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nnz-Betrachtung: Der alte Mann

Donnerstag, 17. Februar 2005, 10:26 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit Günter Papenburg verabschiedet sich ein Unternehmer aus der Nordhäuser Region, der vielleicht einer letzten seiner „Gattung“ ist. Papenburg war teilweise skurril, manchmal unberechenbar. Was nach ihm kommt, das sind die Manager. Dazu eine Betrachtung.


Ende Januar hat Günter Papenburg endgültig die Nase von Nordhausen voll gehabt. Oftmals kam er mit seiner alten Ledertasche in die Rolandstadt, um nach dem Rechten zu schauen. So recht war das schon lange nicht mehr an der Rothenburgstraße. In eine florierende Bauboom-Phase hinein hatte der Bauunternehmer sich neben seinem Eishockey-Tick auch noch zwei Baumaschinenhersteller in Halle und Nordhausen aufgehalst. Glaubt man den Legenden, so wollte er die Nordhäuser an der langen Leine lassen. Dann, als der wichtigste Partner für die Nobas - die Bomag - wegbrach, da musste Papenburg tief in seine Taschen greifen. Wie viele Millionen Euro nach Nordhausen geflossen sind, das wird wohl nie so richtig bekannt werden. Den unzähligen Überweisungen hängte er immer einen Wunsch an: Kommt endlich raus aus der Krise und aus den Verlusten!

Der Ruf wurde jahrelang zwar erhört, doch dessen Umsetzung verzögerte sich. Auch im Jahr 2004 gab es ein dickes Minus und so rechnete die Chefetage in Nordhausen nach. Unterm Strich stand ein zartes Plus für 2005. Doch dafür sollten die Mitarbeiter an der Rothenburgstraße auf Lohn und Gehalt verzichten, sollte mehr arbeiten. Als letztes Angebot nachgebessertes Angebot gab es einen Vorschlag für ein Bündnis für Arbeit. Papenburg hoffte, daß ihn die Arbeiter verstehen würden. Ein Teil davon verstand das alles und schrieb einen Brief an die IG Metall nach Frankfurt am Main, für die rund 30 Mitarbeiter war das Vertrauen zum Betriebsrat und zur hiesigen IG Metall verlustig gegangen.

Der Betriebsrat ignorierte das Papenburg-Angebot, dann schmiss der alte Mann in Hannover hin. Er klappte seine Ledertasche zu und übergibt nun den Managern die beiden Firmen. Für die zählen nur noch Zahlen, das machte Aribert Kupsch auch deutlich im nnz-Interview. Das ist zu verstehen, denn Kupsch und Rahlfs haben keine 3.000 Mitarbeiter in einem Konzern in der Hinterhand wie Günter Papenburg. Sie leben quasi von dem, was an Aufträgen reinkommt, Management by out nenen das ganz schlaue Menschen. Und so wird die Personalstruktur in den kommenden Monaten angepasst. Es wird entlassen. Vielleicht, aber nur vielleicht haben Betriebsrat und Gewerkschaft Ende Januar eine Chance verspielt. Jetzt wird mit eisernem Besen in den Hallen der Nobas gekehrt und Günter Papenburg ist mindestens ein Problem los.

Und in der kommenden Woche wird er wieder einmal unseren Bundeskanzler treffen. Er wird ihm sagen, daß er sich die Früchte seiner Wirtschaftspolitik mal im kleinen Nordhausen ansehen möge. So schrullig ist er eben – der Günter Papenburg.
Autor: nnz

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