägt, ist doch absurd. Ein Park soll ein Park bleiben. Krimderode und Salza sind auch ohne Straßenbahn gut erreichbar.
Kurt Frank
Autor: red
Haltestelle Stadtpark (Foto: Archiv Stadtverwaltung)
Nordhausen. Damals kandidierte Jendricke für das Amt des Oberbürgermeisters. Und verkündete eine Vision, die er im Falle seiner Wahl nicht aus dem Auge verlieren würde: Eine Streckenführung nach Krimderode, argumentierte er, wäre eine gute Sache, der Sportpark schneller erreichbar. Oberbürgermeister wurde Dr. Klaus Zeh. Der verwarf diese Idee umgehend als abgehoben, zu kostenintensiv. Der Stadtrat pflichtete ihm bei. Außerdem würde der Charakter des Parks beeinträchtigt, wenn die Bahn über ihn führe.
Heute ist Matthias Jendricke Landrat. Mit Blick auf die Sanierung des Albert-Kuntz-Sportparks belebt er seine Vision. Wie zu hören und zu lesen war, würden zudem die Grundstücke in Krimderode dadurch aufgewertet, die Attraktivität für junge Familien erhöh. Ein Wahljahr sei ein guter Zeitpunkt für eine Auffrischung seiner Vorstellungen. Jendricke rührt die Trommel, wirbt vehement, richtet sich an die Visionäre im künftigen Stadtrat.
Eine Bahn mitten durch den Park? Am Rande des Naherholungsgebietes entlang? Oder über den Van-der-Foehr-Damm? Oder entlang des Bitumenweges an den Kleingärten und dem China-Restaurant vorbei? Wie stellt sich der Visionär die Linienführung vor? Das von ihm zu hören, wäre allgemein von Interesse. Die Vision mag verlockend sein, die Kosten wohl eher erschreckend. Eine Vision - abgehoben oder realistisch? Wir fragten nach.
Volker Wente, der An der Bleiche wohnt, hält von der Vision des Landrats nichts. Wo soll der Platz für eine Erweiterung der Linie herkommen?, fragt er. Soll ein Stück grüne Lunge, wenn sie durch den Park führt, verloren gehen? Fußballfans, die in das Stadion wollen, wenn Wacker spielt, kämen auch so vor Ort. Zudem fördere ein Spaziergang die Gesundheit. Außerdem: Wer soll das Projekt bezahlen? Es wird, wie der Aufstieg in die 3. Liga, eine Vision bleiben.
Siegfried Schäfer, ebenfalls An der Bleiche wohnhaft, kann sich eine Erweiterung der Linie nach Krimderode vorstellen. Schon damals, beim Bau zu DDR-Zeiten, habe er dem Wirtschaftssekretär der SED-Kreisleitung, Helmut Brückner, vorgeschlagen, die Streckenführung zu erweitern. Kein Bedarf, habe der erwidert. Schäfer aber meint, der Schienstrang könnte entweder auf der B 4 verlaufen oder mit etwas guten Willen und kleinen Veränderungen neben dem bituminierten Rad-und Fußweg an den Kleingärten und dem China-Restaurant vorbei. Auf keinen Fall dürfe er durch den Stadtpark führen. Das würde ihn erheblich negativ beeinträchtigen.
Mit der Vision des Landrates könne er sich absolut nicht anfreunden, meint Werner Degener aus der Hardenbergstraße. Was soll das bringen, die Straßenbahn bis Krimderode über den Stadtpark fahren zu lassen?, stellt er die Frage. Die enormen Mittel, die das Projekt erforderten, sieht er in sozialen Maßnahmen besser investiert – der Unterstützung armer und pflegebedürftiger Menschen. Heute, das bringe die Zeit mit sich, in der man flexibel zu sein habe, verfüge in der Regel jede Familie über einen fahrbaren Untersatz. Wer zum Sportplatz, nach Krimderode oder Salza wolle, käme ohne Probleme auch dorthin.
Jutta Föllmer, eine alte Nordhäuserin, die jetzt in Arnstadt lebt und zu Besuch in der Rolandstadt weilt, meint: Visionen für die Zukunft sind immer gut, aber sie sollten sich im Rahmen des Machbaren bewegen. Eine Linienführung über den Stadtpark, wie es der Herr Landrat vorschlägt, ist doch absurd. Ein Park soll ein Park bleiben. Krimderode und Salza sind auch ohne Straßenbahn gut erreichbar.
Kurt Frank
