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Genossenschaftliche Energie für die Diakonie

Ein Platz an der Sonne

Samstag, 24. November 2018, 07:30 Uhr
Steht man auf dem Dach des St. Jakob Hauses und sieht sich um und überblickt die Rautenstraße, sieht man die Dächer einer durchschnittlichen Kleinstadt. Die Diakonie Nordhausen und die Energiegenossenschaft Helmetal haben vor allem eines gesehen: Potential...

Mit einer neuen Photovoltaik-Anlage will die Diakonie das St. Jakob-Haus versorgen (Foto: Angelo Glashagel) Mit einer neuen Photovoltaik-Anlage will die Diakonie das St. Jakob-Haus versorgen (Foto: Angelo Glashagel)

Gestern Nachmittag wurde auf dem Dach des Pflegeheims St. Jakob eine Photovoltaik-Anlage mit 416 qm Fläche in Betrieb genommen. Die 216 Module á 320 Watt schaffen theoretisch eine Generatorleistung von 69,12 kWp, je nach Wetterlage. Rund 70% des Energiebedarfes will man so in Zukunft über Solarstrom vom eigenen Dach decken. Kommt es zur Überschussproduktion, speist die Anlage den Strom in das weitere Netz ein und die Betreiber erhalten eine entsprechende Einspeisevergütung.

Soweit so normal, das Modell ist nichts revolutionäres. Die Kooperation mit der Genossenschaft biete dem Pflegedienstleister aber noch andere Vorteile, erläuterte Diakonie-Chef Michael Görk. Kommt der Strom nicht vom Dach, dann kommt er in Zukunft von der Genossenschaft und nicht vom üblichen Grundversorger. Die Genossenschaft wiederrum ist Mitglied in der Vereinigung "Thüringer Landstrom", in der sich rund die Hälfte der 36 Energiegenossenschaften im Freistaat zusammengeschlossen haben. Man kauft und verkauft den Strom untereinander, produziert die PV-Anlage auf dem Dach der Diakonie Strom im Überschuss, kann er anderswo im Freistaat genutzt werden, reicht der Sonnenschein über der Rautenstraße einmal nicht aus, bezieht man den Strom aus anderen Gefilden und Energieerzeugern in Thüringen. Am Ende fahre man damit günstiger als bisher, aktuell liege man rund 2,5 Cent unter dem durchschnittlichen Preis pro Kilowatt-Stunde, erklärte Sebastian Kupfer, Chef bei der Firma Intrasol und Mitglied der Genossenschaft. Die Kosten von rund 85.000 Euro wurden vor allem durch Spar-Einträge der Genossenschaftsmitglieder bestritten, aber auch die Kreissparkasse Nordhausen war mit im Boot.

Nach dem Pflegeheim in Günzerode ist die PV-Anlage auf dem St. Jakob bereits das zweite Projekt das Genossenschaft und Diakonie zusammen umgesetzt haben und die fünfte PV-Anlage, die von der Genossenschaft im Landkreis Nordhausen betrieben wird. In Werther und Großwechsungen laufen die Anlagen auf dem Dach der Kindergärten und in der Rothenburgstraße in Nordhausen nutzt die Firma Intrasol, die für die Planung und Bauleitung der Projekte verantwortlich zeichnet, den Solarstrom um ihre Fahrzeuge aufzuladen. Mit dem Haus der Dienste in Salza hat man bereits das nächste Projekt im Auge und plant nochmal einmal ein wenig größer.

Bei der Diakonie rechnet man damit die Anlage für die kommenden 20 bis 30 Jahre nutzen zu können. In Zukunft könnte die dann auch die Fahrzeugflotte des Pflegedienstes mobil halten. Man überlege derzeit ob man den Fuhrpark der ambulanten Pflege in Teilen oder vielleicht sogar ganz auf Elektro-Fahrzeuge umstelle, sagte Michael Görk.

Geht die Rechnung am Ende auf, dürfte man es mit einer klassischen "win-win" Situation zu tun haben. Günstigerer Strom für den Pflegedienst, mehr Kapazitäten für die Genossenschaft, eine dezentralere Energieversorgung in Bürgerhand. Ein Modell, das Schule machen könnte. Potential gibt es auf Nordhausens Dächern in jedem Fall genug.
Angelo Glashagel
Autor: red

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