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Einzelfall-Falle

Dienstag, 15. Februar 2005, 13:04 Uhr
Nordhausen (nnz). Lange Zeit war es ein Tabu: Gewalt in der Schule fand einfach nicht statt, wenn Redakteure die „Offiziellen“ fragten. Und wenn schon mal auf dem Schulhof geprügelt wurde, dann waren das Einzelfälle. Aus dieser „Einzelfalle“ will man nun rauskommen...


Der Thüringer Lehrerverband (tlv) und der Thüringer Landesverband der Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) rufen zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Schule und Polizei auf. Die Landesvorsitzenden der beiden Gewerkschaften stellten hierzu heute in Erfurt die gemeinsame Erklärung ihrer Bundesverbände VBE und DPolG „Gewalt darf keine Schule machen!“ vor.

„Schule und Polizei dürfen nicht immer nur für Gewalt verantwortlich gemacht werden, sondern sie müssen beim Wahrnehmen ihrer hohen Verantwortung breite gesellschaftliche Unterstützung erfahren und gemeinsam vorgehen dürfen“, erklärte der tlv Landesvorsitzende, Rolf Busch. „Dabei dürfen Informationen aus der Schule heraus nicht länger ausschließlich auf Einbahnstraßen verlaufen“, so Busch weiter.

„Vorbeugen ist besser als heilen, deshalb muss in jeder Polizeiinspektion ein fester Ansprechpartner für die Schulen vorhanden sein, der sich nur dieser präventiven Aufgabe widmet“, forderte hierzu der DPolG Landesvorsitzende, Jürgen Hoffmann. Ein erster Schritt für ein Ende des auch in Thüringen verbreiteten Schubladendenkens kann durch eine ähnliche Regelung wie in Niedersachen gegangen werden.

Dort ist die Zusammenarbeit von Schule, Polizei und Justiz derart bestimmt, dass auch die Schulen Informationen von Polizei und Justiz erhalten. Die beiden Landesvorsitzenden fordern die Landesregierung zum Schaffen eines solchen Erlasses und zur Änderung eventuell entgegenstehender Vorschriften auf. Hierbei sollte ebenfalls das gemeinsame Anliegen und nicht wie häufig Ressortdifferenzen im Vordergrund stehen.

Mit einer solchen Regelung kann betroffenen Kindern und Jugendlichen – unabhängig davon ob Opfer oder Täter – besser geholfen werden. Weitere Schritte zum vernetzten Umgang mit schwierigen Schülern können und sollten der besseren Zusammenarbeit von Schule und Polizei auch mit weiteren an der Erziehung Beteiligten folgen.
Autor: nnz

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