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Polizeibeamte an Tuberkulose erkrankt

Prävention ja, vollständiger Schutz nein

Donnerstag, 01. November 2018, 10:00 Uhr
Die Nordthüringer Online-Zeitungen hatten wiederholt über den Ausbruch von Tuberkulose im Landkreis Nordhausen berichtet. Seit einigen Tagen macht sich nun bei Beamten der Nordhäuser Polizei nicht nur Angst, sondern auch Unmut breit. Wir sind dem nachgegangen...


Mehrere Beamte der Nordhäuser Polizei hätten sich mit Tuberkulose im Dienst angesteckt, sagt ein Beamter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Und: es habe dazu keinerlei Informationen der Dienststellenleitung gegeben. Es könne doch nicht ausgeschlossen werden, dass sich weitere Kolleginnen und Kollegen ebenfalls infiziert haben, so seine Sorge.

Auf Nachfrage der nnz bestätigte die Pressesprecherin der Landespolizeiinspektion (LPI), Fränze Töpfer, dass sich zwei Beamte "im Rahmen ihrer Dienstausübung mit geschlossener TBC infiziert" haben. Dem widerspricht allerdings die Aussage des Nordhäuser Gesundheitsamtes, dass der Behörde in diesem Jahr zehn TBC bekannt geworden sind, von denen neun als "offene TBC" klassifiziert wurden. Diese Form ist höchst ansteckend, der Erreger wird zum Beispiel über die Luft übertragen. Vier der Erkrankten sind Ausländer, sechs sind deutsche Einwohner im Landkreis Nordhausen, wie das Gesundheitsamt mitteilt. In diesem Jahr starben im Landkreis Nordhausen zwei Menschen an der Krankheit.

Weiter heißt es: "Bis dato wurden im Jahr 2018 über 350 Personen durch das Gesundheitsamt Nordhausen diesbezüglich untersucht. Darunter auch Polizeibeamte im Zusammenhang als Kontaktpersonen zu ortsansässigen deutschen Tuberkuloseerkrankten des Landkreises Nordhausen."

Aus Sicht der Polizei gäbe es unterschiedliche Maßnahmen der Prävention für die Beamten. "Der Polizeiärztliche Dienst in Erfurt hat auf seinen Seiten im polizeiinternen Intranet Informationen und Verhaltensregeln im Umgang mit möglicherweise infizierten Personen eingestellt. Diese sind jederzeit für jeden Bediensteten abrufbar. Alle Streifenwagen sind mit einem sogenannten Hygienesatz, bestehend aus Mundschutz, Handschuhen, Ganzkörperanzügen sowie Desinfektionsmittel ausgestattet. Die Beamten sind in den Umgang mit den Hygienesätzen eingewiesen und werden regelmäßig belehrt. Auf Grund der aktuellen Fälle wird es in der kommenden Woche eine Aufklärungsveranstaltung im Umgang mit infizierten Menschen und den daraus resultierenden Sofortmaßnahmen geben. Eine zweite Veranstaltung ist ebenfalls im November geplant.

Ungeachtet dessen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stabsstelle Betriebsmedizin sowie zwei Betriebsärzte in Erfurt bei Fragen zu diesem Thema zur Verfügung. Auch der Sicherheitsingenieur und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit beraten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in allen Fragen des Gesundheitsschutzes."

Im Gespräch mit der nnz regten die Nordhäuser Polizisten an, dass die Polizei eventuell die Namen von Personen erhält, die an TBC erkrankt seien, damit sie ihnen bei einem eventuellen Einsatz nicht schutzlos ausgeliefert seien. Eine solche Verfahrensweise ist jedoch nicht möglich, denn geltenden Datenschutzbestimmungen sowie die ärztliche Schweigepflicht stehen dem entgegen.

Und so werden die Beamten weiterhin Vorsicht walten lassen, wenn sie Personen kontrollieren oder zum Beispiel Haftbefehle vollstrecken müssen. Dabei kommt es, so die Erfahrung der Beamten, oftmals zu Handgreiflichkeiten oder auch zum Anspucken seitens der Tatverdächtigen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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